Iberl-Bühne: Schnelle Pointen, starke Rollen in der "Weiberwirtschaft“
Was sind fast unverzichtbare Zutaten für ein Bauerntheater? Bier! Und wirklich spielt die „Weiberwirtschaft“ in einem Wirtshaus. „Wuist mi vergiftn?“, sagt die faule, dauerberauschte Wirtin Traudl (Daniela März), als man ihr zur Ausnüchterung ein Glas Wasser reicht: „Pfui Deifi. I trink do koa Wasser. Da schnacksln ja d’ Fisch drin!“ Und um den Wassergeschmack im Mund loszuwerden, trinkt man schnell noch einen Schluck Bier.

Um Himmels Willen: Jetzt ist Nüchternheit gefragt
Aber jetzt ist Nüchternheit gefragt, denn eine Inspektion hat sich angekündigt. Die Verlängerung der Schankkonzession steht auf dem Spiel.
Womit ein zweites beliebtes Sujet ins Spiel kommt: die Bürokratie. Hier in Form des Inspektors aus der Stadt (Markus Neumaier), der natürlich verklemmt, aber unbestechlich und pedantisch alles unter die Lupe nimmt. Und als er eine veritable Ratte findet, wird die schlagfertig von der zweiten, etwas strategischeren Wirtsfrau Burgi (Claudia Mabell) kurzerhand zum Hausdackel erklärt.
Diese und dutzend weiter Versuche, die Fassade dieser Weiberwirtschaft sauber zu halten, schrammen natürlich fast immer haarscharf an der Katastrophe vorbei. Vor allem, weil die Jüngere (Sophie Reiml als Tochter, beziehungsweise Nichte), die Josephine, nicht die hellste Kerze im Leuchter ist: „Du bist zwar nicht der dümmste Mensch, aber an deiner Stelle würd ich hoffen, dass der nicht stirbt“, sagt Tante Burgi. Aber wenn das Publikum lacht, ist bereits der nächste Witz abgefeuert.

Extreme Humordichte
Das ist eine der vielen Stärken des Abends, den Florian Günther getextet und inszeniert hat: Er hat eine extrem hohe Humordichte, ohne auf Kalauer zu setzen, aber auch ohne auf Klischees zu verzichten, denn die geben dem Publikum Sicherheit.
Das wird recht g’schert beschimpft, quasi gleich zu Beginn rausgekehrt zur behaupteten Sperrstunde: „Obzapft is!“. Und der ein oder andere wird auch noch - harmlos, aber als Zombie für die verstorbene Großmutter - einbezogen.
Das Ganze spielt dann auch noch in der angeblich so „guten, alten“ Prinzregentenzeit. Was wiederum gar nicht so wichtig ist, denn die Macht der Bürokratie ist ungebrochen. Und eine reine Weiberwirtschaft ist ja modern emanzipiert. Allenfalls die Seitenhiebe auf Heuchelei und Korruptheit des katholischen Klerus sind heute, im säkulareren Zeitalter, nebensächlicher. Und so kommt der „Hochwürden“ auch gar nicht erst auf die Bühne.
Nie abreißende Spannung durch Schauspielkunst
Die wiederum verlangt intensive Schauspielkunst, weil sie drei (kurze) Akte lang unverändert bleibt. So müssen die drei Schauspielerinnen und der Herr Inspektor die Spannung in der einen Wirtsstubn halten.
In den zwei Pausen darf auch getrunken werden. Aber man muss nicht angetrunken sein, um das alles lustig zu finden, weil einen der Gag-Rausch sofort mitnimmt.
Sexuelle Abenteuer retten die Schankkonzession
Fehlt noch der Sex: Erotische Spannung erzeugen die vergangenen Liebesgeschichten der Wirtsfrauen, die allerdings große Auswirkungen auf die aktuellen Geschicke der „Weiberwirtschaft“ haben. Und langsam wird amüsant klar: Wenn’s auf der Alm angeblich koa Sünd gibt, im Dorf sehr wohl - und zwar sehr pragmatisch: „Fesch war der nicht, aber halt da“ - und danach eben die Schwangerschaft. Was nachträglich die Konzession retten wird zusammen mit der Eitelkeit und Karrieregeilheit des Bürokraten, auf die eben auch verlass ist.

Der Bayerische Brauerbund beklagt seit Jahren rückläufigen Bierkonsum. An der Iberl-Bühne liegt’s nicht. Aber nicht, weil man sich die „Weiberwirtschaft“ etwa schön trinken muss, sondern Bier auch als das auf der Bühne gepriesen wird, was es ist: Flüssiger Schmierstoff der Geselligkeit. Wunderbar, Prost!
Augustiner Stammhaus, Herzogspitalstraße 6, wieder diesen Samstag und Sonntag sowie Mi - So, 11. bis 15. und wieder ab 20. Februar, 20 Uhr, Sonntag 14 Uhr, www.iberlbuehne.de
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