Volksbegehren Artenvielfalt "Wenn jemand Bio kauft, ist das aktiver Umweltschutz"

Sie setzt sich für den Artenschutz ein: Isabelle Hirsch aus Heilbronn. Foto: dpa

Das erfolgreiche Volksbegehren "Artenvielfalt" spaltet die bayerische Agrarbranche. Ein Besuch bei einer konventionellen Landwirtin und einem Biobauern.

 

Freising / Heilbronn - Wenn Ralf Huber die Erdbrocken in den Händen hält, kann er riechen, ob es dem Acker gut geht. Ist die Erde im Vorjahr zu nass geworden, entstehe ein modriger, fast fauler Geruch, erklärt der 52-Jährige.

Manchmal spricht er auch mit den Regenwürmern und fragt sie, ob der richtige Zeitpunkt zum Pflügen gekommen ist. In Allershausen nördlich von München betreibt Huber seit 28 Jahren seinen Biohof.

Huber engagiert sich gegen Volksbegehren

Auf knapp 200 Hektar baut er unter anderem Weizen, Roggen und Gerste an. Alles ökologisch – und dennoch hat sich Huber vor wenigen Wochen gegen das Volksbegehren für mehr Artenvielfalt engagiert.

Obwohl es das erfolgreichste in der Geschichte des Freistaats war: Knapp 20 Prozent der bayerischen Bevölkerung stimmten Anfang Februar für mehr Öko-Anbau, Verbot von Pestiziden und mehr Blühstreifen (AZ berichtete).

"Landwirtschaft und Gesellschaft sind massiv auseinandergedriftet"

Isabella Hirsch aus dem mittelfränkischen Heilbronn, einem Ortsteil von Feuchtwangen, hat das Volksbegehren unterstützt – obwohl sie und ihr Mann ihren 60 Hektar großen Hof konventionell bewirtschaften. Zwar ohne Pestizide und ohne Gentechnik, aber auch ohne das Siegel eines Öko-Anbauverbands.

"Ich kann verstehen, dass sich viele Bauern von den Verbrauchern unverstanden fühlen", sagt die Landwirtin. "Landwirtschaft und Gesellschaft sind massiv auseinandergedriftet, die Menschen verstehen die Zusammenhänge nicht mehr."

Es braucht gesellschaftlichen Wandel

Huber glaubt, dass bei der Ausarbeitung des Volksbegehrens kein Landwirt dabei gewesen sein könne. Es sei zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht. Da ist die Sache mit den Gewässerrandstreifen. "Ich habe ganz viele Felder, die nur 60 Meter breit sind", sagt Huber. "Wenn ich da noch einen fünf Meter breiten Streifen anlegen muss, brauche ich sie gar nicht mehr zu bewirtschaften."

Bei ihm falle im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft ohnehin 50 Prozent der Ernte weg, weil er keinen chemischen Pflanzenschutz einsetzt. Langfristig wäre es für ihn schwierig, davon zu leben, würde das Volksbegehren umgesetzt.

Stattdessen brauche es einen gesellschaftlichen Wandel. Den könne man nicht allein auf die Bauern schieben, sondern jeder müsse bei sich anfangen.

Umweltschutz gibt es nicht kostenlos

Huber: "Bei dem Volksbegehren haben 20 Prozent der Leute unterschrieben. Würden die alle Öko-Produkte kaufen, hätten wir das Problem nicht", sagt er. "Wenn jemand Bio kauft, ist das aktiver Umweltschutz." Stattdessen hätten die Leute lieber mit einer Unterschrift "ihr grünes Gewissen" beruhigt.

"Wir Landwirte sind bereit, den Weg mitzugehen, aber der Bevölkerung muss auch bewusst sein, dass es Umweltschutz nicht kostenlos gibt", sagt der Biobauer.

Lesen Sie hier: Volksbegehren Artenvielfalt - "Wir Verbraucher müssen umdenken"

 

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