Von der Weide in den Untergrund Filmfest bietet Bühne für die arabische Welt

Eine Gechichte, die historisch in die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück geht: „Theeb“ - ein Film aus Jordanien. Foto: Filmfest München

Was ist los? Wie lebt es sich hier? Die arabische Welt zeigt sich auf diesem Filmfest mit vielen starken Filmen.

 

Vier Frauen in Marrakesch: jung, lebenslustig, zielstrebig. Sie wollen frei sein, weshalb sie, um an Geld zu kommen, ihren Körper verkaufen. Fatal klingt das und ist es auch, doch der Marokkaner Nabil Ayouch zeichnet in „Much Loved“ kein Porträt leidender Freudenmädchen, sondern zeigt mitreißend eine selbstbewusste Generation junger nordafrikanischer Frauen, die sich von ihrem Schicksal nicht unterkriegen lassen.

In Marokko wurde der Film verboten, Ayouch erhielt Morddrohungen. Auf Youtube hingegen wurden Auszüge des Films über zwei Millionen Mal geklickt. Ein Politikum also, ein großartiger Film, der in Cannes uraufgeführt wurde und nun beim Filmfest München gezeigt wird (Do, 2.7., 15 Uhr, Münchner Freiheit und Sa, 4.7., 16.30 Uhr, City 2).

Gleich mehrere Filme beim Filmfest laden ein zur Reise in die arabische Welt, aus der wir im Kino doch eher selten Bilder sehen.

Die Absurdität realer Konflikte führt auch der kurdische Regisseur Shawkat Amin Korki in seinen semibiografischen Film „Memories On Stone“ vor Augen: Zwei Freunde wollen nach dem Sturz Saddam Husseins einen Film über den Genozid des irakischen Regimes an der kurdischen Bevölkerung im Nordirak drehen. Und bekommen dabei haarsträubende Probleme… (heute, 19.30 Uhr, Münchner Freiheit).

In die arabische Undergroundkultur taucht Farid Eslam in „Yallah! Underground“ ein: Von 2009 bis 2013 gelang es ihm, mit den progressivsten arabischen Künstlern, vor allem Musikern, in Libanon, Ägypten, Jordanien, Palästina und Israel, zu sprechen. Ihre Kunst, die auch den Arabischen Frühling befeuerte, spricht Bände - und lässt sich insbesondere hören (morgen, Di, 22 Uhr, City)!

Auf den Spuren des großen Abenteuerfilms bewegt sich „Theeb“ von Naji Abu Nowar: Der Jordanier erzählt in der Wüstenlandschaft Jordaniens, dort, wo David Lean „Lawrence von Arabien“ drehte, von einem Jungen, der mit seinem großen Bruder während des Ersten Weltkriegs in einem Beduinen-Lager lebt. Als sie einen britischen Soldaten und dessen arabischen Begleiter zu einer Wasserstelle führen sollen, geraten sie in einen Hinterhalt. Eine Odyssee mit atemraubenden Landschaftsaufnahmen (Sa, 4.7., 17.30 Uhr, Münchner Freiheit).

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„The Silence of the Shepherd“ führt hingegen ins Heute einer Dorfgemeinschaft im Irak und bietet einen selten zu sehenden, fast archaischen Einblick in eine jahrtausendealte Kultur. Als ein Mädchen zum Wasserholen geschickt wird und nicht mehr zurückkommt, gerät dieses Dorfgefüge aus dem Gleis… (heute, 17.30 Uhr, Rio).

So zeigt sich die arabische Welt beim Filmfest in politisch aufgeladenen, aufregenden Kinowerken.

 

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