Bruno Klimek inszeniert "Cosi fan tutte"

Die Theaterakademie zeigt „Cosi fan tutte“ als „Schnellkurs für Liebende“ im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.
Jean-Marc Turmes 3 Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.
Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.
Jean-Marc Turmes 3 Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.
Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.
Jean-Marc Turmes 3 Mozart als "Schnellkurs für Liebende" im Prinzregententheater.

Die Theaterakademie zeigt „Così fan tutte“ als „Schnellkurs für Liebende“ im Prinzregententheater

Keine Oper ist – neben „Le nozze di Figaro“ – an Orten der Opernnachwuchspflege beliebter wie Mozarts „Così fan tutte“. Ab heute ist die Geschichte einer Treueprobe mit sechs Sängerinnen und Sängern aus dem Studiengang Musiktheater/Operngesang der Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater zu sehen. Bruno Klimek inszeniert eine eigene deutsche Fassung unter dem Titel „So machen’s alle“, das Münchener Kammerorchester unter Clemens Schuldt sitzt vor der Bühne.

AZ: Herr Klimek, Sie haben „Così fan tutte“ schon vier Mal inszeniert. Was interessiert Sie daran so sehr, dass Sie es ein fünftes Mal versuchen?
BRUNO KLIMEK: Die Einheit von Zeit und Ort. Diese ungeheuerliche Geschichte passiert innerhalb eines einzigen Tages, das steht zweimal im Text. Ich habe mir gewünscht, die Oper ohne Pause hinzubekommen. Für eine Aufführung, in der das Publikum die Handlung in Echtzeit erfahren kann, muss man gut und sinnvoll streichen.

Das gilt als verpönt.
Die Verknappung auf zweieinviertel Stunden ohne Pause macht „Così fan tutte“ zugänglicher. Ich habe da ein gutes und reines Gewissen, weil ich jede Nacht mit Mozart telefoniere. Ich befinde mich im Einklang mit ihm. Außerdem kenne keine Aufführung dieser Oper, die keine Bearbeitung ist, weil Mozart keine endgültige Fassung hinterlassen hat und immer Entscheidungen zu treffen sind. Die zweite Arie des Ferrando „Ah lo vegiggo“ wird fast nie gemacht, weil sie so schwer zu singen ist.

Bei Ihnen lautet der Titel „So machen’s alle“. Im italienischen Original sind damit die Frauen gemeint.
Früher dachte ich, es gäbe einen frauenfeindlichen Aspekt im Text von Lorenzo da Ponte. Heute bin ich mir sicher, dass das ironisch gemeint ist, weil sich die beiden Männer auf eine Wette einlassen, die nicht funktionieren kann. Der eine kann nur gewinnen, wenn er den anderen betrügt.

Hat die Musik Sympathien?
Die Frauen kommen bei Mozart musikalisch besser weg. Falls im Text ein frauenfeindlicher Aspekt vorhanden war, lässt ihn die Musik verpuffen. Mozart ist Humanist, kein Moralist. Er stellt den Wahrheitsgehalt des Menschseins dar, ohne darüber zu urteilen.

Eigentlich ist es dann verwunderlich, dass alle Mozart mögen.
Einige Freunde von mir mögen Mozart nicht, weil sie ihn für lieblich halten und in einer Aufführung biedermeierliches Gehopse befürchten. Am besten lässt sich das an der „Kleinen Nachtmusik“ zeigen. Eine Serenade war im 18. Jahrhundert eine Vorbereitung zum Fensterln, die Einladung zu sexueller Betätigung. Gespielt wird es aber immer, als ob die Leute kastriert wären. Im galanten Zeitalter waren die Leute weniger prüde als heute.

Warum inszenieren Sie die Oper nicht auf Italienisch? Mit einer deutschen Fassung können die Studierenden später in der Praxis wenig anfangen.
Junge Opernsänger müssen verstehen, was sie singen. Ich inszeniere „Così fan tutte“ zum fünften Mal – zwei der früheren Produktionen waren auf deutsch, zwei in der Originalsprache. Eine Übersetzung muss Mozarts Intentionen nicht zerstören. Außerdem halte ich Übertitel für eine Unsitte. Sie lenken vom Geschehen ab.

Warum nennt sich die Aufführung flapsig „Schnellkurs für Liebende“?
Das ist nur eine Zuspitzung des originalen Untertitels „Scuola degli amanti“ – also Schule der Liebenden. Es ist mein Wunsch, dass nicht nur Mozart-Liebhaber und Operngänger kommen, sondern auch junge Leute den Abend anschauen. Die junge Besetzung sorgt für Frische. Hier kann man die Scheu vor Oper ablegen: Es wird lustig und traurig. Alles ist drin, was einen guten Theaterabend ausmacht.    

Premiere heute, 19.30 Uhr im Prinzregententheater. Weitere Vorstellungen am 30. November sowie am 4. und 6. Dezember, 9., 11., und 12. Januar. Karten unter Telefon 2185 1970

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