In der Krise rückt man enger zusammen

In Bayreuth läuft in zwei Jahren der Vertrag der Intendantinnen aus. Nun wird verhandelt
| Kathrin Zeilmann
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Wolfgang Wagners ungleiche Töchter Eva Wagner-Pasquier (li.) und Katharina Wagner leiten derzeit die Festspiele.
dpa Wolfgang Wagners ungleiche Töchter Eva Wagner-Pasquier (li.) und Katharina Wagner leiten derzeit die Festspiele.

In Bayreuth läuft in zwei Jahren der Vertrag der Intendantinnen aus. Nun wird verhandelt.

Wenn am Mittwoch der letzte Vorhang bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen fällt, geht es an den Verhandlungstisch: Bleiben die Wagner-Schwestern Katharina und Eva Wagner-Pasquier auch über 2015 hinaus die Chefinnen am Grünen Hügel?

Während ihr Vater Wolfgang noch mit einem Engagement auf Lebenszeit ausgestattet war, bekamen die Töchter 2008 nur einen Intendantenvertrag mit der üblichen Laufzeit von sieben Jahren. Was können die Schwestern in die Waagschale werfen?

Die „Tannhäuser“-Produktion, mit der nächstes Jahr die Festspiele beginnen, findet nach wie vor kein Gefallen. „Lohengrin“ mit Klaus Florian Vogt und Annette Dasch ist ein Dauerbrenner. „Der fliegende Holländer“ plätschert dahin. Der neue „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Frank Castorf hat für hitzige Debatten gesorgt. Dass Kirill Petrenko als musikalischer Leiter gefeiert wurde, ist nicht dem Gespür der Intendantinnen zuzurechnen – er war noch von Wolfgang Wagner auf den Grünen Hügel gelotst worden.

Es läuft nicht alles reibungslos: Bei der kostenlosen Übertragung einer Wagner-Oper auf Großbildleinwand auf dem Volksfestplatz sprang der Sponsor ab. Die Festspiele hatten wegen der Kartenvergabe Ärger mit dem Rechnungshof; dem maroden Festspielhaus steht eine millionenschwere Sanierung bevor.

Pläne für eine neue Probebühne landeten ganz schnell wieder in der Schublade. Das zu Wagners 200. ausgerichtete Geburtstagsfest am 22. Mai geriet seltsam emotionslos. Auffällig ist jedoch, dass Gesellschafter der Festspiel-GmbH den Schulterschluss suchen. So nahm Kunstminister Wolfgang Heubisch an der Auftakt-Pressekonferenz der Festspiele teil, um zu versichern, dass der Freistaat das Festival weiter unterstützt.

Auch die Mäzene der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth scheinen sich nach Dissonanzen mit den Hügel-Chefinnen arrangiert zu haben. Bleibt die Frage: Wer stünde sonst zur Verfügung? Cousine Nike Wagner, die noch 2008 eine Bewerbung um die Festspielleitung abgegeben hatte, beginnt 2014 als Intendantin des Bonner Beethovenfestes.

Dirigent Christian Thielemann ist musikalischer Berater der Festspiele und dürfte kaum Ambitionen haben, den Platz im Orchestergraben mit einem Schreibtisch-Posten zu tauschen. Denkbar wäre die Variante, dass die inzwischen 68 Jahre alte Eva Wagner-Pasquier sich zurückzieht und ihrer 35 Jahre alten Halbschwester das Feld komplett überlässt.

Wie auch immer entschieden wird – Katharina Wagner wird auch über 2015 hinaus am Grünen Hügel präsent sein. In zwei Jahren inszeniert sie „Tristan und Isolde“ neu. Und fast jeder Intendantenvertrag wird einmal verlängert, wenn nicht silberne Löffel geklaut werden.

 

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