Wer zahlt, schafft an! Beck macht den ganzen Marienplatz zur Fußgängerzone

Mitten durch den Christkindlmarkt am Marienplatz fahren aktuell noch Taxis und Radler. Das soll sich ändern. Foto: Petra Schramek

Pflaster bis rüber zum Alten Peter: Rathaus- CSU und -SPD möchten die Dienerstraße sperren und Taxis, Lieferautos, Busse und Räder vom Platz verbannen.

 

München - Freundschaftliche Bande zwischen Geschäftsleuten und Stadtpolitikern sind schon eine feine Sache. Da kann man ganz informell mal Ideen anstoßen – wie diese: Lasst uns doch aus dem Marienplatz eine vollständige Fußgängerzone machen!

Weg mit der Straße, die (beispielsweise) das Traditionskaufhaus Ludwig Beck vom Fischbrunnen direkt am Platz abtrennt. Runter mit den Taxen, der Busspur, den Radlern und dem Rikscha-Parkplatz vom Herzstück Münchens.

Nach AZ-Informationen soll das Kaufhaus vor einigen Wochen mit genau dieser Idee auf die rot-schwarzen Rathauskoalitionäre zugekommen sein. Mit einem der besten Argumente für einen Umbau in der Tasche: einer unterstützenden Geldspritze – für den Fall, dass die Stadt sich zu einer solchen Umgestaltung entschließt.

Am Dienstag nun platzte überraschend die Bombe: CSU und SPD sind sich hinter verschlossener Tür einig geworden und stellen gemeinsam den Antrag „Marienplatz wird komplett zur Fußgängerzone“.

Konkret wollen die Stadträte den Fußgängerbereich im Osten bis rüber zum Alten Peter ausdehnen, die Straße, die den Marienplatz durchschneidet, sperren und Taxis, den 52-er Metrobus und Räder über die Sparkassenstraße und den Viktualienmarkt umleiten.

Auch im Norden soll bis zur Ecke Landschaftstraße/ Altenhofstraße und Dienerstraße die Straße verschwinden und für Fußgänger gepflastert werden. Die Taxler, die aktuell seitlich am Kaufhaus Beck platziert sind, sollen ihren Standplatz künftig nur noch an der Dienerstraße haben (wo auch jetzt schon Taxis stehen).

Drei Monate lang müssen sich nun das städtische Planungs-, Bau- und Kreisverwaltungsreferat mit dem Vorschlag befassen, Kosten ausrechnen (die CSU schätzt vorsichtig auf rund drei Millionen Euro), eine mögliche Gestaltung ausarbeiten und die Details im Frühling dann dem Stadtrat zur Abstimmung vorlegen.

Dass der Antrag dann durchgewinkt wird, ist so gut wie beschlossene Sache. Zwar stören sich die Grünen freilich an der Idee, ausgerechnet die Radler vom Marienplatz auszusperren (Grünen-Stadtrat Herbert Danner: „Eine Schnapsidee“).

SPD und CSU allerdings stellen 50 der 80 Stadtratssitze und werden sich locker durchsetzen. „Die Vergrößerung unserer guten Münchner Stube macht das Herz Münchens weiter“, schwärmt CSU-Bürgermeister Josef Schmid, „und macht die Fußgängerzone für Münchner, Touristen und den Innenstadthandel noch attraktiver.“

Sein Fraktionschef Hans Podiuk hat eher die Verkehrssicherheit im Blick: „Mit dieser Maßnahme sorgen wir auch dafür, dass die Gefahrenstelle durch den Durchgangsverkehr endlich entschärft wird.“

SPD-Kollege Alexander Reissl sieht durch den Umbau den „Dauer-Konflikt zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern am Marienplatz“ gelöst: „Fußgänger werden gemütlich schlendern können, ohne von Autos, Bussen oder Radlern zur Seite gedrängt zu werden. Die lange Debatte über eine Verlegung der Nord-Süd-Verbindung für Radler in die Sparkassenstraße findet so ein Ende.“

Das sagen die Geschäftsleute:

Auch die Münchner Händler bejubeln den neuen Plan: „Wunderbar! Hervorragend! Eine Sensation!“, überschlägt sich Wolfgang Fischer, der Geschäftsführer von CityPartner. „Der Marienplatz ist der zentralste Platz der Stadt, aber leider zerschnitten. Der Stadtratsantrag birgt die einmalige Chance, die gute Stube wiederherzustellen, und das unterstützen wir ausdrücklich.“

Das sagen die Taxler:

„Es kann doch nicht angehen, dass wir in keiner Sichtachse zum Marienplatz stehen“, klagt hingegen der Chef von „Taxi München“, Frank Kuhle: „Hinter der nächsten Kreuzung an der Dienerstraße findet uns doch kein Tourist. Wir müssen am zentralsten Platz Münchens doch bitte zu sehen sein.“

Das sagen die Rikschafahrer:

Auch die Radl-Taxler reagieren verhalten: „Alles was die Zahl der Autos in der City verringert, ist im ersten Moment begrüßenswert“, sagt Joscha Köppl vom Rikscha-Anbieter Pedalhelden. „Aber wenn wir unser Geschäft nicht mehr ausüben können, wird’s problematisch.“

Ein paar Gespräche wird es also noch geben müssen. Läuft danach alles glatt, könnte der neue Marienplatz bis zum nächsten Herbst fertig sein – pünktlich vorm nächsten Weihnachtsgeschäft.

 

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