Vorwürfe in "Leaving Neverland" Nach Doku: Was wird aus dem Michael-Jackson-Denkmal in München?

Die einzige Michael-Jackson-Gedenkstätte in Deutschland befindet sich in München. Foto: Sina Schuldt/dpa

Nach dem Film "Leaving Neverland" stellt sich die Frage, ob man Michael Jackson weiterhin eine Gedenkstätte in München widmen soll.

 

München - Es ist schon ein doppeltes Phänomen: Nach wie vor steht in München das einzige Michael-Jackson-Denkmal Deutschlands. Und zweitens: Die Gedenkstätte - eigentlich die Statue des Jahrhundert-Komponisten Orlando di Lasso (1532 – 1594) - hat nichts mit dem Jahrhundertmusiker Jackson zu tun. Jackson-Fans ist das herzlich egal. Seit zehn Jahren zünden sie dort Kerzen an, legen Blumen ab und bekleben die Lassos Sockel mit Liebesbotschaften an den King of Pop.

Jetzt stellt sich die Frage: Darf man das weiterhin, nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms "Leaving Neverland?"  Im Film von Regisseur Dan Reed erheben zwei Männer heftige Missbrauchsvorwürfe gegen den King of Pop. Wolfgang Neumer, Bezirksausschuss-Chef (BA) der Altstadt, weiß noch ganz genau, zu welchen Diskussionen das führte, als Jackson vor zehn Jahren an einer Überdosis Narkosemittel starb und seine Fans di Lassos Statue über Nacht als Ort der Trauer auswählten.

Diskussion nach Doku neu entbrannt

"Einige Gegner randalierten am Sockel. Wir haben dann runde Tische veranstaltet, mit Fans, Gegnern und der Regierung von Oberbayern", sagt Neumer, "dann entschieden wir uns alle, das Denkmal fortbestehen zu lassen." Seither geriet di Lassos Jackson-Sockel fast in Vergessenheit – bis jetzt. Denn nach der deutschen Erstausstrahlung von "Leaving Neverland" ist erneut eine Debatte um die Münchner Gedenkstätte entbrannt.

In dem Film schildern zwei Erwachsene die sexuellen Übergriffe des Pop-Königs. Sie waren Dauergäste der real gewordenen Fantasie- und Spielewelt Jacksons: "Neverland". Ist es also angemessen, einem Toten zu huldigen, der zu Lebzeiten vielleicht Kinder missbraucht hat? BA-Chef Neumer hat da eine klare, formelle Haltung.

Duldung der Gedenkstätte könnte jederzeit widerrufen werden

"Jackson wurde 2005 von genau diesen Vorwürfen freigesprochen. Daher gilt: Der Mann ist unschuldig. Das muss man auch mal auf sich beruhen lassen, zumal sich ein Toter nicht wehren kann", sagt Neumer, "lasst doch die Fans hier weiterhin Jackson verehren. Es scheint ihnen wichtig zu sein." Er selbst sei übrigens kein Jackson-Fan, betont Neumer. Die Regierung von Oberbayern ist offiziell für das Denkmal zuständig.

Sie ist der zivilrechtliche Eigentümer der di-Lasso-Statue und duldet die entstandene Jackson-Gedenkstätte. Der Deal: Der Verein "MJ's Legacy Association International" hält den Sockel sauber. Über die Zukunft scheint sich die Regierung noch keine Gedanken gemacht zu haben. Auf AZ-Anfrage schreibt sie: "Die Duldung könnte jederzeit widerrufen werden. Ob dies geschieht, ist derzeit offen."


Der Film: Eine umstrittene Dokumentation

Die umstrittene Dokumentation "Leaving Neverland" über Michael Jackson ist am 6. April auf ProSieben ausgestrahlt worden. Im Film von Regisseur Dan Reed erheben zwei Männer heftige Missbrauchsvorwürfe gegen den 2009 gestorbenen King of Pop.

James Safechuck (41) und Wade Robson (36) erzählen schockierend eindrucksvoll und in schwer zu ertragenen Details, wie der Sänger sie als Kinder missbraucht haben soll. "Über 'Leaving Neverland' spricht die Welt", sagte ProSieben-Chefredakteur Stefan Vaupel. "Kindesmissbrauch ist eins der größten gesellschaftlichen Tabu-Themen unserer Zeit. Kirche, Künstler und andere haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder das Schweigen ihrer Opfer erkauft."

Die Dokumentation hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Jackson-Fans laufen Sturm dagegen, in Deutschland gab es vor der Ausstrahlung Protestaktionen in Köln. Aber auch in München haben einige Fans am Wochenende vor dem Michael-Jackson-Denkmal mit Schildern gegen den Film protestiert.

Hier mehr lesen: Demo in München - Michael Jacksons Fans glauben an seine Unschuld

 

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