Wiesn-Essen Bio oder regional? Im Stadtrat geht's um die Wurst

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Wiesn-Chef Josef Schmid würde die Bewertungskriterien für städtische Feste gerne anpassen – und erntet dafür viel Kritik.

München - Die Schweinswürstl? Von echt glücklichen Schweinen. Die Hendl? Natürlich freilaufend. Und der Leberkäse? Den gibt es selbstredend auch in Bio-Qualität.

Auch auf vermeintlichen Fast-Food-Festen wie der Wiesn oder den Münchner Dulten geht es längst nicht mehr nur darum, sich den Magen vollzuschlagen. Die Verbraucher wollen sehr wohl wissen, was sie sich da in den Rachen schieben. Vor allem bei Fleisch wollen immer mehr Konsumenten sichergehen, dass die Viecherl ein gutes Leben hatten, bevor diese den letzten Gang zum Metzger antreten mussten.

Umso verwunderlicher ist ein Manöver, das Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) diese Woche durch den Stadtrat winken will. Der 46-Jährige möchte die Zulassungskriterien für städtische Feste gerne so abändern, dass regionale Erzeugnisse den Bio-Produkten nahezu gleichgestellt sind.

Das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ hat vergangenen Woche deshalb gemeinsam mit anderen Organisationen angefangen, Unterschriften gegen Schmids Anti-Bio-Kampagne zu sammeln. Seit vergangenem Mittwoch haben dabei allein auf dem Tollwood deutlich über tausend Menschen die Protestnote unterzeichnet.

Heute Abend will das Aktionsbündnis die Unterschriften an Schmid übergeben. Mit dabei werden dann unter anderem auch Vertreter von Naturland, Bund Naturschutz und dem Tierärztlichen Forum sein. Sie alle wollen ihrem Ärger Luft machen.

Sollte das keinen Eindruck auf Schmid machen, so wollen sich die Grünen politisch für einen Richtungswechsel einsetzen. Keine Ahnung, was den Wiesn-Chef zu seinem Vorstoß getrieben habe, womöglich der Druck der Oktoberfest-Wirte, sagt Stadträtin Katrin Habenschaden. Eine Abwertung von „Bio“ sei aber ein klarer Schritt rückwärts. „Da sind die Menschen in München schon viel weiter“, so die 38-Jährige.

Bio sei deutlich höherwertig und dafür gar nicht mal so viel teurer als konventionell erzeugte Fleischprodukte, sagt Habenschaden. Ein Bratwurstsemmel koste vielleicht 20 bis 30 Cent mehr, „aber die Münchner sind bereit, das zu bezahlen.“

Am Dienstag wird sich im Rathaus zeigen, ob sich Schmid mit seiner Linie durchsetzt – oder ob die Bio-Fans ihn doch noch zu einem Umdenken bewegen können.

 

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