Wenn's ernst wird So schlägt das Latino-Herz des FC Bayern

Xabi Alonso ist im Ancelotti-System eine Schlüssel-Figur, Thiago repräsentiert die Abteilung Esprit, Kreativität und Leichtigkeit im Bayern-Spiel, Arturo Vidal steht für Körperlichkeit und Aggressivität (von links). Foto: Rauchensteiner/Augenklick

In den entscheidenden Spielen gegen Real Madrid setzt Trainer Carlo Ancelotti auf eine spanischsprachige Achse im Mittelfeld: Routinier Xabi Alonso, Zauberer Thiago und Kämpfer Arturo Vidal und. Für Thomas Müller ist wohl kein Platz.

München - Carlo Ancelotti ist ein konservativer Trainer. Was nicht heißt, der Italiener wäre nicht innovativ. Und schon gar nicht – man denke an einen seiner Vorgänger mit holländischem Sprachidiom und königlicher Selbstüberschätzung – beratungsresistent.

Ancelotti hat klare taktische Prinzipien: Viererkette, zwei Flügelstürmer, ein Mittelstürmer. Ergibt ein 4-3-2-1-System oder die offensivere 4-2-3-1-Variante. Als die Bayern letzten Herbst spielerisch Probleme hatten, sich auf die Ideen ihres neuen Trainers ein- und umzustellen, richtete der die Mannschaft wie zuvor unter Pep Guardiola aus. Etwas mutiger, etwas weiter aufgerückt. Mit einem defensiven Mittelfeldspieler weniger, einem offensiveren mehr.

Damals, Anfang Dezember, meinte man, dass vor allem Thomas Müller von dieser System-Umstellung profitiert, weil der Angreifer nun wieder auf seiner Sahneposition hinter der Spitze Robert Lewandowski die freien Räume und die Lücken zum Tor suchen konnte.

Was wird aus Müller?

Doch dann saß Müller in den wichtigen Partien, beim Statement-Sieg in der Bundesliga gegen RB Leipzig kurz vor Weihnachten sowie in den K.o.-Spielen des DFB-Pokals und der Champions League draußen. Der Weltmeister war überzählig, die Mittelfeld-Zentrale des FC Bayern durch ein Latino-Trio besetzt: Xabi Alonso, Arturo Vidal und Thiago. Vamos! Hier schlägt das Herz des Bayern-Spiels.

Doppeltes Pech für Müller, den Doppel-Torschützen beim 6:0 gegen Augsburg, dass er aktuell wegen einer Knöchelblessur ausfällt. Das Ärzte- und Physioteam des Vereins kämpft darum, dass Müller schon am Samstag gegen Borussia Dortmund (18:30 Uhr), spätestens aber im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen Real Madrid am 12. April wieder zur Verfügung steht.

Als Joker. Denn von Beginn an würde der 27-Jährige trotz steigender Form und Treffsicherheit in den letzten Wochen ohnehin nicht spielen. Lediglich an den Wochenenden, in der Bundesliga. In dem Wettbewerb, den die Bayern praktisch schon gewonnen haben. Dort lässt Ancelotti auch Joshua Kimmich (22) und Renato Sanches (19) im Mittelfeld ran.

Das Latino-Trio darf sich hin und wieder schonen, es wird gegen Real und im Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund (26. April) gebraucht.

XABI ALONSO (35)
Der Meister des Aufbauspiels und der Spielkontrolle ist eine Schlüssel-Figur bei Ancelotti. Der Spanier lässt sich beim Spiel mit Ball in die Viererkette zurückfallen, attackiert gegen den Ball den Spielgestalter des Gegners. Weil Alonso seine Karriere Ende Mai – oder bestenfalls mit dem Champions-League-Finale am 3. Juni – beendet, legt er alles in diese letzten Wochen seiner Laufbahn, ist extra motiviert.

ARTURO VIDAL (29)
Gegen Augsburg wurde der Chilene nach seiner Rückkehr von den WM-Qualifikationsspielen in Südamerika geschont. Ancelotti weiß: Er braucht die Körperlichkeit, die Aggressivität des Achters im Saisonendspurt. Vidal soll der Bayern-Elf die Effenberg-Momente bescheren, den "Jeremies" raushängen lassen, den äußeren Schweinehund. Und wenn nötig, als kopfballstarker Antreiber mit in den Strafraum gehen.

THIAGO (25)
Der Dritte im Bunde der spanischen Bande steht für die Abteilung Esprit, Kreativität und Leichtigkeit. Thiago spielt ohne seinen Ziehvater Guardiola sein bestes, weil konstantestes Jahr bei Bayern. Der Mastermind des Angriffsspiels war an 14 Toren direkt beteiligt – auf diese Anzahl kam er in den vergangenen beiden Spielzeiten zusammen. Sein Spiel verzückt (die Fans) und macht verrückt (die Gegner). Führt dieses Trio die Bayern 2017 zum Triple?

Lesen Sie hier: FC Bayern an Niederländer Karsdorp dran

 

1 Kommentar