Kommentar

Die einstige Kulturpartei SPD unterstützt lieber millionenschwere Sportevents

Die SPD-Stadträtin Barbara Likus rechnet auf Instagram die Ausgaben für die Meisterfeier des FC Bayern gegen die Subventionen für das Volkstheater auf.
Robert Braunmüller
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Die von ihrem Erfolg leicht gelangweilten Millionäre des FC Bayern auf dem Rathausbalkon.
Die von ihrem Erfolg leicht gelangweilten Millionäre des FC Bayern auf dem Rathausbalkon. © picture alliance/dpa

Am Wochenende haben sich die armen Fußballmillionäre des FC Bayern wieder mal ihre Meisterfeier am Marienplatz von der klammen Stadt bezahlen lassen. Das ist eine Tradition, über die man geteilter Meinung sein kann, auch angesichts der Zustände der städtischen Finanzen mit Blick auf die Bilanz des FC Bayern.

Wie diese Tradition von der SPD-Stadträtin Barbara Likus auf Instagram verteidigt wird, gibt tiefe Einblicke in das Kulturverständnis der Münchner Sozialdemokratie. Likus rechnet kritischen "Spaßgranaten" vor: 37 Euro koste eine Karte des Münchner Volkstheaters in der zweiten Preiskategorie. Jede Karte werde zu 80 Prozent subventioniert: mit 148 Euro pro Ticket.

Bei der Meisterfeier hingegen habe die Stadt eine halbe Million Euro für die Sicherheit ausgeben: Das macht bei 16.000 Besuchern auf dem Marienplatz 31 Euro pro Person für die Sicherheit und sei, so suggeriert die Stadträtin, nur billig: Zum "guten Leben" gehöre, so Likus, nicht nur ein Arbeitsplatz und ein Dach über dem Kopf, sondern auch Spaß, den ihr Kritiker der Finanzierung dieser Meisterfeier verderben möchten.

DIe SPD-Stadträtin Barbara Likus.
DIe SPD-Stadträtin Barbara Likus. © SPD im Stadtrat

Früher sollen zum "guten Leben" auch Kultur und Bildung gehört haben, aber derlei gilt der Sozialdemokratie mittlerweile als viel zu teure "freiwillige Leistung" der Kommunen, bei der gespart werden müsse, weil kein Geld da sei. Aber bekanntlich ist städtisches Geld nie wirklich weg, es ist nur andernorts ausgegeben worden.

Christian Stückl im neuen Volkstheater - hier vor der Hauptbühne.
Christian Stückl im neuen Volkstheater - hier vor der Hauptbühne. © picture alliance/dpa

Früher, so hört man, soll die SPD mal maßvoll kapitalismuskritisch gewesen sein. Heute wirft sie Millionären und einem Verein mit Millioneneinnahmen noch eine halbe Million hinterher, weil’s eh egal ist und der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt. Der trotz seiner populären Fußballnähe abgewählte Oberbürgermeister begründete das gerne mit der Umwegrentabilität und tat immer mal so, als würde der FC Bayern anderswo spielen, wenn man seine Feier nicht sponsern würde.

Wie viele Millionäre passen in ein Stadttheater?

Eine Umwegrentabilität gibt’s übrigens auch bei der Kultur und den städtischen Theatern, die Frau Likus zu teuer sind. Die lassen im Fall einer Sauerei den entstandenen Müll zulasten ihres eigenen Etats auch vom eigenen Personal entsorgen. Theaterbesucher sind selbst im alkoholisierten Zustand kein Sicherheitsproblem. Sie brauchen keine Polizei, um auf Kosten der Öffentlichkeit vor sich selbst geschützt zu werden. Sie lassen keine Bierflaschen stehen, bieseln nicht in Hauseingänge und fallen auch sonst der Stadtreinigung nicht kostspielig zur Last.

Dass Frau Likus lieber gelangweilten Millionären auf einem Balkon zujubeln will, statt sich der intellektuellen Anstrengung eines Theaterbesuchs auszusetzen, ist ihre Sache und die Sache ihrer Wähler. Sie wird demnächst ungerührt einer Erhöhung der Kartenpreise im Volkstheater und weiteren Kürzungen im Etat zustimmen: Es trifft ja nur das schlecht bezahlte junge Ensemble des Theaters und dessen überwiegend jüngeres Publikum.

Dieter Reiter (links), Intendant Christian Stückl und Marek Wiechers (Kulturreferat) im Volkstheater.
Dieter Reiter (links), Intendant Christian Stückl und Marek Wiechers (Kulturreferat) im Volkstheater. © Foto: Neeb

Dass seit Jahren bundesweit mehr Leute ins angeblich so fürchterlich elitäre deutsche Theater gehen als zu den ach so populären Spielen der ersten und zweiten Liga zusammen, weiß Frau Likus natürlich nicht.

Ein Screenshot aus dem Video von Barbara Likus ("instabaerbelchen").
Ein Screenshot aus dem Video von Barbara Likus ("instabaerbelchen"). © Screenshot

Früher war sicher nicht alles besser. Aber früher wurde Kultur von der Münchner SPD verteidigt und nicht als zu teuer gegen den Sport ausgespielt. Aber da hatte diese Partei noch Kulturpolitiker.

Und ein paar Wählerstimmen mehr.

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  • rotweiss vor 52 Minuten / Bewertung:

    Dann reißt das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße ab, Bauplätze verkaufen,dann hat man Geld für die Kultur !

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  • leichte weisse vor einer Stunde / Bewertung:

    Zum Dank hat der FCB das Wort "München" über der Rückennummer streichen lassen...
    Erstmals seit 50 Jahren....

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