Wilde Heimat Der Kranich

Der Kranich ist ein imposantes Tier mit einer großen Flügelspannweite. Foto: Christoph Sieradzki

Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

Heute dabei: Der Kranich!

Am Freitag, 2. November, hat sich im Landkreis Landshut ein Naturspektakel der besonderen Art ereignet: Kurz nach 15 Uhr bei Wurmsham, zwischen 16 und 17 Uhr in Landshut und kurze Zeit später in Rottenburg an der Laaber. Große graue Vögel in riesigen Pfeilformationen mit langem Hals, ausgestreckten Beinen und trompetenden Rufen waren dort zu sehen und zu hören.

Um 16.33 Uhr postete Erwin Kirchermeier in der Facebook Gruppe Landshut mehrere Bilder vom Kranichzug direkt über der Stadt Landshut und löste eine regelrechte Kettenreaktion aus. Sofort gab es Meldungen aus Altfraunhofen, Kumhausen, Ergolding, Münchnerau und sogar aus Ebersberg meldete sich eine Person.

Alle stellten sich die Frage: "Warum von Süd nach Nord?".

Es waren mehrere tausend Kraniche, die über unseren Landkreis zogen und etliche Menschen begeisterten. Der LBV Landshut berichtet von bis zu 10 000 Vögeln, einer bei uns noch nie dagewesenen Anzahl an Kranichen im Landkreis. Auch die Tage danach gab es immer wieder Meldungen aus Landshut.

Jährlich ziehen, vor allem über Norddeutschland, bis zu 350 000 Kraniche nach Südwesten. Die drei bedeutendsten Rastplätze liegen in Brandenburg (Havelluch), Mecklenburg-Vorpommern (Zingst und Rügen) sowie Niedersachsen (Diepholzer Moorniederung).

Lange Zeit war der Wappenvogel der Lufthansa als Brutvogel in Bayern ausgestorben. Über hundert Jahre galt eine Brut im Jahr 1890 als Bayerns letzter Nachweis.

Dr. Miriam Hansbauer vom Kranichschutz Deutschland (www.kraniche.de) berichtet, dass der Kranich erst seit wenigen Jahren wieder in Bayern brütet. Das erste Brutpaar nach über hundert Jahren, wurde im großen Moor auf dem US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr festgestellt. Ein besonderes Verhalten am Brutplatz ist der Kranichtanz mit dem sogenannten Prahlmarsch (siehe Foto).

Dr. Hansbauer dokumentiert seit über zehn Jahren alle durchziehenden Kraniche in Bayern. Der Freistaat liegt nicht auf einer der Hauptzugruten im Herbst, von Polen nach Spanien oder von Russland über Ungarn und Italien nach Nordafrika, wird aber zunehmend überflogen.

Warum die Vögel bei uns vermehrt auftauchen, ist nicht genau bekannt. Es wird jedoch unter anderem schlechtes Wetter, wie das derzeitige Tief über dem Mittelmeer, für eine Zugänderung verantwortlich gemacht. Die Vögel weichen aus und fliegen von Ungarn die Donau entlang zu uns und von hier, nördlich der Alpen, nach Westen.

Für die kurzfristige Richtungsänderung nach Norden, von Burghausen nach Siegenburg, war letzte Woche wohl eine Regenfront im Alpenvorland verantwortlich.

An der Donau angekommen flogen sie wieder in westlicher Richtung weiter. Anders als bei Singvögeln wird bei den Kranichen die Zugstrecke nicht genetisch vererbt, so sind sie flexibler und können ihre Richtung ändern.

Für alle Spezialisten: Wer bei überfliegenden Kranichen genau hinhört, kann auch die diesjährigen Jungen heraushören, sie trompeten nicht, sondern pfeifen.

 

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