Wo es an Münchner Schulen hakt Zeugnisse! Hier bewerten mal die Schüler

Wo es an Münchner Schulen hakt - Hier kommen Schülersprecher zu Wort. Foto: Sophie Anfang

Ganz kurz bevor es endlich in die Ferien geht, erzählen Schülerinnen und Schüler, wo’s an Münchner Schulen wirklich hakt. Da sie am Freitag Zeugnisse bekommen, drehen wir mal den Spieß um – und lassen sie bewerten.

Es wird schnell klar, dass vieles nicht ganz rund läuft, was übrigens für alle Schultypen gilt. Dabei kommt hier die Kritik nicht von Jugendlichen, die schlicht „keinen Bock“ auf Schule haben.

Hier kommen Schülersprecher zu Wort – junge Leute also, die sich für die Schule engagieren. Achtung, Herr Spaenle: Hinhören lohnt sich!

„Es braucht Struktur“

Victoria Cebrian (15), 9. Klasse Montessori-Schule am Olympiapark: „Ich bin seit der 7. Klasse auf der Montessori-Schule und habe keine Prüfungen geschrieben. Jetzt muss ich aber meinen Qualifizierten Hauptschulabschluss machen. An Mittelschulen zählen auch die Leistungen, die unterm Jahr geschrieben wurden. Bei mir zählt nur der Prüfungstag. Das Grundkonzept der Montessori-Schule finde ich sehr gut. Aber wenn ich etwas verändern könnte, würde ich trotzdem ein bisschen mehr Struktur reinbringen.“

„Es gibt zu viele Einschränkungen“

Alina Taghavinia (15), 9. Klasse, Elisavetha Balakina (14), 9. Klasse, Ela Ös (16), 10. Klasse, Berthold-Brecht-Gymnasium. Alina: „Zwischen den Lehrern und der Schulleitung stimmt die Kommunikation nicht.“ Ela: „Stimmt, Schüler, Lehrer und das Direktorium sprechen nicht genug miteinander. Wir Schülersprecher versuchen da etwas zu verbessern, aber es steht uns viel im Weg.“ Elisavetha: „Was auch stört: Es gibt teilweise zu viele Einschränkungen. Wir dürfen zum Beispiel das Mobiliar in den Klassenzimmern nicht in die Aula bringen, wenn wir es bräuchten. Außerdem dürfen wir die Wände nicht streichen – obwohl überall Kaugummis kleben. Wenn ich etwas ändern könnte, dann würde ich mehr grüne Pflanzen in die Klassenzimmer stellen. Wenn Lehrer Grün in ihren Klassenzimmern haben, wird die Stimmung gleich besser.“

„Aktuelle Themen kommen zu kurz“

Alessandro Bongiorno (25), 12. Klasse Berufsoberschule für Wirtschaft: „Was zu kurz kommt, sind Diskussionen über aktuelle Themen. Das ist mir einfach zu wenig. In meiner Klasse wusste neulich zum Beispiel ein großer Teil nicht, was Pegida ist. Es muss ja kein neues Fach fürs Diskutieren geben, aber man könnte es gut in andere Fächer integrieren. Sozialkunde würde sich anbieten. Verbesserungswürdig sind die sanitären Anlagen. Der Seifenspender ist eigentlich immer leer.“

„Engagement fehlt“

Oihane Narro Alvarez (17), 10. Klasse, Carl-von-Linde-Realschule: „Die Schule engagiert sich zu wenig außerhalb der Schule. Damit meine ich, dass in der Schule selten Spenden für außerschulische Projekte gesammelt werden. Bei der Organisation ist einiges verbesserungswürdig. Man sollte die Klassenstufen nicht mehr so voneinander trennen. Man sollte etwas organisieren, das alle verbindet. Wenn ich etwas ändern könnte, dann würde ich Schülern, die es nicht so leicht haben, mehr Unterstützung geben. Ihnen helfen, auf die Prüfungen zu lernen. Außerdem wäre es gut, wenn Rektoren öfters in den Klassen vorbeischauen, um zu sehen, wie die Lehrer ihren Unterricht gestalten. Bei uns war noch nie ein Rektor.“

„Die Jugend zählt in der Politik nicht“

Ozan Aykac (18), 12. Klasse, Asam-Gymnasium: Es gibt viele Punkte, bei denen es an der Schule hakt. Schule schafft es meines Erachtens nicht, soziales Engagement oder die eigenen Interessen der Schüler angemessen zu fördern. Das demotiviert viele. Auf lange Sicht können Schüler dann im Unterricht unruhig werden. Aus deren Sicht ist das verständlich. Aber das frustriert die Lehrer und so macht das ganze Konstrukt keinen Sinn mehr.

Ein anderer Aspekt wären die Veränderung durch das G8. Das wird seit Jahren diskutiert vom Kulturministerium, von Schülern, Lehrern und Eltern. Aber ich finde, dass Schule, so wie sie heute ist, ihrem Bildungsauftrag trotzdem nicht gerecht wird. Noch haben wir leider die Situation, dass die Jungendmeinung in der Politik kaum eine Bedeutung hat. Die Wahlberechtigung bekommt man ja erst ab 18 Jahren. Deshalb ist die Gruppe U18 einfach total uninteressant für die Politik. Man muss als Politiker den Eltern gerecht werden. Sie müssen auch schauen, dass in Bayern die Notendurchschnitte an den Schulen gut sind. Aber das Interesse des einzelnen Schülers steht da nicht so im Vordergrund.

Allerdings: Die letzten vier Jahre, die ich in der Stadtschülervertretung bin, gab es einige Entwicklungen. Wir sind mehr geworden und vonseiten der Politik werden wir jetzt stärker wahrgenommen. In München habe ich deshalb ein positives Gefühl, was die Entwicklung an Schulen angeht. Für Bayern an sich aber nicht. Wir stoßen da auf taube Ohren.

Natürlich geht der Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) oft auf Podiumsdiskussionen, aber was die Schülerinnen und Schüler interessiert, das zählt dann meist einfach nicht.“

„Man wird früh demotiviert“

Karim Alrammahi (15), 9. Klasse Mittelschule an der Alfonsstraße: „Die Schüler im M-Zug (dort kann man den Realabschluss machen, Anm. der Red.) kommen mit dem Hauptschulstoff gut mit. Wenn dann der Realschulstoff kommt, ist der Sprung zu groß.

Die meisten sind bis zur 9. Klasse Durchschnitt und in der 10. Klasse fallen die dann total ab oder sogar durch. Etwa ein bis zwei Schüler pro Klasse fallen in der zehnten durch, der Notenschnitt verschlechtert sich aber bei allen. Der Stoff wird auf einmal schwerer und mehr.

Das ist vor allem in den Kernfächern so, in Englisch und Mathe. In Mathe macht man bis zur 9. Klasse nur Wurzeln und in der 10. kommt dann so etwas wie der Satz des Pythagoras dran. Als Schüler kommt man da durcheinander. Ich vermute, dass man in der Realschule besser damit zurecht kommt, weil man das höhere Niveau gewohnt ist. Man müsste die M-Schüler früher, ab der achten Klasse, an den schwierigen Stoff heranführen.

Als Schülersprecher habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass ich etwas bewegen konnte. Man hat als Schüler nicht viel Zugriff auf das Schulsystem. Wenn ich grundsätzlich was verändern würde, würde ich das dreigliedrige Schulsystem abschaffen. Man wird in der Hauptschule schon früh demotiviert. Wenn man von der Grundschule in die Hauptschule kommt, hat man das Gefühl, man hat es nicht geschafft.“

„Zu wenig Projekte“

Dunja Dridi (15), 9. Klasse, Sonderpädagogisches Förderzentrum München Mitte: „Nach den Pausen werden die Schüler bei uns immer noch abgeholt. Wir müssen uns aufreihen und dann kommt der Lehrer. Da fühlt man sich wie ein Erstklässler. Was ich verändern würde? Ich würde die Klassenzimmer schöner machen und mehr Projekte anregen, bei denen die ganze Schule mitmachen kann.“

Notenkummer? Hier gibt’s Rat und Hilfe

Rund 1,52 Millionen Schülerinnen und Schüler starten am Freitag in die Sommerferien. Zum Abschluss des Schuljahres 2014/2015 erhält die Mehrzahl von ihnen ihr Jahreszeugnis. Rund 162 000 Absolventen allgemeinbildender Schulen haben ihr Abschlusszeugnis bereits in den vergangenen Wochen bekommen. Wenn das Zeugnis nicht ganz so ausgefallen ist, wie erhofft, stehen Schülern wie Eltern die Lehrkräfte, Beratungslehrkräfte, Schulpsychologen und Experten der staatlichen Schulberatungsstellen zur Verfügung:

  • Oberbayern-Ost (Freising, Erding, Ebersberg, Miesbach und das übrige östliche Oberbayern) Beetzstraße 4, 81679 München, Tel.: 089/982 955 110, E-Mail: info@sbost.de
  • Oberbayern-West (Pfaffenhofen, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau, Bad Tölz-Wolfratshausen und das übrige westliche Oberbayern), Beetzstraße 4, 81679 München, Tel.: 089/982 955 120, E-Mail: info@sbwest.de
  • München (Stadt und Landkreis) Pündterplatz 5 80803 München Tel.: 089/38 384 950 E-Mail: info@sbmuenchen.bayern.de
 

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