Volksbegehren Artenvielfalt: "Wir Verbraucher müssen umdenken"

Anlässlich des Volksbegehrens Artenvielfalt: Der Wissenschaftler Harald Albrecht von der Technischen Universität München über Verantwortung, Schuld und warum man jetzt gegensteuern muss.
| Interview: Julia Sextl
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"Rettet die Bienen!": Harald Albrecht vom Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München in Weihenstephan im Interview mit der AZ.
"Rettet die Bienen!": Harald Albrecht vom Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München in Weihenstephan im Interview mit der AZ. © dpa/Sven Hoppe, ho

Harald Albrecht ist Wissenschaftler am Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München in Weihenstephan. Im Interview mit der AZ spricht der 62-Jährige anlässlich des Volksbegehrens Artenvielfalt über Verantwortung, Schuld und warum man jetzt gegensteuern muss.

AZ: Herr Albrecht, könnte das Volksbegehren zu einem Vorbild für Europa werden?
HARALD ALBRECHT:
Ja. Denn diese Probleme existieren in ganz Europa. Und ich denke, dass sie relativ schnell größer werden.

Inwiefern?
Seit den 50er und 60er Jahren wird mit Pflanzenschutzmitteln und Flurbereinigung gearbeitet. Aber die Effekte, die in der Landschaft auftreten, sind erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten so deutlich sichtbar geworden – eine offenbar verzögerte Reaktion der Natur auf die Technisierung der Landwirtschaft.

In den 50ern gab es noch Pferde auf den Äckern ...
... und dann sind die Traktoren nach Deutschland gekommen. Das hat dann eine neue Landschaft gebraucht mit größeren Flächen. Und es hat eine Intensivierung der Landwirtschaft begonnen, die einfach kaum mehr Blüten zugelassen hat.

Es gab aber zahlreiche Versuche von politischer Seite, die Bedingungen für Pflanzen und Tiere zu verbessern.
Ja, aber diese Artenschutzprogramme waren finanziell vielleicht nicht attraktiv genug. Wenn man mit anderen Produktionsverfahren mehr verdienen kann, würden Sie als Landwirt wahrscheinlich auch die ökonomisch attraktivere Alternative wählen.

"Es geht nicht ohne die Verbraucher"

Wer trägt die Verantwortung für diese Entwicklung?
Nicht die Bauern sind das Problem, sondern das System: Verbraucher, die günstige Nahrungsmittel wollen, Landwirte, die produzieren, was man von ihnen verlangt, und natürlich die Politik.

Was wäre die Lösung?
Eher eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die insgesamt vielleicht etwas weniger produziert als derzeit. Und es geht nicht ohne die Verbraucher: Wir müssen umdenken und mehr Bioprodukte kaufen, die vielleicht teurer sind, aber dafür umweltfreundlich produziert, und weniger tierische Produkte konsumieren.

Gegner des Volksbegehrens fordern, erst mal die Bedingungen in den Privatgärten zu verbessern.
Damit haben sie ja auch recht. Es wäre gut, wenn auch die Leute in den Städten Spaß daran fänden, mehr für die Tiere zu tun und entsprechend Blumen und Büsche zu pflanzen. Aber das allein löst die Probleme nicht: In den Städten und Siedlungen lebt nicht die Fülle der Arten, die gerade in der gesamten Landschaft verschwinden. Und mehr als die Hälfte Deutschlands besteht aus landwirtschaftlicher Nutzfläche.

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