Wenn guter Rat recht teuer wird "Münchner Runde": BR verschleudert 170.000 Euro für Gutachten

Das BR-Funkhaus in München. Foto: dpa

Der BR verplempert laut "Handelsblatt" 170.000 Euro beim Relaunch der "Münchner Runde" für externe Berater.

 

München - Alle Sparpotenziale seien erschöpft, so ein Mantra des BR-Intendanten Ulrich Wilhelm. Und wer mit Mitarbeitern des Senders spricht, hört regelmäßig lautes Ächzen, weil – angeblich – jeder Cent dreimal umgedreht werden muss, bevor er ausgegeben werden darf.

Anscheinend aber gibt es vor allem beim BR-Fernsehen noch immer geschützte Räume, wo Geld nur eine sehr geringe Rolle spielt. Hans-Peter Siebenhaar, der stets gut informierte "Medien-Kommissar" des "Handelsblatts" berichtet, der Bayerische Rundfunk habe zwei Beratern 170.000 Euro gezahlt, obwohl sie kein erstzunehmendes Konzept für einen Relaunch der "Münchner Runde" zustande gebracht hätten.

BR bestätigt Berater-Engagement

Rat suchte der Sender beim bayerischen Regisseur Rolf Sturm ("Verstehen Sie Spaß?", "Die Harald Schmidt Show") und dem früheren ORF-Programmentwickler und Ex-Chefredakteur des österreichischen Privatsenders Servus TV, Robert Altenburger, der heute die Firma Altenburger Media Consulting leitet.

Der BR bestätigte der in Düsseldorf erscheinenden Wirtschafts- und Finanzzeitung das Engagement der externen Berater, wollte aber den Betrag im Hinblick auf die Vertraulichkeit von Verträgen nicht bestätigten. Das deutsch-österreichische Duo sei überdies nicht mehr für den Sender tätig, hieß es. Es habe sich "nach vollbrachter Beratungsleistung keine Notwendigkeit für einen Folgeauftrag" ergeben.

Fünf Woche für ein Muster-Dossier?

Sturm und Altenburger hätten laut "Handelsblatt" zwar regelmäßig an Sitzungen teilgenommen und viel versprochen, aber letzten Endes kein Konzept für eine umfassende Neukonzeption der "Münchner Runde" geliefert. Sturm wollte angeblich ein Dossier von "Maischberger" besorgen. Diese Handakte für den Moderator konnte aber nicht beigebracht werden. Deshalb habe Sturm am Ende ein Musterdossier selbst geschrieben. Allerdings hätte Chefredakteur Christian Nitsche fünf Wochen darauf warten müssen.

In der "Münchner Runde" diskutieren abwechselnd die Moderatorin Ursula Heller und BR-Chefredakteur Nitsche mit Verantwortlichen, Experten und Betroffenen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über aktuelle Themen. Die Sendung beendet am Mittwoch ihre Sommerpause – dem Vernehmen nach soll es um die bis dahin längst totgetalkte Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg gehen.

"Münchner Runde": Reformbedarf ist da

Der Reformbedarf bei der "Münchner Runde" scheint unbestreitbar. Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei 73 Jahren, der Marktanteil bei sechs Prozent. Die Sendung soll nicht nur ein neues Design erhalten, sondern auch durch Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verjüngt werden. Damit will der BR den Marktanteil auf zehn Prozent steigern.

Braucht man für solche auf der Straße liegenden Ideen wirklich externe Berater? Und man langt sich auch ans Hirn, wenn es stimmt, dass die Berater konspirativ interne Papiere einer anderen ARD-Talksendung beschaffen wollten. Womöglich wäre es besser, im Fall der "Münchner Runde" auf den hauseigenen Intendanten zu hören, der vor einiger Zeit die Talk-Flut in der ARD beklagte. Aber eine solche Kritik gilt nie für Sendungen, in denen der BR-Chefredakteur CSU-Politiker hart, aber schonend befragt.

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