WM 2010 Alle lieben Özil: Meister der «tödlichen Bälle»

Mesut Özil versucht den Ball über den australischen Keeper zu lupfen. Foto: dpa

Erasmia (dpa) - Joachim Löw ist entzückt, und die Einkäufer der Topclubs sind alarmiert. «Es ist ganz hohes Niveau, mit welcher Leichtigkeit er tödliche Bälle spielt», schwärmte Joachim Löw über Mesut Özil.

 

Aber bei der Nachfrage, ob er dem 21 Jahre jungen Bremer, den sie bei Werder Bremen schon länger «Messi» nennen, bereits nach dem ersten WM-Auftritt das Gütesiegel «Weltklasse» verpassen würde, zögerte der Bundestrainer. «Um Weltklasse zu sein, bedarf es Konstanz in der Leistung», antwortete Löw und schloss an: «Um dauerhaft in der Spitze zu sein, muss man einen langen steinigen Weg gehen.»

Mesut Özil kann diesen Weg womöglich schon in Südafrika beschreiten. 73 Minuten Spielzeit genügten dem Deutsch-Türken beim 4:0 gegen Australien, um die Fans mit seiner Brillanz zu verzaubern und die Fußball-Welt auf sich aufmerksam zu machen. Özil befriedigt eine Sehnsucht, die altgediente Nationalspieler wie Miroslav Klose jahrelang mit sich herumschleppten: «Wir haben immer einen Zehner gesucht und gebraucht. Mesut ist sehr wichtig für unser Spiel.»

Alle lieben Özil, aber der bleibt bescheiden. Ein Eigenlob kam ihm auch nach seinem erst elften Länderspiel nicht über die Lippen. «Ich freue mich, weil die Mannschaft mich toll unterstützt hat», sagte er mit leiser Stimme nach dem Gala-Auftritt bei seinem WM-Debüt.

Mit dem linken Fuß streichelt er den Ball, instinktiv spielt er die tödlichen Pässe in die Nahtstellen der gegnerischen Abwehr. Ein Kinderspiel, meinte Özil: «Meine Mitspieler laufen in die Lücke, und dann spiele ich einfach rein.» Und alles sei Teamwork. «Ich kann die Pässe auch spielen, weil sich die Stürmer sehr gut bewegen.»

Mit gemischten Gefühlen dürften die Bremer Verantwortlichen Özils WM-Auftritte beobachten. Manager Klaus Allofs saß in Durban auf der Tribüne, Trainer Thomas Schaaf daheim vorm Fernseher. «Die Art und Weise, wie er aufgetreten ist, ist schon bemerkenswert», schrieb Schaaf in einer Kolumne für den «Weser-Kurier» und schloss an: «Es hat Spaß gemacht, ihm zuzugucken.»

Das werden sich auch die Einkäufer der Top-Clubs aus England, Spanien und Italien denken. Denn die WM ist ein Schaufenster, in dem Özil mit jedem weiteren Top-Spiel zum begehrten Luxusgut wird. In einem Jahr läuft sein Vertrag in Bremen aus, sein Marktwert steigt und steigt. Beim Thema Zukunft aber wird der offensive Özil defensiv: «Darüber sage ich nichts. Ich konzentriere mich jetzt auf die WM.»

In Südafrika hat der schmächtige Özil nach dem tollen Start Großes im Sinn. «Wir sind erfolgshungrig. Unser Traum ist es, den Titel zu holen, deshalb sind wir hier», sagte der U 21-Europameister von 2009 kess: «Wir haben gezeigt, dass wir eine starke Mannschaft haben.»

Löw ist froh, dass sich der in Gelsenkirchen geborene Özil fußballerisch für Deutschland und gegen die Türkei entschieden hat. Özil ist Teil einer Multikulti-Entwicklung, die auch die DFB-Auswahl erfasst hat. Elf der 23 deutschen WM-Kicker haben ausländische Wurzeln. «Özil, Tasci, Cacau - diese Spieler identifizieren sich stark mit der Nation Deutschland und dem Adler auf der Brust. Sie spielen mit Haut und Haaren für Deutschland, auch wenn sie andere Wurzeln haben», erklärte Löw.

 

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