Was sie machen Nichts Überkandideltes

Nur echt mit Schnauzer: Mike Werner an seiner kleinen Tasting-Bar im Lampen-Laden. Foto: Gregor Feindt

Jeden Freitag erzählen hier interessante Menschen aus der Stadt, was sie vorhaben: Heute ist das Mike Werner von „Der Lampenschirm”, der für Whiskey-Liebhaber ein echter Geheimtipp ist

München - Selbstständig besteht aus zwei Wörtern – selbst und ständig. Viel Freizeit habe ich nicht, auch nicht am Wochenende: „Der Lampenschirm” ist auch samstags geöffnet. Da fertige, repariere und verkaufe ich Lampen aller Art auf zwei Stockwerken – und seit eineinhalb Jahren verkaufe ich noch Whiskey, das hat sich so entwickelt. An der Bar verkaufe ich aber nicht nur, manchmal veranstalte ich auch Tastings. Ich bin leidenschaftlicher Bourbon-Trinker und habe für mich immer schon bei meinen USA-Urlauben eingekauft. Jetzt verkaufe ich auch. Raritäten. Sogar auf der „Finest Spirits”-Messe hatte ich einen Stand.

Ich bin USA-Liebhaber, nicht unbedingt wegen den Leuten, aber das Land ist so schön – ich fahre jedes Jahr hin. Für mich ist das der Ausgleich zur Arbeit, sechs bis acht Wochen am Stück fahre ich dann durch Texas.

In München bin ich mit einem Cadillac unterwegs, der ist 6,80 Meter lang. Ein Zweisitzer wäre nichts für mich, ich fahre eher Panzer. Ich will keinen Schuhlöffel brauchen, um ins Auto einzusteigen. Und auf der Mittelkonsole muss Platz für eine Flasche Whiskey sein, sage ich gern. Seit ich Amerika lieben gelernt habe, esse ich hier nur noch selten Steak – in Dallas gibt es Steaks, die muss man nicht schneiden. Da zieht man einfach das Messer durch.

In München esse ich dafür gern einfache, gute Küche, nichts Überkandideltes. Um acht fange ich im Geschäft an zu arbeiten, auch am Samstag. Da ist noch nichts los und ich kann Bürokram erledigen. Um halb drei mache ich Mittag und gehe rüber ins Paulaner. Da habe ich meine bodenständige Ruhe, lese die Zeitung und bekomme was Anständiges zu essen: Fünf-Gänge-Menü und Schi-Schi brauche ich nicht, ich mag’s gutbürgerlich. Vom Wiener Schnitzel angefangen bis zu Schinkennudeln, nichts Großartiges.

Danach geht’s rüber ins Segafredo im Tal, Ecke Sparkassenstraße, da kennt man mich schon. Nur im absoluten Hochsommer sitze ich draußen, drinnen ist es ruhiger. Ich trinke Espresso, manchmal bringe ich mir noch einen Absacker aus dem Laden mit.

Der große Fortgeher bin ich nicht mehr. Wenn man den ganzen Tag mit Leuten zu tun hat und so viele kennt, mag man manchmal einfach seine Ruhe haben. Ich mag gemütliche Bars ohne laute Musik, da gehe ich hin und trinke mit meiner Frau ein gepflegtes Glas Whiskey. In der Julep’s New York Bar in der Breisacher Straße bin ich dann manchmal, auch die Bar vom Hotel Lux hier in der Ledererstraße ist gut sortiert, genau wie die B-Bar in der Geyerstraße. Die Goldene Bar im Haus der Kunst ist auch sehr schön, wenn auch schon fast ein bisserl zu überkandidelt für mich. Der Barrom in der Milchstraße ist die perfekte Bar: Winzig klein, deswegen kriegt man da nur schwer einen Platz. Aber Emanuele, der Barkeeper, zelebriert die Drinks wirklich.


Manchmal gehen wir auch essen, abends. Gleich bei meinem Geschäft im Tal ist das L’Atelier in der Westenriederstraße. Das ist zwar ein bisschen schicker, aber mit feiner französischer Küche, und einen guten Bordeaux kann man da trinken. Meistens gehen wir aber italienisch essen, wir wohnen in Michaeliburg: Da gibt’s in der Bajuwarenstraße das La Villetta, einen gemütlichen Italiener.

Wer mich dann am Sonntag vor halb zwei, zwei stört...Das traut sich keiner, das ist mein Ausschlaftag! Ganz gemütlich bis in den Nachmittag frühstücken, wenn das Wetter schön ist, im Garten sitzen und Kaffee trinken. Später Bourbon. Und vielleicht den USA-Urlaub planen.

 

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