Hoftheater im Stemmerhof: München hat eine neue Bühne

An diesem Donnerstag eröffnet mit dem Hoftheater im Stemmerhof eine neue Bühne in München.
| Mathias Hejny
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Iris von Zastrow und Stefan Zimmermann in ihrem Hoftheater.
Iris von Zastrow und Stefan Zimmermann in ihrem Hoftheater. © Sigi Müller

München - Man kann ihnen nicht vorwerfen, die lange Zeit der Lockdowns nicht produktiv genutzt zu haben. Iris von Zastrow und Stefan Zimmermann haben ein neues Theater für München gebaut. Es ist ein Hoftheater und wird am Donnerstag eröffnet. Wegen der Namensgebung "haben wir lange mit uns gerungen", erzählt Zastrow, denn es gibt schon ein Hofspielhaus.

Aber Zimmermann ist sicher, dass Christiane Brammer, die Leiterin der Kellerbühne unweit der Maximilianstraße und eine langjährige Kollegin und Bekannte, das nicht falsch verstehen werde. Sollte es bei Kartenanfragen zu Verwechslungen kommen, hat jeder die Telefonnummer des jeweils anderen Theaters bereit.

Das neue Hoftheater sei augenzwinkernd gemeint, denn es ist nichts Höfisches in einem alten Schloss gemeint, sondern "das Hoftheater vom Stemmerhof". Das 99-Plätze-Haus entstand in einer früheren Scheune im Schatten der Alten Sendlinger Kirche. Der Stemmerhof ist das historische Herz des Viertels. Erstmals wurde der Bauernhof bereits im 14. Jahrhundert erwähnt, er war bis 1992 der letzte Hof im Stadtzentrum, der noch Milch produzierte. In dem einst rustikalen Areal ist ein urbanes Zentrum entstanden, in dem Gastronomie verschiedenen Zuschnitts, ein Bioladen, ein Fahrradladen, eine Arztpraxis, eine Malschule und eine Musikschule untergebracht sind.

Hoftheater im Stemmerhof: Ein Kuss zum Beginn

"Die Idee des Theaters passt in das Konzept des Stemmerhofs", findet Iris von Zastrow und ist dankbar für die "Unterstützung, wie sie es heute sonst gar nicht mehr gibt".

Das breit und vielfältig aufgestellte Programm gehört gleichfalls zum Plan für das neue Hoftheater. Eröffnungsvorstellung ist "Ein Kuss" (ab 9. September). Der Monolog von Mario Perrotta ist eine Produktion des Teatro dell'Argine in Bologna und ein Künstlerdrama über den Schweizer Maler Antonio Ligabue.

Ein Stadttheater für Sendling

Die 2016 bei einem New Yorker Festival als bestes Ein-Mann-Stück ausgezeichnete Inszenierung kommt ebenso aus dem Programm der Firma a.gon wie der Krimiklassiker "Bei Anruf Mord" von Frederick Knott (ab 2. Oktober), der 1954 von Alfred Hitchcock verfilmt wurde.

a.gon feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen und ist einer der größeren Produzenten von Tourneetheater. "Wir sind das Stadttheater von zirka 200 Städten", stellt Zimmermann fest.

Deren Kulturämter kaufen Theater entweder zum kommunalen Angebot dazu oder es gibt zwar ein Theater, aber kein Ensemble. Klassiker wie Lessings "Nathan der Weise" oder Hauptmanns "Der Biberpelz" sind ebenso im Angebot wie Musiktheater - etwa "Lazarus" von David Bowie oder die Musical-Fassung von "Der kleine Lord" des 2016 in Germering verstorbenen Komponisten Günter Edin. Obwohl der Sitz ihres Unternehmens am Harras liegt, ist der nächste Ort aus dem Kundenbestand Unterföhring.

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Kaum Raum für Künstler in München

Auch in der Landeshauptstadt sichtbar zu sein, ist eines der Motive für die Theatergründung. "Wir bekommen immer wieder mit, dass Künstler, die mit uns arbeiten, kaum Raum in München haben", berichtet Zastrow: "Jeder begeht seine ausgetretenen Pfade und beschäftigt nur seine Leute". Allerdings soll die Bühne in Sendling nicht nur für Stücke aus heimischem Anbau reserviert sein. Jeder, der eine Produktion im passenden Format präsentieren will, sei willkommen.

Der Spielplan für den laufenden und den nächsten Monat steckt bereits ein weites Feld ab: Musik mit Austropop ("Reif für die Insel", ab 15. September), Chanson mit Gabriele Misch ("Komm, hol den Mond", 2. Oktober) oder Entdeckungen zwischen Rock und Jazz bei den Soundscouts (ab 27. September). Dazu gibt es Jugendtheater mit "Kohlhaas" nach Kleist (ab 25. September) und "Huck Finn" nach Mark Twain (ab 26. September) oder Improtheater für Kinder ab vier (ab 20. September).

Darüberhinaus sind auch inklusive Projekte in Vorbereitung wie eine Kooperation mit der in Sendling ansässigen Blindenschule oder die Einbindung von den vielen Menschen mit Migrationshintergrund, die im Viertel leben.

Das Hoftheater soll, so Zastrow und Zimmermann, auch ein Stadttheater für Sendling sein.

Hoftheater im Stemmerhof, Plinganserstraße 6, Eröffnung ist am 9. September, 19.30 Uhr, mit dem Stück "Ein Kuss", 089 18904754

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