Zählung in der Fußgängerzone München: Es geht aufwärts in der Sendlinger Straße

Knapp 6.000 Passanten pro Stunde spazieren werktags am Nachmittag durch die Fußgängerzone. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Trotz Boom im Onlinehandel: Die Fußgängerzone bleibt voller Passanten. Wo die Läden brummen – und wo in der Stadt sie sterben (werden), zeigt die neue Zählung des Immobilienverbands.

 

München - Dienstag am Nachmittag kann man am Stachus kaum herumstehen, ohne angerempelt zu werden. 6.470 Menschen marschieren da durchs Karlstor – pro Stunde, im Schnitt. Genau wie mittwochs und donnerstags auch. Das haben die Immobilienmarktforscher vom IVD-Institut kürzlich mal wieder gezählt, für ihren jährlichen Passanten-Frequenz-Bericht für den Einzelhandel.

Damit bleibt der Karlsplatz als westlichstes Eck der Altstadt-Fußgängerzone Spitzenreiter, wenn's um die Frage geht, wo in München am allermeisten Laufkundschaft für die Geschäfte unterwegs ist – und also die Ladenkassen besonders munter klingeln dürften.

Es folgt die bewährte Kaufingerstraße bis rüber zum Marienplatz (mit 5.967 Passanten pro Stunde). Danach wird es schon dünner. Wie das Balkendiagramm oben zeigt, sind schon in der Rosenstraße, Im Tal und in der Weinstraße ein Drittel weniger Leute unterwegs. Richtig viel dünner wird es dann ein Stück weiter südlich in der Sendlinger Straße nahe Sendlinger Tor (unter 2.000 Passanten).

Was man aber klar sehen kann: Der Umbau zur Fußgängerzone (seit Sommer 2016) hat der Sendlinger deutlich gut getan – zumindest im Marienplatz-nahen Teil rund um die Hackenstraße. Da sind heute pro Stunde über 1..000 Passanten mehr unterwegs, als noch vor dem Umbau 2015.

Laden-Leerstand gibt es selten

Das Resümee der Experten? "Der Altstadt geht es gut, sie bleibt absolut belebt", sagt ImmobilienverbandssprecherSprecher Stephan Kippes. "Noch kann der Internethandel der 1-A-Geschäftslage in der Münchner City nichts anhaben."

Die Mieten bleiben maximal hoch (320 bis 410 Euro/Quadratmeter in der Kaufinger-, um 280 Euro in der Sendlinger Straße). Laden-Leerstand gebe es so gut wie keinen – wo mal ein kurzer Leerstand ist, zieht eben kurzfristig ein Popup-Laden ein.

Weniger rosig ist die Lage für die Einzelhandelsläden, die im Rest der Stadt abseits der belebten Stadtteilzentren liegen. Während die Anwohner direkt am Rotkreuzplatz in Neuhausen, am Pasinger Marienplatz, am Kolumbusplatz oder am Harras (Ladenmiete 45 bis 95 Euro/Quadratmeter) noch gern flanieren und auch einkaufen, geben schon wenige Straßen weiter immer mehr Läden auf.

In "Streulage" ist Vorsicht geboten mit dem Laden

Schon in 1-B-Nebenkern-Lagen (wie an der Landsberger- oder Wasserburger Landstraße) machen die Mieten (zwischen 21 und 30 Euro) den Ladeninhabern zu schaffen. "Dort gibt es immer mehr Opfer des Onlinehandels", sagt Kippes. Kaum noch rentabel sind Geschäfte in sogenannter "Streulage" und am Stadtrand, die abseits von Plätzen oder U-Bahnstationen in Wohngebieten liegen – oft in gemischt genutzten Gebäuden, wo gar keine Laufkundschaft vorbeikommt.

Obwohl solche Läden schon für zehn Euro pro Quadratmeter zu haben sind, finden sich kaum noch interessierte Mieter. "Hier müssen sich Vermieter rechtzeitig überlegen, was sie aus ihren Shops machen wollen", sagt Kippes. In Wohnungen oder Büros umbauen, ist rechtlich kompliziert. Eine Alternative, die Schule macht: der Umbau zu einer Kita.

 

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