Zweifel am Ausweichgelände Gasteig-Umzug: Doch nicht die beste Lösung?

, aktualisiert am 23.11.2017 - 12:15 Uhr
Auf diesem Gelände der Stadtwerke am Mittleren Ring nahe der Brudermühlbrücke hätten alle Gasteig-Nutzer während der Sanierung Platz. Aber es wird ein teurer Spaß. Foto: Gasteig

Eigentlich hatte der Münchner Stadtrat im Sommer ein Ausweichgelände für die Sanierung des Gasteigs gefunden – nun aber wachsen die Zweifel über die horrenden Kosten. Das könnte Auswirkungen auf das gesamte Projekt haben.

München - Noch in diesem Jahr sollte der Stadtrat über den Umzug des Gasteigs in das Areal der Stadtwerke in Sendling entscheiden. Der Ältestenrat hat nun beschlossen, diese Abstimmung auf den Januar zu verlegen. Denn unter den Stadträten seien grundsätzliche Zweifel aufgekommen, heißt es.

Diese Verschiebung um ein, zwei Monate muss nichts heißen. Aber sie könnte genauso gut das ganze schöne Kartenhaus der Gasteig-Sanierung zum Einsturz bringen.

So teuer wird die Gasteig-Sanierung

Die soll 2020 beginnen und zwischen 410 und 450 Millionen Euro kosten. Nach derzeitigem Stand einer Schätzung. Aber jeder, der öffentliche Bauprojekte nur entfernt beobachtet, weiß bekanntlich, was das heißt. Die Kosten für die Interimsquartiere der Gasteig-Nutzer sind da noch nicht eingerechnet. Nach derzeitigem Stand sollen Philharmonie, Stadtbibliothek, Volkshochschule und Musikhochschule auf das Gelände gegenüber dem Heizkraftwerk Süd umziehen.

Deshalb hat der angedachte Umzug einen bitterer Beigeschmack

Es ist derzeit an Gewerbetreibende und Künstler vermietet, deren Begeisterung über den drohenden Auszug naturgemäß begrenzt ist. Das Gelände wäre zwar ideal, aber die Verdrängung freier Künstler durch die hochsubventionierte Hochkultur hat einen bitteren Beigeschmack.

Stadt in Geberlaune - Neubau des Volkstheater

Neben dem Gasteig gibt es noch eine zweite Kulturgroßbaustelle: den (notwendigen) Neubau des Volkstheaters, der rund 130 Millionen Euro kosten soll. Trotzdem war der Stadtrat zuletzt in Geberlaune, was dazu führte, dass immer mehr klamme Institutionen und Festivals im Rathaus anklopfen.

München lebt über seine Verhältnisse

Die Zeit der Rekordeinnahmen bei den Steuern könnte bald vorbei sein. Insbesondere bei der Gewerbesteuer erwartet Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) einen Einbruch. OB Dieter Reiter (SPD) sprach kürzlich davon, dass die Stadt ein ganzes Paket von Investitionsfantasien unterfinanziert vor sich hertrage. Da ist es kaum verwunderlich, wenn der Ältestenrat die Entscheidung über einen Interims-Gasteig nicht übers Knie brechen will. Denn niemand weiß, wie viel es kostet.

Warten - Die Alternative zu Ersatz-Philharmonie?

Nur teuer wird es in Sendling auf jeden Fall: Zuletzt kursierte eine Zahl von 100 Millionen. Lassen sich da nicht wenigstens die 20 oder 30 Millionen für eine Ersatz-Philharmonie sparen? Man könnte doch warten, bis der Konzertsaal im Werksviertel fertig wird. Diese beliebte Frage dürfte auch im Ältestenrat gestellt worden sein. Niemand kann darauf eine klare Antwort geben. Nur so viel: Es ist kompliziert und hat mit den für Außenstehende unverständlichen Animositäten zwischen den städtischen Philharmonikern und dem öffentlich-rechtlichen Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu tun. Und mit einer politischen Grundsatzentscheidung von Staat und Stadt: Nach dem öffentlichen Zerreden einer von Horst Seehofer und Dieter Reiter angedachten gemeinsamen Sanierung von Gasteig und Herkulessaal beschloss man, wieder getrennte Wege zu gehen.

Deshalb steht der neue Konzertsaal im Werksviertel noch auf der Kippe

Davon abgesehen: Es gibt zwar einen siegreichen Entwurf für einen Konzertsaal im Werksviertel, aber noch keinen Landtagsbeschluss für den Bau. Die Begeisterung für eine Erbpacht-Lösung hält sich in Grenze. Ein finanzielles oder gar organisatorisches Konzept für den Betrieb fehlt. Mariss Jansons, der den Saal unbedingt wollte, äußert allenfalls lauwarmen Zustimmung und formuliert lieber weitere Forderungen.

Und so könnten die ganzen schönen Kulturbauprojekte schnell in sich zusammenkrachen. Bei einer städtischen Haushaltssperre würden andere Prioriäten gesetzt. Dann würde die Gasteig-Sanierung auf ein Minimalprogramm schrumpfen. Statt einer Generalsanierung müsste weiter an der Haustechnik herumrepariert werden. Der Carl-Orff-Saal und die akustisch unbefriedigende Philharmonie blieben mittelmäßig, wie sie sind. Und in Granit gemeißelt ist der Neubau im Werksviertel auch nicht. Er könnte sich wegen landespolitischer Turbulenzen verzögern. Oder von einer neuen Staatsregierung ganz gestrichen werden.

Gasteig: Chefdirigent Valery Gergiev kann Druck machen

Dann ist da noch das Problem mit dem zur Verlängerung anstehenden Vertrag von Valery Gergiev. Über die künstlerische Bilanz des Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker kann man geteilter Ansicht sein. Aber Gergiev hat wiederholt eine Gasteig-Optimierung und eine angemessene Interimsspielstätte während des Umbaus angemahnt. Gergiev wird nicht im Stadtteilkulturzentrum Laim dirigieren. Wirklich angewiesen auf die Münchner Philharmoniker ist er auch nicht. Er kann Druck machen. Und das stimmt dann wieder ein wenig optimistisch.

 

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