Yol Tarama mit Ukulele

Bei der offiziellen Eröffnung vergangenen Samstag hatte Aydin Aslan in seinem „Yol“ alle Hände voll zu tun. Foto: Petra Schramek

Das „Yol“ war schon immer eine Taverne für Freigeister. Nach vier Jahren Unterbrechung hat Aydin Aslan jetzt sein Lokal im Dreimühlenviertel wiedereröffnet

 

Der Zufall passiert in Wien, in einem bayerischen Lokal in der Kaiserstraße. Die Wirtin hängt gerade am Telefon, als Aydin Aslan hinter ihr durchschlüpft und die Stimme am anderen Ende der Leitung erkennt.

Am Apparat ist jemand von der Paulaner-Brauerei, mit dem Aslan lange zusammengearbeitet hat. Eigentlich will er nur kurz hallo sagen, doch der Kontakt bleibt bestehen. Nach ein paar Gesprächen lässt sich Aslan dazu überreden, nach München zurückzukommen.

Aslan (60) hat bis vor vier Jahren das „Yol“ im Dreimühlenviertel betrieben. Dann kam ein Arztbesuch und eine erschreckende Diagnose: Hautkrebs. Aslan tingelte durch die Praxen der Spezialisten, fuhr dafür nach Paris, Brighton, ließ sich eingehend in Wien untersuchen. Am Ende stellte sich heraus: Fehlalarm, kein Hautkrebs.

Sein Münchner Lokal hatte er da natürlich längst aufgegeben.

Jetzt ist das „Yol“ zurück, dort, wo die türkische Taverne 25 Jahre lang zu finden war. „Darüber bin ich schon froh“, sagt Aslan. Paulaner hat ihm auch andere Lokale angeboten, aber das in der Ehrengutstraße liegt ihm besonders am Herzen. „Hier habe ich mich selbst kennengelernt”, sagt Aslan. „Hier habe ich gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.”

Aslan ist 1984 nach Deutschland gekommen. Als junger Mann, gerade mit dem Psychologiestudium fertig, hatte er sich in eine Münchnerin verliebt. Er zog an die Isar, studierte Medizin und betrieb nebenbei seine Kneipe. Das „Yol“ war ein linksorientiertes Nachbarschaftslokal, in dem sozialistische Ideen blühten. Aslan ließ mitmachen, wer gerade Lust dazu hatte. Der eine konnte Fenster putzen, der andere gut Kartoffeln schälen – „es war naiv, aber es war schön“, sagt Aslan.

Aslan sitzt vor der mintgrün vertäfelten Wand seines Lokals, als er das erzählt. Auf den Holztischen stehen Kerzenständer aus Messing, die Fensternischen schmücken Grünlilien und kleine Olivenbäumchen.

Das „Yol“ ist etwas gesetzter als früher, aber immer noch ein Ort für Freigeister. Manche Leute bringen ihren Laptop mit, andere ihre Ukulele. Zu essen gibt es im „Yol” verschiedene Pide (7,50 bis 9 Euro), klassisch türkische Vorspeisen wie die Fischcreme Tarama (3,50 Euro) oder Tagesgerichte wie Kapama, eine zarte Lammschulter mit Ofengemüse (9,50 Euro).

Zu empfehlen ist „Karisik Meze“, der gemischte Vorspeisenteller (4 Euro), der einen die Vielfalt der türkischen Küche erfahren lässt.


Ehrengutstraße 21, Mo. bis So. 17 bis 1 Uhr, Tel.: 74 11 82 85

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