Werbung oder Parodie!? "Therese Maxvorstadt": Imagefilm sorgt für Lacher

Ein Luxusbau entsteht in der Maxvorstadt - der Imagefilm sorgt im Internet seit Wochen für, sagen wir, Irritationen. Foto: dpa/AZ-Screenshot

Ein Imagefilm soll Wohnungskäufern Lust machen auf ein Luxusbauprojekt in der Maxvorstadt - und könnte genauso gut als Parodie durchgehen: über Gentrifizierung und Dekadenz nämlich.

 

Maxvorstadt - Erst am Donnerstag hat die AZ über explodierende Immobilienpreise in München berichtet. Dass die Preise für Wohnungen und Mieten weiter so stark anziehen, dazu tragen wohl auch einige Neubauprojekte in der Landeshauptstadt bei.

An der Theresienstraße - auf dem alten Arri-Areal - entsteht derzeit ein luxuriöser Neubau namens "Therese Maxvorstadt". Ein Häuserensemble mit 116 Wohnungen mit je ein bis acht Zimmern - je zwischen etwa 30 und 335 Quadratmeter groß. Eine Luxussiedlung des Wohnungsentwicklers Formart GmbH & Co. KG, der dazu einen Imagefilm hat drehen lassen - um das Image der studentisch geprägten Maxvorstadt ein bisschen aufzuwerten, vermutlich.

Film ist Schulbeispiel für Gentrifizierung

Denn wer das Viertel kennt, läuft Gefahr, beim Betrachten des Videos in schallendes Gelächter auszubrechen. Oder geschockt mit offenem Mund vor dem Bildschirm zu sitzen: Das Video zeigt eine Welt, die es so - noch - nicht gibt in der Maxvorstadt. Das Schulbeispiel einer Gentrifizierung sozusagen. Mit fröhlichen, gut gekleideten Menschen, gepflegten Riesenterrassen und Luxusküchen wie aus dem Bilderbuch. Dazu die herrlichsten Läden in der Nachbarschaft, wie das süße, kleine Antiquariat, ein Organic-Smoothieladen um die Ecke, ein hübscher Stoff- und ein Dirndlladen.

Wie glücklich das alles macht, ist an der Bilderbuch-Film-Familie zu bestaunen: Am fönfrisierten Vater vorm Antiquariat, der so selig dreinschaut, als hätte er noch nie ein altes Buch zu Gesicht bekommen. Am Mädchen mit der plakativ in Szene gesetzten Riesenzahnspange, wo doch im üppigen Familienbudget sicher auch die weniger auffällige Variante drin gewesen wäre. Wobei, vielleicht hätte die Mutter sich dann nicht mehr das handgefertigte Designerdirndl leisten können. Wer weiß.

Spott und Hohn in sozialen Netzwerken

Der Imagefilm ist nicht mehr ganz neu. Schon länger machen sich die Münchner über ihn lustig - auch in den sozialen Netzwerken: so schreibt Amelie B. auf Facebook: "Hoffentlich wird die Frau in Minute 1:24 wenigstens von einem saugrantigen Münchner Verkehrpolizisten angehalten für Radlfahren auf dem Gehweg und falscher Straßenseite. Wobei, was sind schon Bußgelder, wenn man sich so eine Wohnung leisten kann."

"Ja, genau so ist das Leben in der Maxvorstadt", spottet Veronika F., und Konrad S. schreibt: "Was kost' der Quadratmeter für die Wohnung mit Dachterrasse? :D Das grenzt wirklich an ungewolltem Humor, wenn ich mir diesen Film ansehe. Dieses junge Pärchen zu Beginn, der Hipster-Schnösel und die Blondine mit ihren zwei Kindern... Mit Anfang 30 hat sicher jede junge Familie ein paar Millionen zur Seite gelegt, um sich so eine Wohnung kaufen zu können. Von den Säufern in Nadelstreifen gegen Ende ganz zu schweigen. Das ist echter Zynismus..."

Die "Säufer in Nadelstreifen", damit sind die Imagefilm-Bewohner eines der acht Penthäuser im "Therese" gemeint. Zu den Dachgeschosswohnungen gehören herrliche, große Terrassen - die beim Betrachter des Films fast automatisch die Frage hochkommen lassen, ob das denn wirklich sein kann und darf, in einer Stadt, in der immer mehr nachverdichtet wird. Aber warum nicht - schließlich müssen Interessenten, die Kontakt zum Verkäufer aufnehmen wollen, ja auch angeben ("Pflichtfeld"), ob ihr Budget über drei oder über vier Millionen Euro beträgt.

Umliegende Geschäfte und Lokale werben für den Luxusbau

Die dargestellte Sonnenschein-Welt, untermalt von jazziger 90er-Jahre-Loungemusik mit einer Sängerin, die wiederholt "Therese, Part of my Life" von sich gibt, existiert in der studentenbelagerten Maxvorstadt so jedenfalls noch nicht. Den Anfang aber bildet möglicherweise das neue Luxusbauprojekt, wenn es denn einmal fertig ist. Die umliegenden Geschäfte und Lokale haben sich jedenfalls schon mal in Position gebracht: 26 Inhaber präsentieren sich auf der Internetseite des Bauprojekts www.therese-maxvorstadt.de fröhlich lachend auf perfekten Werbefotos - darunter auch alteingesessene Wirtschaften wie der Schellingsalon oder der Alte Simpl. Schließlich wollen ja alle was vom Kuchen abhaben. Wenn die Wohlhabenden ihr Geld in die Maxvorstadt tragen.

 

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