Zoff mit der Bayerischen TSV 1860: Halbe Wahrheiten zum Abschied von Michael Scharold

Löwen-Bosse: Die Geschäftsführer Finanzen und Sport, Michael Scharold (l.) und Günther Gorenzel. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Finanz-Boss Michael Scharold gibt seine offizielle Rücktritts-Pressekonferenz und spricht von einer "super Basis" beim TSV 1860. Doch nach Infos der AZ gibt es Zoff ums Geld mit dem Hauptsponsor.

 

München - Große Emotionen, verbesserte Zahlen: Michael Scharold, am 30. Juni scheidender Finanz-Boss der Löwen, sprach über beides – doch einen entscheidenden, geheimen Vorgang im Hintergrund, der Sechzigs Zukunftsplanungen massiv beeinflusst, thematisierte er nicht.

"Das war für mich kein normaler Job. Es war eine Herzensangelegenheit", erklärte der Noch-Geschäftsführer am Dienstag auf seiner offiziellen "Rücktritts-PK" als Sechzigs Mann der Zahlen. Der sympathische Bad Endorfer wollte es allen recht machen bei den Löwen – eine schier unmögliche Mission, die etwas an das Aus von Trainerikone Daniel Bierofka erinnerte, denn: Letzten Endes rieb sich der zumeist schweigsame Scharold, der eigenen Angaben zufolge "120 bis 160 Prozent Einsatz jeden Tag" gegeben hat, inmitten oftmals völlig konträrer Interessen des e.V. und von Investor Hasan Ismaik auf.

Sechzigs Finanzen: Von "Überlebenskampf" zu "super Basis"

"Im Herbst habe ich in mich reingehorcht und gemerkt, dass die Batterien nicht mehr aufladen, wie sie sollten", sagte der 39-Jährige, der nach AZ-Informationen ursprünglich schon im Dezember gehen sollte: "Ein halbes Jahr kannst du das vielleicht noch durchziehen. Irgendwann bist du an einem Punkt, wo auch eine Sommerpause nicht helfen wird, um mit der nötigen Energie ranzugehen." Nun könne Scharold selbstbestimmt und "mit Stolz" gehen, schließlich habe er eine "super Basis" geschaffen. Zum Leidwesen der Löwen ist das nur die halbe Wahrheit.

Womit wir bei den Zahlen wären. Scharold, im Januar 2018 von Präsident Robert Reisinger und Co. per 50+1-Regel und gegen Ismaiks Forderungen ins Amt gehievt, referierte: Sechzig habe im ersten Jahr nach dem Abstieg 2017, das Scharold als "Überlebenskampf" bezeichnete, "trotz vieler treuer Partner wie Hauptsponsor 'die Bayerische' nur sieben Millionen erwirtschaftet." Im zweiten Jahr seien es "neun Millionen" und im dritten Jahr "sogar zehneinhalb Millionen" gewesen – all das durch die drei Säulen "Sponsoren, Ticketing und mediale Verwertungsrechte." Die Kosten seien "bis heute konstant, je etwa sechs Millionen."

Die eigene Wirtschaftskraft habe 1860 dabei von einer Million auf dreieinhalb Millionen und schließlich viereinhalb Millionen gesteigert.

Hauptsponsor "die Bayerische" will Gesellschafter werden

Der Konsolidierungskurs, den Scharold rückblickend eher als "Gesundungskurs" bezeichnen würde, habe man demnach "zu 75 Prozent" bestritten: "Aber jeder Bergsteiger weiß, dass die letzten 25 Prozent die anstrengendsten sind." Wie der Schalker Ex-Finanzierungsleiter jedoch auf Nachfrage zugeben musste: Ohne die Spitzen-Einkünfte dank Julian Weigl und Marin Pongracic (2,9 Millionen für 1860) wäre die Bilanz weit negativer ausgefallen.

Der Knackpunkt, an dem die laufenden Etatplanungen hängen: Wie die AZ aus zwei unabhängigen Quellen erfuhr, ist es ausgerechnet Hauptsponsor "die Bayerische", der derzeit auf eine Sicherstellung pocht. Der Versicherer hat nach seinem Zwei-Millionen-Darlehen aus dem Sommer 2017 vertragsgemäß Zugriff auf die genannten Erlöse, könnte aber zugunsten eines höheren Spieleretats vorerst darauf verzichten.

Warum kurioserweise der Hauptsponsor, der sich bisher stets als verlässlicher Partner präsentierte, die sportliche Entwicklung und berechtigte Aufstiegspläne auszubremsen scheint? Der Konzern hat nach AZ-Informationen gänzlich andere Pläne: "die Bayerische" will im Rahmen einer Kapitalerhöhung, die auch Scharold ohne konkrete Informationen in den Raum warf, als Dritter Gesellschafter einsteigen – und Vereinsanteile seitens des e.V. erwerben. Nutzt man Sechzigs Finanznöte nun als Druckmittel?

Ohne die zusätzliche Finanzspritze hat 1860 ein großes Problem. Der aktuelle, im Vergleich zum Vorjahr reduzierte Etat von unter drei Millionen lässt es nach AZ-Informationen nicht einmal zu, Schlüsselspieler wie Torjäger Sascha Mölders, Spielmacher Efkan Bekiroglu und Tim Rieder zu halten. Scharold erklärte auf AZ-Nachfrage über die zusätzlichen Millionen, dass man Vertragsdetails nicht nach außen geben werde. Vielleicht wäre es diesmal zugunsten einer besseren Löwen-Zukunft aber für alle Seiten besser, mit offenen Karten zu spielen.

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