Erwin Pelzig emp­fiehlt eine Kröte zum Frühstück

Frank-Markus Barwasser mit seinem neuen Programm "Der wunde Punkt" im Innenhof des Deutschen Museums.
| Mathias Hejny
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Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig. (Archivbild)
Frank-Markus Barwasser als Erwin Pelzig. (Archivbild) © vollmond-konzertfotografie.de

München - Der betont süddeutsch geschnittene Janker passt Erwin Pelzig noch immer, das hellbraune Cordhütli sitzt perfekt und das Herrenhandtäschli bleibt so peinlich wie vor vielen Jahrzehnten, als dieses Accessoire einmal in Mode war.

Sein Erfinder Frank-Markus Barwasser bezeichnet dieses Outfit als "fragwürdige Freizeitkleidung", aber sie macht Würzburg, von dem sowohl Herr Barwasser als auch der Pelzig herkommen, für einen Abend zum Nabel der Welt.

Zankereien am Stammtisch

Regelrechte Kontinentalverschiebungen der Weltdeutung passieren am Stammtisch, an dem Pelzig mit seinen - natürlich von ihm selbst gespielten - Saufkumpanen zusammentreffen und aneinandergeraten.

Der akademisch verblasene Dr. Goebel und der vorlaute Hartmut aus dem mainfränkischen Prekarikat gehörten schon zur Jahrtausendwende, als Frank-Markus Barwasser noch viel Radio gemacht hat, zu seinem Kosmos, verschwanden aber für einige Zeit daraus.

Nach 17 Monaten der erste Auftritt

Im vorigen Programm "Weg von hier" waren sie wieder dabei und im aktuellen Programm "Der wunde Punkt", der seine Premiere an einem feucht-kühlen Abend im Innenhof des Deutschen Museums feierte, haben sie erneut ihren Ehrenplatz an einem Tisch in der Mitte der Bühne.

17 Monate sei sein letzter Auftritt her, erinnert sich der 61-Jährige, und er habe in dieser Corona-Zeit ohne Bühne nicht nur ein neues Solo geschrieben, sondern gelernt, dass er nicht systemrelevant ist.

Ihn treibt der heilige Zorn an

Dann überrascht der "fränkische Konsonantenschänder", wie ihn seine Technikerin in einem feministischen Disput beschimpft, damit, ein Stoiker zu sein.

Wer sich an seine vorigen Auftritte erinnert, weiß vom heiligen Zorn, den der Mann umtreibt und von den unerbittlichen Schimpftiraden, mit denen er diesem Zorn Ausdruck verleihen kann.

Jetzt empfiehlt er in stoizistischer Tradition, zum Frühstück erst einmal eine Kröte herunter zu schlucken, um sicher zu sein, dass den restlichen Tag über nichts Widerwärtigeres passieren kann.

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Heitere Gelassenheit bei Querdenkern und Aluhutträgern

Mit heiterer Gelassenheit beginnt er damit, den "ganzen Froschteich leer zu löffeln":

Die Ultrareichen, deren Gewinne mit der Seuche um bis zu 60 Prozent mehr stiegen, überforderte Politiker wie der Scheuer-Andi, an dem ihm vor allem missfällt, dass er es ihm als Kabarettisten so leicht macht, oder die "Schwurbler und Leugner", an deren Treffen er in einem aufopferungsvollen Selbstversuch teilnahm.

Immerhin, so stellte er fest, finden bei den Querdenkern und Aluhutträgern auch Gegensätze zusammen, wenn man vom Rechtsradikalen bis zur Muslimin, die gegen Maskenpflicht demonstriert, miteinander redet.

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Hochkomische Exkurse in die Psychologie und Rechtssprechung

Aber Pelzig wäre nicht Barwasser, wenn er von solchen Satire-Standards nicht so zielsicher ins Ausweglose finden würde.

Seine Exkurse sowohl in die Psychologie als auch in die Rechtssprechung, bei denen er den Unterschied zwischen einer Beleidigung, die strafbar ist, und einer Kränkung, die zwar nicht justitiabel ist, aber gefährlich sein kann, zeigen ihn als ein kristallenen und präzise recherchierenden Denker mit erschütternden Erkenntnissen, die er aber hochkomisch präsentiert.

Gemeinsamkeiten von Viren und Menschen

Geradezu gespenstisch wird es, wenn er in die Rolle eines Corona-Virus schlüpft, das auf die Gemeinsamkeiten von Viren und Menschen hinweist:

Beide zerstören, was sie erhält. Der Erreger seinen Wirt, aber der Mensch die ganze Erde - "wer von uns beiden ist das größere Arschloch?"

Innenhof des Deutschen Museum, wieder am 10. und 11. August, 20 Uhr, Telefon 344974

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