Dorf-Posse "Bayerisch Baklava": Wohl bekomm's!

Das Theater Grenzenlos spielt im Park der Mohr-Villa in Freimann die Dorf-Posse "Bayerisch Baklava".
| Michael Stadler
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Backen ist Kampf - mit dem Teig und den Kollegen. Es können sich aber auch wundersame Annäherungen ergeben.
Backen ist Kampf - mit dem Teig und den Kollegen. Es können sich aber auch wundersame Annäherungen ergeben. © Marieluisa Lenglachner

Träume sind gute Motoren fürs Leben, können aber nun mal auch schnell zerplatzen. Bäckerstochter Theresa hat zum Beispiel eine Gesangskarriere vor Augen. Die Stimme dafür hat sie auch, aber beim Vorsingen macht sich ihr Schwangerschaftsbauch bemerkbar und schon ist es aus mit der Träumerei.

Wenn die Schauspieler stehend liegen

So muss Theresa (Kathrin Gerlsbeck) dann doch in den Familienbetrieb einsteigen, ihre Mutter (Dunja Bengsch) bringt ihr das Backen bei und ja, sogar im Bett liegen die zwei zusammen, was gut sichtbar ist, weil das Bett mitsamt Kissen und Decken horizontal aufgestellt ist. Beide Schauspielerinnen stehen da und tun so, als ob sie liegen - das Illusionswerk des Theaters braucht nicht viel Brimborium, sondern lässt sich mit einfachen, gewitzten Mitteln auf der Bühne im Park der Mohr-Villa in Freimann herstellen.

Das Theater Grenzenlos ist eine multikulturelle Unternehmung 

In dieser Idylle hat sich das Theater Grenzenlos für den Sommer eingenistet: Insgesamt 25 Mal spielt das Ensemble das Stück "Bayerisch Baklava", entworfen und verfasst von Theaterleiter Viktor Schenkel und Dramaturgin Ruth Zapf, wobei der sozial engagierte Schenkel erneut auch die Regie übernommen hat. Der integrative Aspekt der Theaterarbeit steckt schon im Titel des Stücks und macht sich in der Auflistung der Spielenden bemerkbar: Das Theater Grenzenlos ist eine multikulturelle Unternehmung und bietet insbesondere geflüchteten Menschen einen Ort des gemeinsamen kreativen Schaffens.

Geflüchtete stehen im Scheinwerferlicht - und werden sichtbar

Allein schon, dass Geflüchtete im Scheinwerferlicht stehen und auf der Bühne spielen, ist ein wichtiger politischer Akt der Sichtbarmachung und gegenseitigen Wertschätzung. Inhaltlich wird entsprechend der konzeptionellen Ausrichtung des Ensembles vom Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, von auftretenden Ressentiments, aber auch von einer sich allmählich entwickelnden Annäherung erzählt.

Der Geflüchtete Achmadi (Abdul Hakim Rezai oder Hani Ameen Samoo) und seine beiden Freunde (in der gesichteten Vorstellung: Mbacké Ndiaye und Robert Kaijuka) kommen in dem bayerischen Kaff Vorderwiesengrund an und müssen erstmal damit fertig werden, dass einige der Bewohner mit zuschlagenden Fenstern und Angstschreien auf sie reagieren. Dann bekommt Achmadi aber einen Job in der Bäckerei. Theresa weist ihn ein, wobei er schon einiges an Wissen mitbringt: Seine Schwester gilt als die beste Bäckerin von Kabul, musste aber zwangsweise heiraten, was Achmadi dazu motivierte, nach Deutschland zu gehen, um dort Geld zu verdienen, das er an sie nach Hause schicken möchte.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

So einfach lässt sich dieser Plan jedoch nicht verwirklichen: Der Bürgermeister (Josef Pfitzer) fürchtet um seine Wiederwahl und wird von seiner Gattin (Sandra Steffl als eine fiese dörfliche Lady Macbeth) angestachelt, das Heft in die Hand zu nehmen. Zunächst wollen sie populistisch den Zuzug von Geflüchteten eindämmen, dann schmecken die orientalisch gewürzten Brezeln von Achmadi und Theresa so lecker, dass sie den Zugroasten in den Dienst einer Imagekampagne einspannen wollen.

Isaak Ciseé spricht als Pfarrer das wunderbarste Bairisch

Es gibt also einige Turbulenzen und Konflikte, musikalisch feinfühlig unterlegt von Tajda Krajnc und Vera Drazic, die auch einige Gesangspassagen versiert begleiten. Die in kurzen Szenen erzählte Geschichte, die oft der gesprochenen Sprache gar nicht bedarf, weil sich mit Gesten und eingestreuten Schattentheater-Momenten eh vieles besser und universeller erzählen lässt, überträgt ihre integrative Botschaft mit einigem Charme und Witz. Stan Holoubek gibt in Nebenrollen dem Affen Zucker, und Isaak Ciseé spricht als Pfarrer das wunderbarste Bairisch. Am Ende gehen dann doch vielleicht einige Träume in Erfüllung, aufgeben sollte man diese ja sowieso nie. "Bayerisch Baklava" - wohl bekomm's!


Bis 12. September, nächste Vorstellungen am Donnerstag, Freitag und Sonntag, jeweils 20.30 Uhr, Park der Mohr-Villa Freimann, Situlistr. 75, www.theater-grenzenlos.org

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren