Zu wenig Öko-Produkte Standlsprecherin fordert mehr Bio auf dem Viktualienmarkt

Ein Gemüsestandl am Viktualienmarkt: Ob die Radieserl, Artischocken und Rote Bete auch ökologisch angebaut werden? Meistens ist das nicht der Fall. Foto: Bernd Wackerbauer

Standlsprecherin Elke Fett klagt an: Auf dem Viktualienmarkt gibt es viel zu wenige ökologische Produkte. In der AZ erklärt sie, was anders werden muss.

 

München - Seit etwa zehn Jahren ist Elke Fett die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt (IGV). Sie vertritt 105 Händler. Wenn Fett zwischen den Ständen schlendert, kennt sie spätestens jeden fünften Markt-Besucher beim Namen und schüttelt Hände. "Servus, Peter! Wie geht’s, Daniela? Bis morgen, Susanne!" Und wer Fett kennt, der weiß: Die warmherzige Frau stellt sich zwar wie eine Mauer vor ihre Markthändler. Doch einem Streit geht die emotionale Münchnerin nicht aus dem Weg, wenn sie von ihrem Standpunkt überzeugt ist.

Forderung nach mehr Bio auf dem Viktualienmarkt

So einen Streit könnte sie nun riskieren, wenn sie fordert: "Wir brauchen mehr Bio auf dem Viktualienmarkt, bis zu 50 Prozent! Und zwar bei allem: Fleisch, Fisch, Käse, Blumen – auch Kaffee." Seit etwa einem Jahr hat sie das Gefühl, dass sich da etwas ändern müsse. Und durch die aktuellen Debatten fühlt sich Fett in ihrer Haltung bestätigt: "Schauen Sie sich die ganzen jungen Leute an, die für eine lebenswerte Umwelt und Zukunft demonstrieren. Warum gehen die Lehrer nicht mit?", sagt sie, die als junge Frau permanent gegen Atomstrom und die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf auf die Straße gegangen sei.

Und regionale Bio-Produkte helfen, die Umwelt zu schonen, und nicht unbedingt Erdbeeren aus Israel, wie an manchen Ständen zu finden, so Fett. Sie stellt sich die Frage: "Warum hat ausgerechnet der kleinteilige Viktualienmarkt so wenig Bio-Angebot?" Nur vier Bio-Händler gebe es: die Ochsenbraterei, "Gut zum Leben", den Michaelihof und Trübenecker.

Immer mehr Viktualienmarkt-Besucher fragen nach Bio-Produktion

Den großen Mangel an Bio bemerkte sie während der vergangenen Weihnachtstage. "Da habe ich am Viktualienmarkt zusammen mit meiner Tochter eine Bio-Gans gesucht", erzählt sie, "wissen Sie wie lange ich suchen musste? Zwei Stunden! Und der kleinste Händler hatte sie."

Als ihre Tochter, die am Ammersee wohnt, dann erzählte, dass sie dort einen ganz tollen Bio-Markt hätten, wo es keine zwei Stunden dauern würde, bis sie die Bio-Gans eingekauft und in den Ofen stellen würden, fragt sich Fett: "Warum funktioniert das auf dem Land und nicht am Viktualienmarkt? Es kann doch nicht sein, dass ich ins Reformhaus ausweichen muss, wenn ich im Herzen Münchens nach Bio-Waren suche." Immer mehr Besucher fragten sie nach Bio. Von einigen Kaffee-Händlern sei sie enttäuscht. "Am Tierpark wird ein Pfandbecher angeboten. Eine wunderbare Idee. Warum ist so etwas nicht hier möglich, wo scharenweise Touristen durchlaufen?"

Ginge es nach Fett, müsste man sogar viel früher ansetzen, bei der Vergabe der Stände – nur eine von vielen denkbaren Ideen: "Wir könnten ja voraussetzen, dass Bewerber einen bestimmten Prozentsatz an Bio-Waren anbieten müssen. Je höher der Anteil, desto größer die Wahrscheinlichkeit, den Zuschlag zu bekommen." Ab 4. April möchte Fett ihre Idee des Bio-Viktualienmarktes vorantreiben. Dann findet das nächste Treffen der IGV im Pschorr statt.

Schwierigkeiten bei der Bio-Offensive

Ganz so einfach, wie es sich Elke Fett vorstellt, ist es möglicherweise nicht mit der Bio-Offensive am Viktualienmarkt. Daniel Stephani, Chef des Standes "Stephanis Geflügelparadies", hat es 2014 etwa ein Jahr lang mit Bio versucht. "Die Produkte wurden schneller schlecht, die Kunden beschwerten sich häufiger und zu allem Überfluss hat mich ein Bio-Eierhändler betrogen", erzählt Stephani. Ihm sei damals aufgefallen, dass besonders häufig Bio-Eier reklamiert wurden. "Ich dachte, das kann doch nicht sein", sagt Stephani. Er folgte dem Händler, um festzustellen, dass der auch bei konventionellen Höfen einkaufte. Er stellte ihn zur Rede. Der Eier-Händler gab zu, den Bio-Eiern günstige Eier beigemischt zu haben.

"Seitdem vertraue ich nur Landwirten, mit denen ich seit Jahrzehnten zusammenarbeite", sagt Stephani. Das seien Höfe, von denen er wisse, dass die Tiere glücklich in Freilandhaltung leben. "Der einzige Unterschied ist, dass sie kein spezielles Bio-Futter bekommen", erklärt Stephani. Beim Fleisch hat er besonders gute Erfahrung mit französischen Bauern gemacht, deren Produkte das Siegel "Label Rouge" tragen. "Damit sind meine Kunden zufrieden. Meine Regel: Qualität vor Regionalität."

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