Auf dem Jakobsweg Giesinger Messer-Mörder Roland B. beim Pilgern gefasst

, aktualisiert am 10.11.2016 - 17:16 Uhr
Das Wohnhaus des Opfers in der Bayrischzeller Straße in Obergiesing: Hier erstach B. seine Ex auf dem Gehweg. Foto: Polizei/Judith Eisinger

Getarnt als Pilger versteckt sich der Architekt aus München unter den Gläubigen. Doch dann unterläuft dem 45-Jährigen auf der Flucht vor der Polizei ein dummer Fehler.

München/Villadangos del Páramo – Drei Monate gibt es nicht das geringste Lebenszeichen von Roland B. Er meldet sich nicht bei Freunden oder der Familie, er hebt kein Geld vom Konto. Manche hielten ihn deshalb bereits für tot – glaubten, er habe sich das Leben genommen, nachdem er im August in Giesing seine Ex-Freundin Tsin-ieh L. (= 45) auf offener Straße erstochen hatte (AZ berichtete).

Tatsächlich hat sich der Architekt aus München ins Ausland abgesetzt. Knapp 2000 Kilometer weit kam er, quer durch Frankreich bis in den Norden Spaniens.

Unter den vielen Pilgern fällt der Münchner niemandem auf

Der mutmaßliche Mörder wählt für seine Flucht eine Route, auf der ein einzelner Mann ohne viel Geld in der Tasche kaum auffallen würde. Er entscheidet sich für den Jakobsweg. Die bekannteste Pilgerroute der Welt. Seit über 1000 Jahre wandern Gläubige zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela.

Unerkannt erreicht Roland B. Anfang der Woche Villadangos del Páramo, der Ort liegt etwa 250 Kilometer östlich von Santiago de Compostela. Er quartiert sich in eines der Hostels ein, in der auch die Pilger Rast machen. Die Zimmer sind preiswert, was Roland B. sehr entgegen kommt. Er hat kaum Geld.

Routinekontrolle auf dem Jakobsweg führt zum Treffer

An der Rezeption muss Roland B. seinen Personalausweis vorlegen. Was der Architekt vermutlich nicht weiß, die Daten der Gäste werden an die Polizei übermittelt und überprüft. Dabei fiel auf, dass der Mann aus München per internationalem Haftbefehl gesucht wird.

Am Dienstag um 23.40 Uhr nehmen Polizisten der Guardia Civil den Verdächtigen fest.

Am Mittwoch trifft bei der Mordkommission in München die Meldung ein, dass der Gesuchte verhaftet wurde. „Derzeit wird die Identität des Mannes überprüft“, sagt Herbert Linder, Vize-Chef der Mordkommission. Mit Hilfe eines DNA-Abgleichs soll dies geschehen.

Roland B. wird schon bald an die Deutsche Justiz überstellt. Die Staasanwaltschaft München hat bereits die Auslieferung beantragt. Bis zur Abschiebung kommt der Münchner nach Madrid ins Gefängnis. Damit endet für ihn nach drei Monaten und fast 2000 Kilometer die Flucht. Zielfahnder hatten versucht, sich an seine Fersen zu heften.

Doch Roaldn B. schien wie vom Erdboden verschluckt. Er meldete sich weder bei Freunden oder Verwandten, noch hob er Geld von seinem Konto ab. Nicht das geringste Lebenszeichen gab es. „Wir hatten keine Spur“, sagt Herbert Linder, „es war bis zuletzt unklar, ob der Mann überhaupt noch am Leben ist.“

Rückblick auf die Tat

Roland B. ersticht am 16. August nachmittags seine frühere Kollegin und Freundin Tsin-ieh L. (45) im Eingangsbereich eines Mietshauses in der Bayrischzeller Straße. Der liebeskranke Architekt hatte die zierliche Asiatin trotz Kontaktverbot und richterlicher Anordnungen über Jahre hinweg verfolgt und terrorisiert. Im August hätte sich der Stalker deshalb erneut vor Gericht verantworten müssen.

Nach der Bluttat flüchtet Roland B. zunächst in seine Wohnung ins Glockenbachviertel. Er wechselt die blutige Kleidung. Sein Handy lässt er zurück, damit ihn die Polizei nicht orten kann. Er packt ein paar Sachen zusammen, darunter seinen Personalausweis, und verschwindet. Obwohl die gesamte Münchner Polizei hinter ihm her ist, kann er unerkannt aus der Stadt entkommen.

Die Suche konzentriert sich zunächst auf die Alpen. Roland B. gilt als passionierter Bergsteiger. Zusammen mit einem befreundeten Pärchen hat er im Purtschellerhaus am Watzmann für Ende August Schlafplätze reserviert. Doch der 45-Jährige taucht auf der Hütte nicht auf. Stattdessen wird er drei Monate später in Spanien gefasst.

Der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) fordert, Stalking-Opfer besser zu schützen: „Es ist gut, dass die Polizei den Tatverdächtigen so schnell gefasst hat. Jetzt müssen aber die Abläufe bei den zuständigen Behörden gründlich überprüft und alle Register gezogen werden, um Stalking-Opfer besser zu schützen und solche furchtbaren Gewalttaten zu verhindern!“ Laut Brunn war wegen eines Personalwechsels bei der Staatsanwaltschaft der Stalking-Fall rund vier Monate nicht bearbeitet worden.

Villadangos del Páramo - Das Dorf, in dem Roland B. aufflog:

 

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