WM 2010 Jogi und die vier Fragezeichen

Der Bundestrainer und sein Capitano: Jogi Löw (r.) und Philipp Lahm Foto: dpa

CENTURION - Da kann die Laune noch so gut (gespielt) sein: Nach der Pleite gegen Serbien hat das DFB-Team mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem WM-Vorrunden-Finale gegen Ghana.

 

Der lachende Bundestrainer, der optimistische Kapitän, die lockere Stimmung im Velmore Grande – nicht eingeweihte Beobachter könnten glauben, das DFB-Team hätte gegen Serbien haushoch gewonnen. International jedoch wurde die 0:1-Pleite durchaus gewürdigt. Während Jogi Löw und Philipp Lahm in Centurion um die Wette grinsten, ging die internationale Presse mit dem DFB-Team hart ins Gericht.

„Der Ausblick für Deutschland ist düster“, schrieb „Sport“ aus Spanien. In Italien fasste „La Republicca“ den Absturz zusammen: „Ab heute lebt das Super-Deutschland der vier Tore gegen Australien wieder auf dem Planeten der Normalen.“ Und die „Times“ analysierte: „Wahrscheinlich ist es ein neues Deutschland – mit all der glitzernden Jugend, dem Talent und der lähmenden Zerbrechlichkeit.“

Tatsächlich hat Löw vor dem Ghana-Spiel eine Reihe von hausgemachten Problemen und schwierigen Fragen, er bis Mittwoch lösen muss.

Was wird aus Badstuber?

Gegen die schnellen Serben sah der Bayern-Jungstar, ein gelernter Innenverteidiger, auf links alt aus. Doch auch wenn Löw, der einen Wechsel andeutete („er wird für Deutschland in den nächsten Jahren noch sehr wichtig sein“), daran denken sollte, ihn gegen Ghana zu ersetzen, es fehlen gute Alternativen: Dennis Aogo und Marcell Jansen stünden parat. Der eine ist zu unerfahren, der andere agiert zu offensiv. Und Lahm spielt eh lieber rechts. Löw steckt in der Badstuber-Falle.

Wie geht’s ohne Klose weiter?

Seine Gelb-Rote Karte war unnötig. Sogar Lahm meinte: „Bei Miro war es eine schlechte Entscheidung. Auch wenn es nie eine Gelbe Karte war, hätte er nicht von hinten attackieren dürfen.“ Damit die Stimmung nicht kippt, entschuldigte sich Klose bei jedem Mitspieler persönlich. Doch auch dies wird nicht verhindern, dass er vorerst aus der Stammelf raus ist. Spielt Vertreter Cacau am Mittwoch stark, wird Löw an ihm festhalten. Und der Frust bei Klose, der am Sonntag am Hotelteich seine Angel auslegte, wird wachsen. Vielleicht fängt der Stürmer zumindest noch den ein oder anderen Fisch.

Sind Özil & Müller in der Krise?

Dies wurde vom Bundestrainer ignoriert. Italiens Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ brachte es dennoch auf den Punkt: „Die Deutschen verlieren nicht nur wegen des Schiedsrichters, sondern auch wegen der fehlenden Inspiration von Özil und Müller.“ Beide wirkten gegen Serbien platt, überspielt, matt. Alternativen gibt es nicht. Deshalb erklärte Löw: „Die Jungs sind sicher nicht überfordert.“ Vorsorglich kündigte Kapitän Lahm an, „dass wir viele Gespräche führen müssen: Die älteren Spieler müssen den jüngeren unter die Arme greifen“. Das Problem: viele junge Arme, wenige ältere Spieler.

Wie geht der Elfer-Zoff weiter?

Löw erklärte zum versemmelten Podolski-Elfer lachend: „Wir können doch vor einem Elfmeter keine Mannschaftssitzung einberufen.“ So lustig ist das aber gar nicht. Mit einer Absprache hätte man den Zwist verhindern können. Nun verfügte Löw: „Es könnte sein, dass Schweinsteiger den nächsten Elfmeter schießt.“ Immerhin ist Podolskis Laune dennoch bestens. Am Samstag ging er mit einem Kumpel in Pretoria ein saftiges Steak verspeisen und ließ nun via „BamS“ ließ verlauten, dass er demnächst seine Freundin Monika heiraten werde. Achtelfinale hin oder her.

jos

 

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