Zum lesenden Pinguin Die Stadtfrau mit der Landbäckerei

Absolute Ruhe sollte man im „Zum lesenden Pinguin“ nicht erwarten, hier wird den ganzen Tag freudig geratscht. Foto: Daniel von Loeper

Eine Eis-Diele, eine Pâtisserie, ein Café: Das „Zum lesenden Pinguin“ in der Maxvorstadt ist all dies in einem. Die Chefin setzt auf ganz junge Kunden – und will bald auch Waffeln anbieten.

 

Das Geschäftsmodell von Susanne Folger (29) basiert, überspitzt formuliert, auf drei Säulen: auf einer Diagnoseklinik, einer Zahnarztpraxis und einer Kindertagesstätte. Wer in die Klinik zur Krebsvorsorge geht, braucht einen nüchternen Magen – und hat danach einen Bärenhunger. Der Zahnarzt praktiziert auch am Samstag und lockt halb München in die Maxvorstadt. Und die Kinder vom Hort in der Schwindstraße kommen nachmittags „Zum lesenden Pinguin“, um sich ein Eis zu holen.

„Wir leben zu 85 Prozent von Stammkunden“, sagt Susanne Folger und meint natürlich auch die aus dem Viertel, die ihre Croissants (für 1,40 Euro) lieben, die Eclairs (1,90) und die Pains au chocolat (1,50), allesamt von einem französischen Lieferanten.

Dass die Gäste gerne wiederkehren, mag aber auch an Susanne Folger selbst liegen. Die Chefin des lesenden Pinguins gehört zu den Menschen, die jeden in ein Gespräch verwickeln. Sie ist aufmerksam, behält die Vorlieben ihrer Kunden im Kopf, hilft ihnen die Treppe hoch. Und wirkt so vertrauenserweckend, dass ihr so mancher Gast schon sein halbes Leben erzählt hat.

„Eine Mitarbeiterin hat mal gesagt, das sei hier so wie beim Bäcker auf dem Land“, erzählt Susanne Folger. Dass ihr das gefallen hat, braucht man nicht zu betonen. So wie man nicht betonen muss, dass sie sich geschmeichelt gefühlt hat, als ein Gast ihr sagte: „Sie sind aber keine Gastronomin, oder?“

Das ist sie tatsächlich nicht, zumindest nicht auf dem Papier. Folger ist Diplom-Soziologin. Doch statt ins Personalmanagement einzusteigen (und Leute zu entlassen), hat sie sich einen Traum erfüllt und ein eigenes Café eröffnet.

Das ist recht einfach eingerichtet: ein paar Stühle und Bänke, ein paar Holztische, dazu Zeitschriften. „Zu lesen wird es bei uns immer was geben“, sagt Susanne Folger. Für die Frauen etwa die „Landlust“, für die Männer „Beef“.

Wer weder wegen der französischen Backwaren kommt noch wegen der bayerischen Brezn (0,60), der kommt wegen der Eistheke. 1,60 Euro kostet die Kugel zertifiziertes Bio-Eis aus dem Hause Bartu, dazu kann man eine zweite Sorte probieren, etwa das laktosefreie Schoko- oder das Maracujasorbet.

Ab September will Susanne Folger auch frische Waffeln anbieten, um noch mehr Kinder – und Mütter mit Kindern – anzulocken. Einen Wickeltisch hat die gebürtige Münchnerin bereits, einen himmelblauen Maltisch auch, dazu Stifte und Bauklötze. Schon bald wird es zudem eine eigene Kinderkarte geben. Die Kleinen sollen sich hier so wohl fühlen wie die Erwachsenen. Eben: als Stammgäste.


Görresstraße 17, Mo. – Di. und Do. – Fr. 10 – 18.30 Uhr, Sa. – So. 9 – 18 Uhr, Tel. 80954726

 

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