"Cosi fan tutte" als "So machen's alle"

Theaterakademie: Mozarts „Cosi fan tutte“ als „Schnellkurs für Liebende“ ohne Pause im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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"So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.
Jean-Marc Turmes 3 "So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.
"So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.
Jean-Marc Turmes 3 "So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.
"So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.
Jean-Marc Turmes 3 "So machen's alle" im Prinzregententheater mit Studierenden der Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Theater.

Theaterakademie: Mozarts „Così fan tutte“ als „Schnellkurs für Liebende“ ohne Pause im Prinzregententheater

Normalerweise ist „Hänsel und Gretel“ die Oper der Saison. Aus unerfindlichen Gründen überschwemmen uns die Kulturschaffenden derzeit mit „Così fan tutte“. Gleichzeitig zur Premiere der Theaterakademie begann eine Aufführungsserie von Mozarts Partnertauschkomödie im Nationaltheater. Zwischen Weihnachten und Neujahr legt die Kammeroper München ihre Inszenierung im Cuvilliéstheater wieder auf. Im Februar zieht noch das Gärtnerplatztheater nach.

Der Trumpf von Bruno Klimeks Version mit sechs Sängerinnen und Sängern aus dem Studiengang Musiktheater/Operngesang ist ihre Schnörkellosigkeit. Sie beginnt im Prinzregententheater auf leerer Bühne mit dem Fallen von Notenblättern und entwickelt die Handlung ganz aus den Darstellern heraus. Außerdem zeichnet sie sich durch eine ungewöhnliche Frische aus, zu der auch das Münchener Kammerorchester unter Clemens Schuldt entscheidend beiträgt.

Lesen Sie auch unser Interview mit Bruno Klimek

Gespielt wird auf Deutsch und ohne Pause. Um auf zweieinviertel Stunden Aufführungszeit zu kommen, hat Klimek im zweiten Akt stärker eingegriffen und die Rezitative auf das Allernötigste zusammengestrichen. Darunter leiden vor allem Don Alfonso und Despina, die hier der Einfachheit halber ein mehr oder weniger glückliches Liebespaar spielen.

Dass alles in 24 Stunden abläuft, wie die Obertitel verkünden, ändert an der Psychologie so viel wie die etwas forcierten Versuche der Vergangenheit, „Don Giovanni“ dem „Sonnenumlauf“ der Dramentheorie des Aristoteles anzupassen: nämlich nichts. Als flüchtiger One-Night-Stand wird die Treueprobe eher ein bisschen harmloser. Klimek deutet die Paarungsbereitschaft der Damen gleich nach der vorgeblichen Mobilmachung der Herren durch eine starke Liebe zu Schuhen an. Am Ende wissen Fiordiligi und Dorabella ohnehin, wen sie heiraten, weil sich die Herren da endlich ohne Hippie-Perücken und coole Brillen zeigen.

Eine Nasenlänge voraus

Dass auf Deutsch gesungen wird, trägt zur Verständlichkeit bei, ohne dass damit übertriebene Erwartungen verbunden werden sollten. Tianji Lin singt nicht von ungefähr die Wiederholung von „Un’aura amorosa“ auf Italienisch, das ihm erheblich mehr liegt als das hiesige Idiom. Aber das tut er mit ordentlichem Geschmack und südlichem Feuer. Christian Lange interpretiert den Guglielmo mit einem ansprechenden Kavalierbariton, dessen Timbre etwas heller ist als die Stimme von Gabriel Rollinson (Don Alfonso).

Hendrike Hoch sang die beiden dramatischen Arien der Fiordiligi ohne Fehl und Tadel, aber ohne jede Reserven hart am Anschlag. Der Endesunterfertigte kann nicht wirklich nachvollziehen, warum die Sängerin mit ihrer klar geführten, aber doch eher kleinen, lyrischen Stimme mit dieser Rolle besetzt wurde. Aber die löblichen Gesangsprofessoren der Hochschule für Musik und Theater werden schon wissen, was sie tun.

Dorabella (Céline Akcag) und Despina (Ayelet Kagan) lösen die ihnen übertragenen Aufgaben respektabel. Clou der Aufführung ist allerdings das Münchener Kammerorchester, das unter Clemens Schuldt recht knackig im historisch informierten Stil aufspielt.

Das ist das stärkste Argument für die Aufführung: Orchestral ist „So machen’s alle“ als „Schnellkurs für Liebende“ den drei Münchner Konkurrenzproduktionen von „Così fan tutte“ eine Nasenlänge voraus.     

Wieder heute um 19.30 Uhr sowie am 4. und 6. Dezember, 9., 11. und 12. Januar im Prinzregententheater. Karten unter Telefon 2185 1970

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