Wohnungsmangel in der Großstadt Domagk-Park: Berlin will von München lernen

So wird die Wagnis-Genossenschaft im Domagkpark in der früheren Funkkaserne bauen. Foto: ho

Eine Berliner Delegation hat sich das Neubaugebiet des Domagkparks angesehen. Die Politiker wollen in München lernen, wie die Stadt den immer knapper werdenden Wohnraum bebaut und vermietet. Denn der Domagkpark hat Modellcharakter.

 

München - Berlin will von München lernen. Und zwar, wie man baut. Und nein, es geht nicht um den Flughafen, sondern um Wohnungen. Denn die Stadt an der Spree und die Stadt an der Isar haben ein ziemlich zentrales Problem gemeinsam.

Beide wachsen wie verrückt, der Zuzug in die Städte nimmt kein Ende. Dementsprechend knapp ist (bezahlbarer) Wohnraum. "Die Entwicklung, die München in den vergangenen 20 Jahren hatte, bekommen wir nun innerhalb von drei Jahren", so der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) gegenüber der SZ. Und weil München also gute 17 Jahre Erfahrungsvorsprung hat, besuchte Mindrup zusammen mit einer kleinen Delegation die bayerische Landeshauptstadt und besichtigte insbesondere das Gebiet um die ehemalige Funkkaserne.

Dort wird zur Zeit zwischen Frankfurter Ring und Domagkstraße im Münchner Norden der Domagk-Park gebaut, und das Neubaugebiet ist in mehrfacher Hinsicht besonders.

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Zum einen ist das Gebiet auf dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne eines der letzten großen zusammenhängenden Neubaugebiete, zum anderen ist die Konstellation der Bauträger eine besondere. Denn die rund 4000 Wohnungen, die dort bis zum nächsten Jahr entstehen werden, baut ein Konsortium. Genossenschaften, Wohnungsunternehmen, Baugemeinschaften und sonstige Bauträger entwickeln unter strengen Auflagen die Wohneinheiten. Alles unter Aufsicht der Stadt.

Das Großprojekt hat Modellcharakter. Denn die Grundstücke auf dem 33 Hektar großen Gelände wurden seitens der Stadt letztlich unter dem eigentlichen Marktwert verkauft, um so die späteren Mieten bezahlbar zu halten. Im Domagkpark gilt ferner ein jahrzehntelanges Umwandlungsverbot in Eigentumswohnungen, außerdem gibt es Wohnflächenobergrenzen und die Auflage, keine Luxusausstattung in den Wohnungen zu installieren.

Berliner wollen von München lernen

Dass die Genossenschaften so von der Stadt unterstützt werden, imponiert der Berliner Reisedelegation. "Der Münchner Weg ist schon etwas ganz Besonderes", so der Bundestagsabgeordnete Mindrup zur SZ. Im Besonderen interessierte die Berliner Abordnung die städtische Vergabepraxis, nach der auch auf Privatgrundstücken mindestens 30 Prozent geförderter sozialer Wohnungsbau entstehen muss. "Das ist Vorbild für Berlin und ganz Deutschland".

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Wie groß das Platzproblem in Berlin ist, beweist die Tatsache, dass die Stadt fast gar keine Flächen mehr an private Bauträger abgibt - sie hat schlicht kaum mehr eigene Flächen. Insofern können die Politiker zwar etwas lernen. Ob sie es dann umsetzen können, das muss sich erst noch zeigen.

Und wer weiß, vielleicht sind die Politiker dann ja auch vom Flughafen München abgeflogen, und haben sich die ein oder andere Anregung mitgenommen für das andere Großproblem BERlins.

 

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