Wer regiert München? Der neue Stadtrat: Grün-Rot rückt näher

Die Stichwahl findet am 29. März als reine Briefwahl statt. Unterlag bekommt man automatisch zugestellt. Foto: Peter Kneffel/dpa

Nach der Auszählung der Stimmen hat das Bündnis die besten Chancen. Die Anhänger beider Parteien dürften begeistert sein. Doch noch ist nichts sicher.

 

München - Wer regiert künftig München? Bis zum Abend waren (fast) alle Stimmen ausgezählt. Am Dienstag wird weitergezählt. Und es konkretisiert sich, wonach es schon am Sonntagabend ausgesehen hatte: Ein Bündnis aus Grünen und Roten scheint nach der Wahl die wahrscheinlichste Variante zu sein.

Mit dabei wäre wohl auch wieder Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl, der seit vielen Jahren zur Grünen-Fraktion im Rathaus gehört (und es wohl erneut geschafft hat). Das Bündnis hätte 42 von 80 Sitzen im neuen Stadtrat. An der Basis beider Parteien hat eine Renaissance des Traditionsbündnisses (zu Ude-Zeiten allerdings mit der SPD als deutlich stärkerem Partner) nach wie vor sehr viele Anhänger.

Einst sprach man im Rathaus von einem rot-grünen Münchner Lebensgefühl mitten im tiefschwarzen Bayern. Dann, nach der Wahl 2014, der Bruch: Erst verhandelte man noch über ein gemeinsames Dreier-Bündnis, dann machte es die SPD doch alleine mit den Schwarzen. Was viele Grüne auch Dieter Reiter persönlich übelnahmen, für den sie für die Stichwahl gegen CSU-Mann Seppi Schmid noch eine offizielle Wahlempfehlung ausgesprochen hatten.

Stadtratswahl: Was wird aus der Pizza-Connection?

Zuletzt sind Reiters SPD und die Rathaus-Grünen gerade in der Verkehrspolitik wieder näher zusammengerückt, die Spitzen-Leute Dieter Reiter und Katrin Habenschaden kokettieren gerne mit ihrer "Pizza-Connection" und dass sie oft zusammen essen gehen.

Aber würde Katrin Habenschaden nach dem erwarteten Sieg von Dieter Reiter in einer Stichwahl wirklich Zweite Bürgermeisterin? Oder bekommt sie noch einen Widersacher aus den eigenen Reihen, weil ihr persönliches Ergebnis weit hinter den Erwartungen (und dem Parteiwert) zurückgeblieben ist?

Stadtratswahl: Keine Grünen-Vorwürfe an Habenschaden

Die Signale aus der Partei dazu waren am Montag eindeutig: Es gibt keine Revolte gegen Habenschaden! Die Münchner Grünen-Chefin Gülseren Demirel sagte der AZ: "Katrin Habenschaden hat den vollen Rückhalt der Partei. Wir sind natürlich nicht glücklich über das Wahlergebnis, weil es sehr knapp ist." Man werte es aber "absolut nicht als Beschädigung ihrer Person. Sie hat ja gegenüber 2014 sechs Prozent dazugewonnen."

Rathaus-Fraktionschef Florian Roth wies am Montag vehement von sich, eigene Optionen auf den Bürgermeister-Posten zu haben. Daran habe er "keine Sekunde" gedacht. Intern, so heißt es aus der Partei, mache man Habenschaden keine Vorwürfe.

Vor Stichwahl keine Info-Stände und Veranstaltungen

Das Problem seien die anderen gewesen: Söders Corona-Krisenmanagement, das Kristina Frank Stimmen zugetragen habe – und Dieter Reiters Ergrünen in der Verkehrspolitik, das ihm sehr genutzt habe. Wird jetzt sondiert? Noch nicht, heißt es aus allen Parteien. Die CSU will sich vor der OB-Stichwahl – offiziell – noch nicht geschlagen geben.

Immerhin: Es gilt als sicher, dass die Grünen nicht nur mit der SPD das Gespräch suchen werden, sondern auch mit der CSU. Theoretisch ist sogar ein Bündnis aus CSU und Grünen (und eventuell einem weiteren kleinen Partner) gegen Oberbürgermeister Dieter Reiter denkbar.

Öffentlich auf jeden Fall wird die nächsten zwei Wochen bis zur Stichwahl so wenig Wahlkampf wie nie stattfinden, da sind sich alle einig. "Info-Stände, Veranstaltungen wird es natürlich nicht geben", heißt es unisono aus den Parteien. OB Dieter Reiter sagt ohnehin gar nichts mehr zu Wahl und neuen Koalitionsspielchen. Er spricht dieser Tage nur noch über die Corona-Krise.

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