Wachsende Plage in München Bußgeld-Beschluss: Taubenfüttern wird teurer als Falschparken

, aktualisiert am 13.03.2018 - 06:51 Uhr
Wie viele Tauben es in München gibt, ist nicht klar. Fest steht: es sind zu viele. Foto: dpa/AZ-Montage

Um der Plage der vielen Tauben in München Herr zu werden, will der Stadtrat ein allgemeines Fütterungsverbot verhängen. Wer trotzdem Brotkrumen verstreut, dem droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro.

 

München - Wenn man ehrlich ist, müsste man die Taube eigentlich zum Münchner Wappenvogel erheben, so viele, wie es in der Stadt davon gibt. Am Marienplatz, am Stachus, am Hauptbahnhof – überall gurrt es vielstimmig vor sich hin.

Der Stadt wird es nun aber langsam zu viel mit den Tauben. Offizielle Schätzungen, wie viele Tiere in München leben, gibt es zwar nicht. Stellenweise seien es aber viel zu viele, heißt es aus dem städtischen Umweltreferat. Es sei an der Zeit, gegen die Plage etwas zu unternehmen.

Der Stadtrat will am Dienstag deshalb ein allgemeines Taubenfütterungsverbot erlassen. Eine solche Verordnung gab es in München schon einmal. Nach 20 Jahren Geltungsdauer ist diese allerdings am 31. Oktober 2016 ausgelaufen.

Taubenfüttern – ein Münchner Problem mit Tradition, wie diese ältere Aufnahme aus dem AZ-Archiv zeigt.
Taubenfüttern – ein Münchner Problem mit Tradition, wie diese ältere Aufnahme aus dem AZ-Archiv zeigt.

Im Rathaus ist man sich weitgehend einig, dass es ein solches Verbot wieder braucht. "Es ist allerhöchste Zeit, dass dieser Beschluss nun gefasst wird", sagt etwa CSU-Stadtrat Richard Quaas.

Das leidige Taubengefüttere habe jüngst wieder stark zugenommen. Am Max-Joseph-Platz, im Alten Hof – überall in der Altstadt hätten sich in der Folge die Vögel häuslich niedergelassen, so Quaas. "Wir müssen schauen, dass wir die Zahl wieder auf ein vernünftiges Maß zurückführen."

Wer wiederholt Tauben füttert, wird künftig zur Kasse gebeten

Helfen soll dabei das Fütterungsverbot. Wie Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteifrei) erklärt, wird es dabei freilich nicht um das gelegentliche Zuwerfen von Brotkrumen gehen. Die Behörden wollen vielmehr das regelmäßige Füttern mit größeren Mengen unterbinden.

Das Verbot durchsetzen sollen unter anderem die Stadtschandis, die demnächst in der Innenstadt auf Patrouille gehen sollen. Es wird künftig aber auch wieder die Möglichkeit geben, Verstöße gegen das Fütterungsverbot beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) anzuzeigen.

Als die alte Verbotsverordnung noch in Kraft war, gingen bei der Bußgeldstelle des KVR jedes Jahr etwa 50 bis 70 Anzeigen ein. Wer wiederholt erwischt wird, muss künftig wieder mit einer Geldstrafe rechnen. Üblich sind dabei Sätze zwischen 35 und 1.000 Euro – Taubenfüttern ist in München also deutlich teurer als Falschparken.

Bei der Stadt sieht man sich zu diesem harten Einschreiten gezwungen. Tauben verursachten durch ihren Kot vielerorts hygienische Probleme, sagt SPD-Stadträtin Bettina Messinger. Zudem richteten sie Schäden an Gebäuden an. Bei denkmalgeschützten Häusern müssten vorsorglich oft Netze gespannt werden. Das sei wahrlich nicht hübsch. Deshalb sei die Verlängerung des Fütterungsverbots "sinnvoll und notwendig", so Messinger.

Umweltreferentin Jacobs befürchtet, dass sich notorische Taubenfütterer durch das Verbot provoziert fühlen könnten. Die Stadt will deshalb noch weitere Maßnahmen ergreifen. An Orten, an denen besonders oft Brotreste verstreut werden, sollen Plakate und Schilder aufgestellt werden, die erklären, warum das Füttern auch für die Tiere selbst eigentlich schädlich ist.

Durch das Füttern werden die Tauben träge – und auch krank

Tauben ernähren sich im Wesentlichen von Samen. Laut Veterinäramt finden die Vögel in München auf den Wiesen und Grünflächen davon reichlich. Als Nachfahre der Felsentaube seien die Stadttauben zudem auch sehr gute Flieger. Die könnten auf der Suche nach Futter auch ordentlich Strecke machen. Werden sie aber gefüttert, werden die Tiere faul, träge – und dadurch letztlich auch krank.

Durch das Füttern entsteht auch eine Überpopulation. Denn die Zeit, die sich die Tiere bei der Futtersuche sparen, nutzen sie zur Fortpflanzung. Genau diese unkontrollierte Vermehrung will die Stadt aber verhindern. Es wäre deshalb auch sinnvoll, findet SPD-Stadträtin Messinger, weitere Taubenhäuser zu bauen. Denn dort kann man den Vögeln zur Bestandskontrolle auch einfach mal ein Gipsei unterjubeln. Das kann man ausbrüten, so lange man will, es wird nie ein neues Problem daraus schlüpfen.

 

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