Wegen islamfeindlichem Parteiprogramm Zentralrat der Muslime vergleicht AfD mit der NSDAP

Die AfD will sich die in manchen Bevölkerungsschichten derzeit herrschende Anti-Islam-Stimmung zunutze machen. Foto: dpa

Die Alternative für Deutschland will sich in wenigen Tagen ein Parteiprogramm geben, das insbesondere den Islam ins Visier nimmt. So sollen Verbote von Minaretten, Muezzin-Rufen und Vollverschleierung zentrale Punkte der Partei-Marschrichtung werden. Beim Zentralrat der Muslime ruft das scharfe Kritik hervor.

Berlin – Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat Politikern der rechtspopulistischen AfD widersprochen und die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie betont. "Der Islam beinhaltet die Grundprinzipien des Christen- und des Judentums und ist mit dem Grundgesetz genauso vereinbar wie diese Religionen", sagte Nurhan Soykan, Sprecherin des Zentralrats in Köln am Sonntag.

Sie reagierte damit auf Äußerungen führender AfD-Politiker, die den Islam als unvereinbar mit einer freiheitlichen Grundordnung bezeichnet hatten. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagte AfD-Vize Beatrix von Storch der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland bezeichneten den Islam als "Fremdkörper" in Deutschland.

Soykan hielt dem entgegen, der Islam schreibe keine bestimmte Staatsform vor. "Die Demokratie ist islamkonform", betonte sie. Die AfD betreibe nichts anderes als Populismus, um die Gesellschaft zu spalten. "Die Muslime in Deutschland haben den Radikalen bisher gut die Stirn geboten und werden dies auch weiterhin tun - genauso, wie sie der AfD die Stirn bieten werden", sagte die Sprecherin.

"Zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei, die eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert"

Um dem islamfeindlichen Kurs der rechtspopulistischen AfD entgegenzusteuern, fordert der Zentralrat der Muslime in Deutschland in erster Linie Aufklärung. "Und die Aufklärung bedeutet zum Beispiel, dass es zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei gibt, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Montag auf NDR Info. Ziel der AfD sei es, eine Republik ohne freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schaffen. Dazu werde der Islam missbraucht. Mazyek bezeichnete die AfD als "nicht grundgesetzkonform".

 

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