Begegnen und nachdenken: Der Kulturempfang des Oberbürgermeisters
Zuerst sei er als Nachfolger von Anton Biebl für 14 Monate berufen worden. Jetzt soll Marek Wiechers weitere 21 Monate als Kulturreferent der neuen Mango-Koalition amtieren. Nun hoffe er, sagte er heiter mit einer kleinen Spur Bitterkeit, bei jedem weiteren Kulturempfang des Oberbürgermeisters eine neue Verlängerung seiner Amtszeit bekannt geben zu können.
Dominik Krause hatte Wiechers zuvor im Hof des Sendlinger Gasteig-Interims dafür gelobt, wie er sich in Zeiten dringenden Sparens angesichts der Haushaltskrise für die Institutionen und die freien Akteure der Kultur in München einsetzt. Es sei das Ziel der Mango-Koalition, 500 Millionen im laufenden Verwaltungshaushalt einzusparen, um München krisenfest zu machen und zugleich Investitionen in Schulen, Kitas und den öffentlichen Nahverkehr möglich zu machen.
Aber: „München ist Kulturstadt und muss es auch bleiben“, so der Oberbürgermeister zu den rund 600 Besuchern des Empfangs. Diese Identität trage auch zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt bei, weil die Mitarbeitenden sich hier ansiedelnder Unternehmen die hohe Lebensqualität dank des kulturellen Angebots schätzten.
„Kultur muss nicht nützlich sein“
Das sei aber nur ein Teil der Antwort, so der Oberbürgermeister, der im weiteren Verlauf seiner Ansprache die Bedeutung der Kunstfreiheit hervorhob. „Kunst und Kultur müssen nicht nützlich sein, um eine Berechtigung zu haben.“ Sie müssten keine Erträge erwirtschaften, keine Bildungsziele erfüllen und keine politischen Botschaften tragen. Gerade die Freiheit von jedem Zweck mache ihren Wert aus.
Gleichzeitig habe Kultur selbstverständlich Wirkungen. „Sie stiftet Identität, eröffnet Perspektiven, schafft Begegnungen, regt zum Nachdenken an und stärkt eine offene Gesellschaft“. Daher sei der Kulturbetrieb auch ein Feindbild der Rechtsextremen, daher versuchten die Gegner der offenen Gesellschaft auch, Leerstellen mit ihrem Verständnis von Kultur zu besetzen. Kultur müsse Lust auf eine Zukunft machen, die besser sei als der Status quo. Und sie dürfe nicht in Lethargie und Schwarzmalerei verfallen.

Als positives Gegenbeispiel dafür hob Krause den von Stephanie Jenke geleiteten Gasteig hervor, der heuer sein 40-jähriges Bestehen feiert. Das Ausweichquartier in Sendling zeige zugleich die Strahlkraft von Interimsquartieren. Und es werde auch nach Abschluss der Sanierung ein Kulturstandort bleiben, so Krause.
Gasteig-Sanierung nach Plan
Am Rand der Veranstaltung war zu erfahren, dass bei der Sanierung des Stammhauses am Isarhochufer nach wie vor der Zeitplan eingehalten werde. Nach dem Auszug der Fat Cat werde der alte Gasteig geräumt. Derzeit werde mit möglichen Totalunternehmern verhandelt, die die Sanierung zu einem Festpreis durchführen sollen. Die Planung des Büros Henn für die Neukonzeption des Gebäudes gelte weiter. Mit einer Beratung des weiteren Vorgehens im Stadtrat sei gegen Jahresende zu rechnen, heißt es.

„Wir brauchen alle den Gasteig“ betonte Wiechers im Anschluss an die Begrüßung des Oberbürgermeisters. Dabei hob er die Bedeutung der Münchner Stadtbibliothek als konsumfreiem „Dritten Ort“ hervor. Ihm sei bewusst, dass die Interims-Nutzer der Fat Cat über ihren Auszug nicht erfreut seien. Das Kulturreferat bemühe sich aber, langfristig leistbare Ateliers und Probenräume zu schaffen, wie im Bereich der Jutier- und Tonnenhalle im Kreativquartier.
Maß halten
Ja, es müsse gespart werden, so der Kulturreferent. „Aber in Maßen“. Wiechers lobte den Kulturentwicklungsplan der frisch gebildeten Mango-Koalition und dankte den städtischen Institutionen für ihre finanzielle Solidarität mit der Freien Szene.
Zum Abschluss wurde auch er politisch: Mit Blick auf entsprechende Vorschläge der AfD in Sachsen-Anhalt betonte Wiechers die Bedeutung eines inklusiven, diversen und niederschwelligen Zugangs zu Veranstaltungen und kulturellen Einrichtungen. „Kultur muss offen für alle sein“, so der Kulturreferent, der noch einiges vorhat und den die Befristungen offenbar nicht bremsen, sondern eher beflügeln.



