Wandern, Kultur oder Biergarten Sommerferien: Ausflugstipps in und um München

Wandern ist nur eine von vielen Ausflugsmöglichkeiten an diesem Wochenende. Foto: imago images / Geisser

Soll es in eine Klamm gehen, zur längsten Burganlage der Welt oder doch lieber ins Museum? Egal, wie Sie Ihren Samstag und Sonntag verbringen möchten, hier ist bestimmt etwas dabei.

 

München - Urlaub daheim lautet für viele Münchner heuer die Devise und so werden auch die Ferien von einigen in diesem Jahr nicht am Gardasee, sondern in Gern verbracht.

In Bayern sind aktuell Sommerferien, die AZ schickt sie deshalb vor die Türe – aber unterschiedlich weit weg. Egal, ob Sie in München spazieren gehen oder ins Museum wollen, im Umland Domberge erklimmen oder vielleicht sogar einen Trip ins Allgäu wagen, wir hoffen, dass im Folgenden Inspirierendes für Sie dabei ist.

Wegen Corona empfiehlt es sich, früh aufzubrechen und in manchen Fällen auch zu reservieren. Außerdem sollten Sie ihren Mund-Nasenschutz in die Tasche packen, er ist bei vielen Ausflugszielen vorgeschrieben.

Freising: Domberg und Weihenstephan - Geschichte, Kultur, Kulinarisches und Botanik

Berg-Erlebnis nördlich von München? In Freising geht das. Drei Anhöhen prägen die Stadt, und zwei davon seien hier empfohlen: der Domberg ("Lehrberg") und Weihenstephan ("Nährberg"). Los geht’s oben am Dom. Schon 715 stand hier eine Herzogsburg der Agilolfinger, was ihn zum ältesten Kraftort Oberbayerns macht. Esoterisch wird’s trotzdem nicht, keine Sorge, dafür sorgen schon die vielen Baustellen hier droben (das Erzbistum saniert für über 200 Millionen).

Und auch wenn Dom-Bibliothek oder Diözesanmuseum gerade zu sind – der romanische Mariendom mit seinem prächtigen Barock-Schmuck, der schummrigen Krypta und die beiden gotischen Kirchen St. Johannes und St. Benediktus stehen offen und sind echt sehenswert. Ebenso wie der Kreuzgang mit den uralten Grabmälern der Fürstbischöfe. Und kulinarisch sorgt derzeit ein "Food-Truck" vor dem Dom für Stärkung (11.30 bis 19 Uhr).

Weiter geht’s nach Weihenstephan, wo hinter dem Brauerei-Hofgarten (sehenswerter Baumbestand, Stauden- und saisonale Rabatten), Parterregarten (Schnitthecken und Ziergräser) sowie Oberdieckgarten (Rosen, Azaleen, Hortensien) frei zugänglich sind. Ebenso frei ist der Blick Richtung München. Danach noch ins Bräustüberl auf einen Obatzdn, der hier in den 20ern erfunden wurde.

Thomas Müller

Flugwerft Schleißheim: Die Welt der Düsen und Propeller

Ein Besuch in der Flugwerft Schleißheim, einer Zweigstelle des Deutschen Museums, ist immer auch eine kleine Landpartie. Grün ist’s hier und gleich abseits der Hauptstraße sogar erstaunlich still.

Im Museum kann man sich (maskiert und artig der Corona-Einbahnstraße folgend) durch 100 Jahre Fluggeschichte schauen: Gleitschirme, Segelflieger, zivile und militärische Flugzeuge mit Propeller oder Düsentriebwerk und ein paar beeindruckende Raketenteile.

Bei gutem Wetter: auf dem Rückweg einen Schlenker zum Schloss Schleißheim mit seinem prächtigen Garten machen – vielleicht mit Picknickkorb?

Philipp Seidel

9-17 Uhr, Eintritt 7 Euro, Familienkarte 15 Euro, S-Bahn Oberschleißheim, dann 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Bus 292 oder 295 (Haltestelle Mittenheimerstraße). Karten vorab online buchen, Gesichtsmaske nicht vergessen

Breitachklamm: Eine Wanderung für jedes Wetter

Der etwas längere Anfahrtsweg lohnt sich hier wirklich: Denn die Breitachklamm bei Oberstdorf bietet ein Naturspektakel, das man so selten zu sehen bekommt. Und: die Tour geht bei Hitze und Regen gleichermaßen!

Der Weg durch die Klamm beginnt erst verwunschen, der klare Fluss wird gesäumt von hohen, alten Bäumen. Je höher man steigt, desto enger werden die Felsen, bis man schließlich von meterhohen Wänden umgeben ist. Einfach beeindruckend, wie sich das Wasser den Weg durch das Gestein gegraben hat!

Wegen Corona gilt in der Klamm eine Einbahnregelung, man muss also beim Parkplatz in Tiefenbach starten. Wer nach der Klamm gleich wieder auf dem kleinen Rundwanderweg zurück geht, ist 45 Minuten unterwegs.

Wer sich noch die Blumenpracht des Allgäus ansehen will, folgt nach der Klamm dem Pfad in Richtung Kleinwalsertal, Müllers Alpe und hängt an das Klammvergnügen noch ein paar Panoramaausblicke (aber nur wenige Höhenmeter) an seinen Ausflug dran. An der Müllers Alpe kann man einkehren (Maske nicht vergessen) und den Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Allgäuer Alpen genießen. Der Rundweg dauert 2:45 Stunden.

Anfahrt über die A96 bis Buchlohe, dann B12 bis Kempten, anschließend B19 nach Oberstdorf (dauert gute zwei Stunden), Parken an der Klamm 3 Euro (Tag), Eintritt 5 Euro, Kinder (bis einschließlich 15 Jahren) 2 Euro, 9 bis 17 Uhr (letzter Einlass). Im Kassenbereich und den Toilettenräumen gilt wegen Corona Maskenpflicht.

Gut Aiderbichl und die Osterseen: Schwein, Esel und Kamel

Etwa 45 Minuten dauert die Fahrt von München mit dem Auto zum Gut Aiderbichl in Iffeldorf. Der Gnadenhof beherbergt mehr als 300 gerettete Tiere, die teilweise sogar frei auf dem Hof herumspazieren. Das ist gerade für Kinder ein Erlebnis. Corona-bedingt hat das Katzenhaus zwar nicht geöffnet, bei schönem Wetter treiben sich die Samtpfoten aber eh in ihrer Außenvoliere herum. Neben der Kameldame Franziska sind auch Esel, Schweine und Rinder sicherlich im Freien zu finden. Wer dann noch eine Runde am See entlang spazieren möchte, erreicht das idyllische Ufer der Osterseen zu Fuß in nur fünf Minuten.

Patrizia Anderl

Öffnungszeiten 9 – 18 Uhr, Osterseehof 1, 82393 Iffeldorf

Freiluftmuseum Glenleiten: Karge Stuben, tolle Aussicht, interessante Einblicke

Von 1508 stammt der älteste Hof. 64 historische Bauernhöfe, Mühlen, Hirtenhäuser und Backhäuser aus Oberbayern sind an die Glenleiten nahe Murnau versetzt worden. Stein für Stein wurden sie hier wieder aufgebaut.

Das Freiluftmuseum eröffnet einen Traumblick auf den Kochelsee. Bergauf und bergab geht es im Gelände, feste Schuhe sind dafür praktisch.

Zu einer Zeitreise in das Arbeiten und Wirtschaften im 18., 19. und noch im 20. Jahrhundert laden die Handwerkeranwesen, ein, wie Sägewerk und Schmiede. Die Bauern backten ihr Brot damals im eigenen Holzofen. War es sehr kalt, übernachteten die Hühner in der Wohnstube unter der Sitzbank. Kinder fühlen sich hier, wie in die dörfliche Welt eines "Michel aus Lönneberga" von Astrid Lindgren gebeamt.

Erwachsene bewundern die Formen früherer Dachziegel, die Langlebigkeit traditioneller Holz-Baukultur und die bäuerlichen Kräutergärten. In den kargen Stuben und Küchen der Bauernhäuser wird auch etwas von der Härte des vorindustriellen Landlebens spürbar.

Häusliche Gewohnheiten aus alter Zeit, wie das Butterstampfen und Korbflechten werden in Glenleiten bei Handwerksvorführungen gezeigt, die wegen Corona im Moment jedoch seltener sind (an diesem Wochenende finden leider keine solchen statt).

Beispiele für die Viehwirtschaft auf den Höfen sind Landgänse und Bergschafe. Kaltblutpferde und Werdenfelser Rinder grasen auf der Weide. Neu im Freilichtmuseum sind zwei fast ausgestorbenen Haustierrassen: "Augsburger Hühner", deren tiefschwarzes Gefieder grünlich glänzt und schwarze Alpenschweine, die bis vor 120 Jahren auf den Höfen üblich waren.

Noch bis Sonntag ist übrigens die Sonderausstellung "Die neue Zeit" in Glenleiten zu sehen. Sie dokumentiert, wie die revolutionären "Goldenen Zwanziger" die Landfrauen in Oberbayern veränderten: Die Rocksäume gehen hoch zum Knie. Geschickt werden lange Haare so frisiert, dass sie kurz aussehen.

Ein halber Tag reicht kaum für das weitläufige Draußen-Museum. Großer Pluspunkt für die Gäste: Auf dem Areal ist Picknick erlaubt. Hunde sind willkommen – und der Parkplatz kostet nichts.

Das Bauernhofmuseum ist für Familien selbst bei schlechtem Wetter eine Alternative. Ein Besucher schwärmt im Netz: "Schöner kann Bayern nicht sein."

Eva von Steinburg

Das Freilichtmuseum Glenleiten liegt 50 Kilometer von München An der Glenleiten, 42439 Großweil), freilichtmuseum@glenleiten.de. Familienkarte: 14 Euro. Der reguläre Eintritt kostet 7, ermäßigt 4 Euro. Kinder bis sechs Jahre sind frei. Sieben bis 15-Jährige: 2 Euro. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr.

Altötting und Burghausen: Religion und Geschichte

An Pfingsten pilgern viele Bayern nach Altötting. Nun sind die Feiertage schon ein paar Tage vorbei, ein Ausflug in den Wallfahrtsort (Anfahrt circa eine Stunde über die A94) lohnt sich trotzdem.

Sehenswert, auch für Nichtgläubige: die Basilika St. Anna, die größte im 20. Jahrhundert erbaute Kirche Deutschlands, die Stiftspfarrkirche mit dem "Doad vo Eding" und natürlich die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna und den vielen Votivtafeln im Umlauf (Wartezeit einplanen!) sowie das monumentale Jerusalem-Panorama, alles zentral in der Nähe des schmucken Kapellplatzes.

Wer dann noch Zeit übrig hat, kann einen Abstecher ins 15 Kilometer entfernte Burghausen machen: Dort gibt es einen kleinen, aber feinen Stadtplatz und, über der Altstadt, die längste Burganlage der Welt (1.051 Meter) zu sehen.

Ein schöner Tag voll Kultur, Religion und Geschichte!

Simon Stuhlfelner

Stadtmuseum: Stadtgeschichte erkunden

Ob man sich dieser Tage unbedingt die Ausstellung "München in Zeiten von Corona" im Stadtmuseum anschauen mag, sei dahingestellt. Die Fotos von Olaf Otto Becker der leeren Stadt und der leergeräumten Schaufenster sind mir zeitlich zu nahe, um sie mir interessiert im Museum anzuschauen.

Ich treibe mich lieber bei den alten München-Fotografien herum oder in der Puppentheater-Sammlung. Allerdings haben die Dauerstellungen derzeit geschlossen. Zeit, sich mal was Neues anzuschauen: In einer Sonderausstellung geht es um Schuhe. Nicht nur historische Rokoko-Schuhe oder Designerlatschen, sondern auch die Bedeutung der Fußbekleidung für die Gender-Thematik: Die schlägt den Bogen von der knabenhaften Frau in Budapestern zur damenhaften Drag Queen in High Heels.

Ich liebe es dort herumzuschlendern und habe da schon vor Corona manchmal nur Marionetten und keine Menschen getroffen.

Jasmin Menrad

St.-Jakobs-Platz 1, Di bis - So, 10 -18 Uhr.

Nordteil des Englischen Gartens: Wunderlandschaft: Von der Hirschau zum Aumeister

Eisbachwiese? Monopteros? Kleinhesseloher See? Na klar ist es da schön, immer wieder. Aber an einem Samstag, der Sonne und 26 Grad verspricht, findet Beschaulichkeit im Englischen Garten woanders statt. Nicht hier, im turbulenten Südteil. Sondern oberhalb vom Seehaus, im Nordteil.

Der beginnt jenseits des Isarrings. Wer zu Fuß vom Süden dorthin möchte, überquert die Brücke am Kleinhesseloher See (dort gibt’s Parkplätze; öffentlich kann man z.B. mit dem 59er Bus/Osterwaldstraße kommen).

Hinterm Biergarten Hirschau beginnt sie, die Wunderlandschaft, in die sich nur wenige Münchner verirren: mit weiten, ungemähten Wiesen (Picknickdecke mitnehmen!), Bauminseln, die Schatten spenden, geschwungenen Pfaden am Schwabinger- oder am Oberjägermeisterbach entlang und immer wieder kleinen Brückchen, die man überqueren kann. Auf halber Strecke gen Norden stößt man, wenn man isarnah spaziert, aufs Oberföhringer Wehr, das einen Sensationsblick auf die Isar freigibt. Man kann sich am Schwammerlweiher niederlassen oder weiter nördlich am Libellenteich und am Entenfallweiher. Und sich am Ende beim Aumeister einen Obatzdn gönnen. Maske mitnehmen, wenn man im Biergarten einkehren will. Die Tische sind locker auseinandergerückt, die Atmosphäre maximal entspannt. Wunderbar.

Irene Kleber

Aumeister im Englischen Garten, Sondermeierstraße 1. Aktuell gibt es nur einen Eingang (dort registriert man sich mit den Kontaktdaten). Mo-Fr 11.30–22 Uhr, Sa-So 11-22, Küche bis 21.15 Uhr.

Trampolinpark: Freudensprünge

Wer nach der ganzen Corona-Lethargie mal wieder einen ordentlichen Dopamin-Schub braucht, dem sei der Airhop Trampolinpark in Freimann ans Herz gelegt. In einer riesigen Halle kann hier auf die unterschiedlichsten Arten gehüpft werden – auf der großen Fläche mit vielen Trampolinen nebeneinander, beim Spring-Basketball, mehr oder weniger elegant in die Schaumstoffgrube oder, für die Ehrgeizigen, durch den Parcours und über einen rotierenden Schaumstoffbalken.

Für Kinder ist der Park ein riesiger Abenteuerspielplatz, aber auch als Erwachsener kann man sich dem Gefühl, für einen kurzen Moment schwerelos zu sein, kaum entziehen, und neben dem ganzen Heidenspaß ersetzt die Springerei mindestens einen Besuch im Fitnessstudio. Wer nicht mehr kann – die Puste geht tatsächlich schneller aus, als man denkt – kann Pause machen im Café auf der Galerie oder sich einfach auf eine der Bänke setzen und den Sportskanonen zuschauen, die auf dem Trampolin spektakuläre Salti üben. Lange hält es einen im Sitzen hier aber ohnehin nicht.

Lisa Marie Albrecht

Airhop München, Ingolstädter Straße 172, Mo-Fr 14-20 Uhr, Sa-So, Ferien und Feiertage 10-20 Uhr; Anfahrt öffentlich mit U2 Harthof, dann mit dem Bus (Linien 141, 170, 294, 295) weiter bis Anton-Will-Straße. Eine Standard-Sprung-Session (60 Minuten, ab 5 Jahre) kostet regulär 12 Euro, in den Ferien 14 Euro, es gibt Vergünstigungen für Familien. Zudem braucht man spezielle Socken, die einmalig 3 Euro kosten und beim nächsten Besuch mitgebracht werden können. Wegen der Corona-Pandemie gibt es begrenzte Kapazitäten, daher sollte vorher gebucht werden, online: www.airhop-muenchen.de oder unter Tel: 70809907

Gulbransson Museum Kultur- und Biergenuss

Da sich der Juni wettertechnisch momentan ein wenig launenhaft zeigt, sollte man möglichst flexibel sein bei der Freizeitplanung.

Also was liegt näher, als einen Museumsbesuch mit einem schönen Ausflug ins Oberland zu verbinden. Das Gulbranssonmuseum in Tegernsee hat nach der Corona-Pause endlich wieder geöffnet. Zu sehen gibt es noch bis zum 8. November die Sonderausstellung "Reflexionen". Karikaturen und Zeichnungen von Pepsch Gottscheber.

Besucherinnen und Besucher werden gebeten, mit einem Mundschutz in das Museum zu kommen und diesen während des gesamten Besuches zu tragen. Im Übrigen gelten die üblichen Abstands- und Infektionsschutzregeln. Aber das kennt man ja schon.

Führungen gibt es momentan leider nicht. Aber auch so macht ein Besuch der Ausstellung Laune.

Wenn man seinen Kultur-Speicher aufgefüllt hat, kann man bei einem Spaziergang am Tegernsee frische Luft tanken. Der Weg bis zum Bräustüberl ist nicht mehr weit. Trotz Corona ist im Brauhaus eine Menge los, aber einen Platz findet man eigentlich immer.

Wer den leidgeprüften Öffentlichen Nahverkehr unterstützen will, fährt mit der Oberlandbahn vom Hauptbahnhof bis nach Tegernsee.

Von dort aus geht es immer bergab bis zum Museum. Dauert kaum mehr als 15 Minuten.

Wer dagegen mit dem Auto fährt, nimmt die Salzburger Autobahn, Ausfahrt Holzkirchen und weiter auf der B 318 bis Tegernsee.

Parkplätze sind bei schönem Wetter in Tegernsee rar. Am Museum gibt es aber einen eigenen Parkplatz.

Ralph Hub

Kurgarten 5, 83684 Tegernsee, Öffnungszeiten: Di bis So: 10 - 17 Uhr. 7 Euro regulärer Eintritt (6 Euro erm., Gruppe ab 10 Personen). 3,50 Euro Tegernsee-Card. Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

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