Wer kann sich diese Mieten noch leisten? Nach Leerstand: Die Stadt lässt luxussanieren

Das städtische Haus in der Pilotystraße gegenüber der Staatskanzlei: Im Herbst wurde es symbolisch von Till Hofmann und vielen Promis besetzt. Foto: Bernd Wackerbauer

Das Sozialreferat will Mieten, die über dem Mietspiegel liegen. Jetzt wird das Haus für 2,9 Millionen Euro komplett saniert.

München -  Das städtische Skandalhaus in der Pilotystraße 8 wird jetzt für stolze 2,9 Millionen Euro generalsaniert. Das treibt die Mieten derart in die Höhe, dass sie weit über dem Mietspiegel liegen werden. CSU-Stadtrat Marian Offman geißelt die „absolute Luxussanierung“. Die SPD sucht händeringend Fördergelder, um die Mieten drücken zu können.

Das Haus gehört der städtischen Stiftungsverwaltung und steht seit Jahren weitgehend leer. Im Vordergebäude (640 Quadratmeter) ist nur eine von sechs Wohnungen bewohnt, das Rückgebäude hat ein Atelier und eine Wohnung – auch leer.

Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) stellte gestern im Stadtrat den Antrag, dass sich die Stadt hier nicht nach dem Mietspiegel richtet, weil sonst die notwendige Rendite nicht erzielt werde. Die Regierung von Oberbayern verlange eine Rendite der Stiftung von 3,5 Prozent. Daher müsse „bei der Neuvermietung der sanierten Wohnungen zwingend eine Miete über dem Mietspiegel angesetzt werden“. Meier wörtlich: „Die Rendite muss der Maßstab sein.“

Nach dem Mietspiegel für München sind in diesem Haus nach der Renovierung Preise bis zu 15 Euro je Quadratmeter möglich. Das soll aber nicht reichen, behauptet das Sozialreferat. Das Sozialreferat weiter: „Nach der Sanierung werden die Wohnungen auf der Basis einer Marktmiete angeboten.“ Marktmiete in München – das wird also richtig teuer. Dafür wolle man sich auch an den Angeboten im Internet orientieren. Stadtrat Marian Offman kennt die Summen: „Da werden heute schon 17 und 18 Euro bezahlt.“ Falls das reicht: Es ist eine der besten Lagen in München – in einem repräsentativen Altbau aus dem Jahre 1860 mit modernstem Wohnkomfort und heimeligem Gemeinschaftsgarten.

Ansonsten liest sich das Papier wie die Erklärungen von Investoren, die von der SPD als Abzocker kritisiert werden. „Die erwarteten Erträge orientieren sich grundsätzlich am Münchner Immobilienmarkt.“ Man wolle „auf eine ausgewogene Mieterstruktur und ein Angebot für eine breite Mieterklientel“ achten. Wie das bei den hohen Mieten funktionieren soll? Unklar.

Schon 2002 hat der Stadtrat angeordnet, das Haus zu sanieren. Inzwischen sind im Vorderhaus fünf der sechs Wohnungen teilweise seit Jahren leer. Viele Instanzen machten Pläne und Berechnungen. Als Vorletzter war das Kommunalreferat dran. Das plante eine Schlichtsanierung mit „Altbaucharme“ für 1,4 Millionen Euro. Das sei für eine Rendite zu teuer gewesen.

Aktuell hat die städtische Gewofag den Auftrag, einen Sanierungsplan zu erstellen. Sie kommt auf drei Varianten:

+ Minimalvariante“ für 822<TH>000 Euro – die angeblich nur wenige Jahre hält.

+ Eine „Grundvariante“ für 2,074 Millionen Euro – wo das Notwendige gemacht werde.

+ Oder die Sanierung auf städtischem Niveau – für 2,868 Millionen Euro: Balkonanbau, Aufzug, Dachgeschossausbau, Dachterrasse, Fassadensanierung, Austausch aller Fenster, Dachsanierung mit Wärmedämmung, Sanierung der Sanitär- und Elektroinstallation, Erneuerung der Bäder und WC, Aufarbeitung oder Austausch der Türen, Aufarbeitung der Parkettböden, Erneuerung der übrigen Böden.


„Das ist absurd“, schimpfe Dagmar Henn (Linke). Marian Offman erklärte, dass Private solche Häuser nicht für 2700 Euro je Quadratmeter sanieren, sondern für 800 bis 1500 Euro. „Es kann nicht sein, dass wir Leute mit kleinem Geldbeutel ausgrenzen“, meinte Jutta Koller (Grüne).

SPD-Stadtrat Christian Müller war das sichtlich peinlich. Er beantragte: Die Stadt solle Fördergelder finden, um der Stiftung den Mietausfall zu bezahlen. So solle die Miete „dauerhaft deutlich unter dem Münchner Mietspiegel“ bleiben. Das könnte über das Programm "Wohnen in München V" funktionieren. Till Hofmann, der das Skandalhaus bekannt gemacht hatte, meint nur: „Hanebüchen, das ist ein Offenbarungseid.“ Er meint: "Das geht auch billiger. Ich sehe das an dem Haus, in dem ich selber lebe."

 

3 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading