Vintage-Selection Böses Wasser, guter Wein

In seiner Bar in Hamburg verkaufte Marian Kreuzer zum Wein klassische Musik. In München gibt es nun Bücher dazu. Foto: Daniel von Loeper

Ein geplatztes Heizungsrohr vermieste Marian Kreuzer den Einstand. Seitdem läuft in seiner Weinbar aber alles glatt.

 

Wie viel so ein kleiner Wasserschaden doch ausmachen kann. Das gewellte Parkett lässt das Vintage-Selection aussehen, als gebe es die Weinbar schon über hundert Jahre. Dabei ist das Heizungsrohr erst vor ein paar Wochen geplatzt.

Wenn sich Marian Kreuzer anschaut, was das Wasser mit dem schönen Eichenboden gemacht hat, denkt er nicht an charmante Spontanalterung, er denkt an die vielen Weinetiketten, die danach in seinem Keller herumtrieben, und an die Scherereien mit der Versicherung.

Es gibt bestimmt glücklichere Umstände für einen Einstand, aber beschweren will sich Kreuzer nicht. Schließlich läuft ansonsten auch alles prima. Die Weine kommen bei den Leuten an, es gibt schon Stammkunden und der Wasserschaden wird auch bald behoben sein.

Im Glockenbachviertel hat Kreuzer vor einigen Wochen seine neue Weinbar eröffnet. In Hamburg hatte der 33-Jährige schon einmal eine Vinothek, dort verkaufte er mit dem Wein noch klassische Musik.

In der Westermühlstraße gibt es zum Riesling nun Diogenes-Bücher – Shakespeare, Nietzsche und Orwell, zum großen Teil von Kreuzer selbst gelesen und für gut befunden.
Beim Wein konzentriert sich das Vintage-Selection neben ein paar Österreichern vor allem auf heimische Weine. „Deutschland ist gerade das dynamischste Weinland”, sagt Kreuzer. Gerade beim Rotwein, „beim Weißwein waren wir ja schon immer spitze.”

Als Beleg empfiehlt er einen Pfälzer vom Weingut Zelt–oder bei wärmeren Temperaturen einen Chardonnay aus dem Barriquefass vom Weingut Milch in Rheinhessen (3,30 Euro für 0,1 Liter). Um die 120 verschiedene Weine gibt es im Vintage-Selection, die Hälfte davon offen. Dazu kann man sich Kleinigkeiten wie Bruschetta (5,50 Euro) oder eine Käse- oder Wurstplatte mit Südtiroler Spezialitäten (klein: 6,50 Euro, groß: 12 Euro) bestellen.

Vor allem abends sind die sechs Holztische drinnen und die beiden draußen gut besucht. Die Leute aus dem Viertel kommen gerne vorbei–auf einen entspannten Schnack, wie man in Kreuzers Hamburger Heimat sagt. Aber auch Events wird es im Vintage-Selection geben, Weinseminare und Champagner-Tastings. Erst letztens mussten bei einer Blindverkostung verschiedene Champagner gegen deutsche Schaumweine antreten. Gewonnen hat ein Cuvée aus dem Jahr 2006 – natürlich von einem deutschen Winzer.

Westermühlstraße 39, Mo. bis Fr. 15-22 Uhr, Sa. (ab Mai auch So.) 13-22 Uhr, www.vintage-selection.de, Tel. 88 56 97 18

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