Zimmermann, Eicher, Ortega Torwart-Situation beim TSV: "Kein Kindergeburtstag"

Drei Keeper im Tor, das klappt leider nur im Training (v.l.): Jan Zimmermann, Stefan Ortega, Vitus Eicher. Foto: sampics/Augenklick

Mit Zimmermann, Ortega und Eicher haben die Löwen drei Torhüter mit Ansprüchen auf einen Stammplatz. "Es ist kein Kindergeburtstag, wir sind erstmal für 1860 verantwortlich", sagt Eichin.

 

München - Sie haben einen Boss gesucht bei den Löwen, jetzt haben sie einen. Thomas Eichin ist in diesen Tagen der Mann der klaren Worte.

Zuerst kritisierte der Geschäftsführer und Sportchef des TSV 1860 Stürmer Sascha Mölders wegen dessen Engagements als Trainer der Landesligamannschaft seines Heimatortes Mering. Dann hatte der 49-Jährige eine Botschaft an seine drei Torhüter, insbesondere an die Reservisten Stefan Ortega und Vitus Eicher. Diese ließ der Löwen-Chef trotz mangelnder Perspektive auf einen Stammplatz in der jüngst geendeten Transferperiode nicht gehen oder er stellte sie erst gar nicht zum Verkauf.

"Natürlich ist das für Stefan Ortega und Vitus Eicher nicht gerade optimal. Es ist aber auch kein Kindergeburtstag hier, wir sind erstmal für 1860 verantwortlich", sagt Eichin. "Da leiste ich mir dieses Luxusproblem, zu sagen: Ich habe drei Torhüter, von denen ich bedingungslos jeden reinstellen kann." Für beide heißt es, sich erstmal hinten anzustellen. Sie kennen diese Situation hinlänglich.

Neuzugang Zimmermann ist gesetzt

Der Erdinger Eicher soll nicht nur Bälle halten, sondern wegen seiner Herkunft auch Identifikation stiften. Seit sechs Jahren ist der 25-Jährige nunmehr bei den Profis der Sechzger, er konnte sich aber nie dauerhaft durchsetzen. Der 23-jährige Ortega kam 2014 von Arminia Bielefeld, musste sich nach dem Abgang von Gabor Kiraly aber mit Eicher abwechseln. "Ich habe keine andere Möglichkeit. Ich bin hier, der Trainer hat entschieden, Zimbo (Jan Zimmermann, d. Red.) spielt und ich kann im Training nur Gas geben und da sein, wenn ich gebraucht werde", sagt Ortega im Gespräch mit der AZ auf seine nicht einfache Situation angesprochen.

Vor der Saison hatte Chefcoach Kosta Runjaic den 31-jährigen Zugang Zimmermann zur Nummer eins ernannt, beide hatten einst bei Darmstadt 98 zusammengearbeitet. Ortega hatte diesen Vertrauensvorschuss nicht. Natürlich denke erstmal jeder an sich, "aber wir sind fair untereinander und haben ein ganz gutes Verhältnis", meint er über die Zusammenarbeit des Trios. Doch gab es keine Chance auf einen Wechsel? Ortega: "Dazu kann ich jetzt nichts mehr sagen. Jetzt ist es so, wie es ist."

"Wir sind nicht verantwortungslos"

Pragmatischer sieht es der Mann, der beinahe tagtäglich mit ihm und seinen Torhüterkollegen arbeitet. "Das passt schon", sagt Torwarttrainer Andreas Menger auf Nachfrage der AZ. Er habe drei gute Torhüter, meint er, die im Training alle voll mitzögen. Aber: Man könnte meinen, es sei verantwortungslos gegenüber Ortega und Eicher, sie wieder zu Reservisten zu machen, während sie woanders vielleicht spielen würden. "Wir sind nicht verantwortungslos. Sie haben hier beste Möglichkeiten, um zu trainieren", sagt Menger. "Wir bringen sie weiter, sonst würden wir das ja nicht machen."

Der Sportchef sieht einen maßgeblichen Vorteil für die Löwen: "Wenn sich Zimmermann mal verletzt oder eine Rote Karte holt, rückt ein anderer Keeper nach", meint Eichin. "Dann fängst du an, zu überlegen: Wen setze ich auf die Bank, wenn sich der auch noch verletzt? Das habe ich jetzt schon ein paar Mal erlebt." Dennoch: Spielen die Torhüter nicht, bleiben sie in ihrer Entwicklung im schlechtesten Fall stehen. Das zieht einen geringeren Marktwert nach sich – und weniger attraktive Angebote. Ihre Verträge enden 2017. Eichin macht dagegen unmissverständlich klar: Zuerst kommt Sechzig, Interessen einzelner werden untergeordnet. Klare Ansage.

 

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