Vor 81 Jahren Scherben, Feuer, Tote: Die Reichspogromnacht in München

Das Kaufhaus Uhlfelder im Rosental 12-16: Die Fensterscheiben wurden eingeschlagen, die Inneneinrichtung komplett zerstört. Weitere Fotos vom 10. November in München finden Sie in der Bilderstrecke. Foto: Stadtarchiv München

Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht. Auch in München wüteten die Nationalsozialisten und zerstörten jüdische Geschäfte und Synagogen. Die bewegenden Bilder.

 

München - Das Kaufhaus Uhlfelder im Rosental, das Rothschild-Kaufhaus in der Sendlinger Straße, die Kunsthandlung Bernheimer am Lenbachplatz oder die Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße: All diese Geschäfte und Einrichtungen in München wurden 1938 angegriffen oder zerstört.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten etwa 7.500 jüdische Geschäfte und Einrichtungen in ganz Deutschland. Sie zündeten einen Großteil der rund 1.200 Synagogen und Gebetshäuser an, demolierten jüdische Friedhöfe und stürmten Wohnungen. Wie viele Menschen starben, ist unklar. Das Nazi-Regime sprach von 91 toten Juden. Historiker gehen von mehr als 1.300 Menschen aus, die in Folge des Pogroms ums Leben kamen. Mehr als 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Novemberpogrome: Der Anfang des Holocaust

Propagandaminister Joseph Goebbels sprach von einer "spontanen Welle des Volkszorns". Tatsächlich waren aber vor allem organisierte Sturmtrupps der SA und SS für die Exzesse verantwortlich. Die Bevölkerung beteiligte sich nur vereinzelt, allerdings eilten auch nur wenige ihren jüdischen Nachbarn und Mitbürgern zur Hilfe. Als Grund für die Ausschreitungen nannten die Nazis das tödliche Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Täter war der 17-jährige Jude Herschel Grynszpan.

Die Nacht gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Bis zum Kriegsende 1945 kostete der Holocaust etwa sechs Millionen Menschen das Leben. Die von den Nazis Übernommene Bezeichnung "Reichskristallnacht", die auf die vielen Scherben in den Straßen anspielte, wird heute als verharmlosend abgelehnt. Da die ersten Angriffe bereits am 7. November begannen und teilweise bis zum 13. November dauerten, sprechen Historiker inzwischen auch von "Novemberpogrom/en". Der russische Begriff Pogrom bedeutet "Aufruhr" oder "Verwüstung".

Gedenkveranstaltung in München

An vielen Orten Bayerns wird an diesem Samstag des 81. Jahrestages dieser Pogrome gedacht. In München gibt es auf dem "Weg der Erinnerung" Stadtrundgänge entlang der ehemaligen Wohnadressen verfolgter und ermordeter jüdischer Bürger.

Bei der Gedenkstunde im Alten Rathaus sprechen am 9. November (19.00 Uhr) Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Der Publizist Michel Friedman hält die Gedenkrede.

 

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