Julia Weber arbeitet sich an Heidi Klum ab: "Meine Pobacken sind aus Gold"

In den Kammerspielen arbeitet sich Julia Weber ohne ersichtliches Ziel an Heidi Klum ab.
| Mathias Hejny
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David Gaviria und Johanna Kappauf in "Heidi weint".
David Gaviria und Johanna Kappauf in "Heidi weint". © Judith Buss

München - Julia Weber hat zu Heidi Klum ein ambivalentes Verhältnis. In einem Brief an das Star-Model gesteht die Münchner Schriftstellerin: "Ich bewundere Dich und gleichzeitig verspüre ich ein großes Bedürfnis, Dich zum Weinen zu bringen." Sie bewundere einerseits die Perfektion, aber genau das wolle sie einmal aufbrechen. Tatsächlich soll Klum im Mai 2020 bei laufender Kamera einmal geweint haben. Der Lebensbericht eines Kandidaten, der wegen Vergewaltigung mehr als 20 Jahre unschuldig im Gefängnis saß, hat sie in der Castingshow "America's Got Talent" zu Tränen gerührt.

Julia Weber bewundert Heidi Klums Perfektion

Die Sendung ist eine US-Variante der ProSieben-Sendung "Germany's Next Topmodel", die Heidi Klum moderiert. Nicht nur Feministinnen und Feministen werfen dieser Art von "Reality-TV" ein realitätsfernes Frauenbild vor, das vor allem sie selbst pflegt: Immer schön, immer gut drauf, immer makellor Style und in jedem Moment kontrolliert. Weinen geht nicht, sofern ein Ausdruck von Empathie nicht in die Dramaturgie passt.

"Heidi weint" in den Kammerspielen

Julia Weber liefert gemeinsam mit Dennis Seidel sowie dem ganzen Ensemble von "Heidi weint" eine Textcollage aus Material, das überwiegend aus "GNTP"-Shows stammt. Aber die gute Stunde im Werkraum beginnt mit minutenlanger Finsternis. Durch den nur von der Notausgangbeleuchtung matt illuminierten Raum (Sabine Winkler und Charlotte Pistorius) stolpern die Models in ihren Glitzerfummeln (Kostüme: Lea Søvsø).

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Für die "Gefühlsversammlung" hatte Regisseurin Nele Jahnke ein inklusives Ensemble von sechs Personen aus Behinderten und Nichtbehinderten zusammengestellt. Luisa Wöllisch und Dennis Fell-Hernandez sind fast schon Stars mit Down-Syndrom bei inklusivem Casting für Bühne und Fernsehen.

Sebastian Brandes macht aus Ohrwürmchen eine nervtötende Endlosschleife

"Ich bin die, die wie eine Bombe einschlägt, ich bin die, die ihren Körper liebt", sagt Wöllisch mit der "richtigen attitude" für den Model-Job, und "meine Pobacken sind aus Gold". Fell-Hernandez mimt hinreißend zu "Believe" von Cher, die nicht nur für ihre Popsongs bekannt ist, sondern auch für zahlreiche kosmetische Korrekturen. Ein anderes Musikstück, dass den Abend prägt, ist Blümchens "Boomerang". Sebastian Brandes macht aus dem Ohrwürmchen eine nervtötende Endlosschleife.

Das ist alles so unverbindlich zusammengetragen wie es sich liest. Mehr, als dass Heidi und ihr Schönheitswahn irgendwie doof sind, erzählt Nele Jahnkes Potpourri nicht und nach 18 Staffeln hat sich das sogar unter denen herumgesprochen, die nicht eine einzige der mehr als 230 Folgen gesehen haben. Neu ist auch nicht, dass bei Projekten dieses Zuschnitts zwischen aufrichtig Gutgemeintem und peinlicher Freakshow nur eine hauchdünne Grenze verläuft.


Münchner Kammerspiele (Werkraum), wieder am 8., 9. November, 20 Uhr, Telefon 089/23396600

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