Dieter-Hildebrandt-Preis: Judo und Persönlichkeitsspaltung

Sarah Bosetti und Frank-Markus Barwasser erhalten den Dieter-Hildebrandt-Preis.
| Volker Isfort
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Sarah Bosetti, Claus von Wagner, Oliver Welke und Frank-Markus Barwasser.
Michael Nagy Sarah Bosetti, Claus von Wagner, Oliver Welke und Frank-Markus Barwasser.

München - "Schön, dass diese Preisverleihung noch stattfinden kann", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter am Montagabend im Carl-Orff-Saal. "Ich will ja gar nicht plaudern, mit wem ich heute alles telefoniert habe." 

Man ahnte es auch so. Corona hat die öffentliche Verleihung des Dieter-Hildebrandt-Preises schon 2020 unmöglich gemacht, so dass sich gleich zwei Preisträger "aufgestaut" hatten. "Doppelverleihungen sind natürlich günstiger", witzelte der OB, "aber so pleite sind wir auch noch nicht, dass dies nun zur Regel wird." Der humoristische Ton für den wichtigsten Kabarettpreis der Stadt war also gleich gesetzt.

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Claus von Wagner, erster Preisträger des 2016 ins Leben gerufenen und mit 10.000 Euro dotierten Preises, stimmte sein Loblied auf die aktuelle Preisträgerin Sarah Bosetti an. Die wortgewaltige Kabarettistin betreibe satirisches Judo, indem sie die Angriffe ihrer Gegner im Netz umlenke und die e verbal auf die Matte schicke. Beim Vorbereiten der Laudatio sei er zum Bingewatcher ihrer kurzen Clips geworden. Das ist verständlich, denn niemand in Deutschland serviert seine Boshaftigkeiten so freundlich ab wie Sarah Bosetti.

Laudatio mit eineinhalb Jahren Verspätung

Mit eineinhalb Jahren Verspätung durfte auch Oliver Welke seine Laudatio auf Frank-Markus Barwasser halten, den "fränkischen Konsonantenschänder". Dass Barwasser als Mensch eigentlich viel zu nett für Satire sei, betonte Welke. Und er bewunderte zudem, dass es diesem ausgerechnet am Lerchenberg in der Katasteramtsatmosphäre des ZDF gelungen sei, die Liebe seines Lebens zu finden. Durch seine Verwandlung zu Erwin Pelzig allerdings sei Barwasser "der beste Talker, den das deutsche Fernsehen jemals hatte". Denn unter dem Cordhut steckt ein akribisch vorbereiteter Denker, der seine Gäste mit Bowle und Freundlichkeit umnebelt und dann aufs Glatteis führt.

Barwasser zeigte sich berührt über den Preis, schließlich habe er noch oft mit Hildebrandt über seine Bühnenauftritte gesprochen. Die lange Coronapause habe ihn übrigens nicht merkwürdiger werden lassen, denn "ich war es vorher schon". Barwasser betonte, dass man nicht nur mit, sondern vor allem von einer Persönlichkeitsspaltung leben kann, und kam natürlich auch mit Cordhut als Erwin Pelzig zum Einsatz.

Was der Dreiklang aus Denkfaulheit, Rechtschreibschwäche und Internetanschluss aus den Menschen macht, analysierte Pelzig und nahm die Perspektive des Virus ein, um den Menschen zu zeigen, dass sie die viel größeren Zerstörer sind.


Pelzig spielt am 29.11. in der Alten Kongresshalle

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