Vor 80 Jahren Scherben, Feuer, Tote: Reichspogromnacht in München

, aktualisiert am 09.11.2018 - 19:10 Uhr
Das Kaufhaus Uhlfelder im Rosental 12-16: Die Fensterscheiben wurden eingeschlagen, die Inneneinrichtung komplett zerstört. Weitere Fotos vom 10. November in München finden Sie in der Bilderstrecke. Foto: Stadtarchiv München

Am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. Auch in München wüteten die Nationalsozialisten und zerstörten jüdische Geschäfte und Synagogen. Die bewegenden Bilder.

München - Das Kaufhaus Uhlfelder im Rosental, das Rothschild-Kaufhaus in der Sendlinger Straße, die Kunsthandlung Bernheimer am Lenbachplatz oder die Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße: All diese Geschäfte und Einrichtungen in München wurden 1938 angegriffen oder zerstört.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten etwa 7.500 jüdische Geschäfte und Einrichtungen in ganz Deutschland. Sie zündeten einen Großteil der rund 1.200 Synagogen und Gebetshäuser an, demolierten jüdische Friedhöfe und stürmten Wohnungen. Wie viele Menschen starben, ist unklar. Das Nazi-Regime sprach von 91 toten Juden. Historiker gehen von mehr als 1.300 Menschen aus, die in Folge des Pogroms ums Leben kamen. Mehr als 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Novemberpogrome: Der Anfang des Holocaust

Propagandaminister Joseph Goebbels sprach von einer "spontanen Welle des Volkszorns". Tatsächlich waren aber vor allem organisierte Sturmtrupps der SA und SS für die Exzesse verantwortlich. Die Bevölkerung beteiligte sich nur vereinzelt, allerdings eilten auch nur wenige ihren jüdischen Nachbarn und Mitbürgern zur Hilfe. Als Grund für die Ausschreitungen nannten die Nazis das tödliche Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Täter war der 17-jährige Jude Herschel Grynszpan.

Die Nacht gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Bis zum Kriegsende 1945 kostete der Holocaust etwa sechs Millionen Menschen das Leben. Die von den Nazis übernommene Bezeichnung "Reichskristallnacht", die auf die vielen Scherben in den Straßen anspielte, wird heute als verharmlosend abgelehnt. Da die ersten Angriffe bereits am 7. November begannen und teilweise bis zum 13. November dauerten, sprechen Historiker inzwischen auch von "Novemberpogrom/en". Der russische Begriff Pogrom bedeutet "Aufruhr" oder "Verwüstung".

Gedenkveranstaltung am Freitag in München

Zum 80. Jahrestag des 9. November 1938 gedachte München am Freitag der jüdischen Münchner, die während der Reichspogromnacht und in ihrer Folge misshandelt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden.

Bei einer Lesung am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße wurden die Namen von jüdischen Münchnern verlesen, die im November 1938 ins KZ Dachau verschleppt wurden. Die zentrale Gedenkfeier fand später im Saal des Alten Rathauses statt. Hier hatte Joseph Goebbels 1938 mit einer seiner berüchtigten Hetzreden die Ausschreitungen initiiert.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Ministerpräsident Markus Söder und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch gingen in ihren Reden vor allem auf den wachsenden Antisemitismus ein.

Dieser sei "in allen Formen zu bekämpfen", sagte Reiter. Knobloch forderte ein großes Auflehnen gegen Judenhass. Söder sagte, dass Juden ihren Glauben selbstverständlich und frei von Angst leben könnten, sei eine Herzensangelegenheit. Bayern werde dafür alles tun. Auch in anderen Städten gab es Gedenkveranstaltungen.

 

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