Austragsstüberl für gestandene Intendanten

Das Kunstministerium sucht vergeblich nach einem Nachfolger für Klaus Zehelein
| Robert Braunmüller
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Im August läuft sein Vertrag aus. Klaus Zehelein war dann sieben Jahre Präsident der Theaterakademie August Everding. Danach wird der 72-Jährige an der angesehenen Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ unterrichten, und wie man hört, zieht er auch in die Hauptstadt um.

Einen Nachfolger hat Kunstminister Wolfgang Heubisch bis heute nicht benannt. Vor einem Jahr sind Verhandlungen mit Frank Baumbauer gescheitert. Er wäre gewiss eine gute Besetzung für dieses nicht einfache Amt gewesen. Seit vielen Monaten heißt es, ein neuer Präsident werde in zirka 14 Tagen präsentiert. Aber nichts passiert. Und da liegt der Verdacht nahe, dass wieder Verhandlungen gescheitert sind und das Ministerium mit leeren Händen dasteht.

Hellmuth Mathiasek, Peter Ruzicka und Christoph Albrecht – die Nachfolger des Akademiegründers und -erfinders August Everding – waren sämtlich gestandene Intendanten. Und dies nicht ohne Grund. Der Präsident muss zwischen den widerstreitenden Interessen und Eitelkeiten jener Institutionen ausgleichend vermitteln, die in der Akademie zusammenarbeiten. Zehelein beherrschte dieses Spiel mit intellektuellem Format wie keiner vor ihm. Er verstand sich bestens mit dem Musikhochschul-Rektor Siegfried Mauser und schärfte das Profil der Akademie durch überregional beachtete Aufführungen im Prinzregententheater, die sich auf Augenhöhe mit den großen Staatstheatern befanden.

Die Theaterakademie steht unter einem gewissen Spardruck, unter dem schon Zehelein ächzte, und der die Suche nach einem Nachfolger nicht einfach macht. Und da kürzlich der Bayreuther „Tannhäuser“-Schöpfer Sebastian Baumgarten die Regieklasse übernommen hat, müsste der Präsident zur Vermeidung von Verdopplungen wohl eher Kulturmanager oder Dramaturg oder – wie Zehelein – beides sein.

Es mag vieles gegen Ausschreibungen und Auswahlkommissionen sprechen, wie sie außerhalb Bayerns üblich sind. Bei einem Amt, dessen Macht sich auf wechselseitiger Achtung und der Vermittlung konstruktiver Kompromisse gründet, ist es falsch, die Beteiligten nicht einzubeziehen und ihnen eine Person vor die Nase zu setzen, mit der sie sich dann herumzuärgern haben.
Es ist auch die Frage, ob die Präsidentschaft weiter als Austragsstüberl verdienter Intendanten dienen muss. Aber um das zu beantworten, müsste eine inhaltliche Debatte über die zukünftige Richtung der Theaterakademie stattfinden, die das Ministerium scheut. Sie wird, so scheint es, sogar absichtlich vermieden.

Vorläufig schindet man auf Zeit: Zehelein wird von Berlin aus noch ein Weilchen weitermachen. Ob die Galgenfrist genutzt wird? Es ist zu fürchten: nein.

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