Volvo S90 im AZ-Test Schweden-Luxus in der Business-Class

, aktualisiert am 21.09.2016 - 15:48 Uhr
Volvo will mit seiner neuen Business-Limousine S90 hoch hinaus - drum steht der große Schwede auch am 2211 Meter hohen Penser Joch über Sterzing. Foto: Rudolf Huber

Selbst fahren ist doch schöner: Der AZ-Test klärt auf, warum der Chef in der Chauffeurs-Limousine Volvo S90 seinem Fahrer garantiert öfter mal freigeben wird.

 

München - Schon faszinierend, wie schnell Volvo diese Drehung geschafft hat. Von grundsoliden, sicheren und immer auch ein bisschen behäbig-langweiligen Modellen hin zu modernen, schicken und trendigen Gefährten mit Hingucker-Qualitäten und aktuellstem Infotainment. Das haben die Schweden echt gut hingekriegt, und in Sachen Sicherheit sind sie nach wie vor top, wie der AZ-Test des brandneuen Volvo S90 zeigte.

Die große Limousine im Format einer Mercedes E-Klasse oder eines 5er BMW strotzt geradezu vor Sicherheits-Helfern: City Safety mit Wildtiererkennung und Kreuzungsbremsassistent, Run-off-Road-Protection (für den Fall des unfreiwilligen Verlassens der Fahrbahn), Straßenranderkennung, die Vorstufe für autonomes Fahren in Form des „Pilot Assist II“ – das System lenkt, bremst und beschleunigt bis 130 km/h selbst, mahnt aber nach kurzer Zeit ohne Hände am Lenkrad wieder die Unterstützung des Piloten an. Stau-Assistent, Spurehalte-Helfer und, und, und: Der S90 vermittelt sehr deutlich das Gefühl von höchstmöglichem Schutz.

Drücken, Wischen und Ziehen im Volvo S90

Statt Kantigkeit und optischem Understatement setzt der knapp fünf Meter lange Schwede auf sympathisch-kühlen Charme und eine gelungene Linienführung. Im Inneren sorgen die Lederausstattung, Echtholz-Paneele und Chrom-Applikationen für Wohlfühl-Klima, speziell der Beifahrer kann sich hinter dem hochgezogenen Armaturenbrett so sicher fühlen wie in Abrahams Schoß. Wie schon im großen SUV XC90 wird das Armaturenbrett auch in der Limousine durch ein hochkant gestelltes Tablet dominiert. Darauf wird mit Drücken, Wischen und Ziehen alles eingestellt, was für Fortbewegung, Klimatisierung, Unterhaltung und Navigation wichtig ist. Erkenntnis aus der Testpraxis: An sich ist das Programm mit seinen Menüs und Untermenüs durchaus logisch und verständlich aufgebaut. Aber ein bisschen Übung im Stehen schadet nicht.

Über den Touchscreen und Programmtasten lassen sich Fahrwerk, Motorsteuerung oder Lenkwiderstand in fixen Stufen oder nach individuellem Geschmack einstellen, dazu können die Sitzposition oder Klimatisierungswünsche programmiert und per individueller Schlüsseleinstellung abgerufen werden. Der S90 ist eindeutig eine Limousine für die große Tour, entsprechen fernreisetauglich sind die Sitze. Das Platzangebot vorne wie hinten kann man nur mit üppig beschreiben – der große Schwede ist jedenfalls als Chauffeurs-Limousine bestens geeignet. Auch der Stauraum ist mit 500 Liter klassengerecht groß ausgefallen.

Achtgang-Automatik mit 235 PS – da geht was!

Apropos Chauffeur. Vermutlich wird mancher S90-Besitzer dem Mitarbeiter öfter mal freigeben und sich selbst hinters Steuer setzen. Denn speziell mit dem per Turbo und Kompressor doppelt aufgeladenen Zweiliter-D5-Diesel mit 235 PS, der an eine Achtgang-Automatik gekoppelt ist, macht die muntere Fortbewegung im S90 doch ziemlich viel Spaß. 240 km/h sind damit maximal drin, und die 7,0 Sekunden für den 100er-Sprint sind für eine knapp 1,9 Tonnen schwere Fullsize-Limousine mit Zweilitermotor auch ein anständiger Wert. Die 4,8 Liter, die Volvo als Normverbrauch ermittelt hat, sind natürlich im etwas dynamisch angehauchten Alltagsbetrieb nicht zu schaffen, der Testverbrauch von 6,4 Liter geht aber absolut in Ordnung.

Lassen Sie uns über die Ausstattung und das Geld sprechen. In der getesteten Version Inscription ist serienmäßig schon sehr viel drin, bis hin zum Allradantrieb, dem 12,3-Zoll-Display, Fernlichtassistent, Klimaautomatik oder Sitzheizung vorne. Das alles stellt Volvo mit 58 350 Euro in Rechnung. Weil der AZ-Testwagen unter anderem noch mit dicken Zusatz-Paketen, Vier-Zonen-Klima, Head-up-Display, Speziallack oder einem Wlan-Hotspot ausgestattet war, kamen letztlich 77 480 Euro zusammen. Kleiner Hinweis für alle Interessenten, die weniger ausgeben wollen: Die große Limousine aus Schweden ist mit D4-Diesel ab 42 750 Euro zu haben.

 

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