Versteckte Kosten Wie die Banken bei Gebühren tricksen

, aktualisiert am 26.07.2019 - 17:17 Uhr
Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: Die Geldpolitik der Notenbank macht den Instituten zu schaffen. Foto: Boris Roessler/dpa

Das Zinstief setzt Geldhäuser unter Druck. Einige Institute greifen oft zu aus Kundensicht versteckten Kosten. Doch nicht alles ist erlaubt.

 

München - Zinsen? Abgeschafft. Provisionen? Schwierig. Bleiben für Deutschlands Banken noch Gebührenerhöhungen als Mittel gegen Ertragsschwäche. Überreizen dürfen es die Institute freilich nicht, denn auch Direktbanken und Fintechs (moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen) mit Gratis-Angeboten buhlen auf dem hart umkämpften deutschen Markt um Kunden. Und längst nicht jedes Entgelt ist zulässig.

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte der Finanzbranche das Leben noch schwerer machen: Möglicherweise verschärfen die Währungshüter den Strafzins für Banken noch.

Zeit der üppigen Zinsüberschüsse ist vorbei

Warum erhöhen viele Banken und Sparkassen die Gebühren? Niedrige Zinsen, hohe Regulierungskosten, teure Investitionen in Digitalisierung – die Gemengelage ist ungünstig für die Branche. Lange verdienten Banken und Sparkassen gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden auf deren Einlagen zahlten. Doch üppige Zinsüberschüsse sind passé. Die EZB hat die Zinsen auf Rekordtief eingefroren, der Branche brechen die Erträge weg. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken rechnet noch für mindestens fünf Jahre mit Nullzinsen.

Was hat es mit den Strafzinsen der EZB auf sich? Seit Mitte Juni 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Aktuell verlangt die EZB 0,4 Prozent Strafzinsen.

Nach Berechnungen des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) müssen die Banken im Euroraum derzeit monatlich 600 Millionen Euro an Negativzinsen für überschüssige Liquidität an die EZB zahlen. Geld, das den Instituten für Investitionen fehlt. Besonders betroffen vom Strafzins sind deutsche Banken, die traditionell einen Überhang an Kundeneinlagen haben.

Strafzinsen für Bankkunden?

Drohen auch Bankkunden Strafzinsen? Einzelne Häuser geben die Strafzinsen der EZB bereits seit einiger Zeit an Unternehmen oder große Investoren wie Fonds weiter. Und selbst reiche Privatkunden werden in manchem Haus zur Kasse gebeten. Das Gros der Privatkunden jedoch bleibt von Strafzinsen verschont – bislang.

Werden Bankdienstleistungen für Privatkunden künftig teurer? Preiserhöhungen sind in der Branche ein Dauerthema. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banken, die aktuell ein kostenloses Konto anbieten, dies die nächsten Jahre oder Jahrzehnte durchhalten", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Mitte Juli dem "Handelsblatt". Je länger das Zinstief anhält, umso wahrscheinlicher wird es, dass Institute Gebühren erhöhen oder Strafzinsen an einen größeren Kundenkreis weitergeben.

Wofür müssen Bankkunden schon jetzt extra zahlen? Kontoführung, Überweisung, Kreditkarte – die Liste ist lang. Selbst fürs Abheben und Einzahlen von Geld am Schalter dürfen Banken und Sparkassen laut BGH eine Extra-Gebühr kassieren. Allerdings darf eine solche Gebühr nur so hoch sein wie die tatsächlich entstandenen Kosten.

Bankkunden sind nicht hilflos

Dürfen Banken bei den Gebühren machen, was sie wollen? Auch in anderen Fällen schoben Gerichte dem Wildwuchs einen Riegel vor. So dürfen Banken nicht pauschal einen festen Betrag dafür kassieren, dass sie Kunden per SMS die für Online-Bankgeschäfte notwendige Transaktionsnummer (TAN) zuschicken. Unzulässig sind auch Gebühren für das Bearbeiten von Freistellungsaufträgen oder Ausstellen einer Ersatzkarte, wenn ein Kunde seine Bankkarte verloren hat oder diese gestohlen wurde.

Auch wer sein Konto überzieht, muss nicht hinnehmen, wenn zum Überziehungszins noch Bearbeitungsgebühren dazukommen. Was können Kunden tun, wenn sie sich über ihre Bank ärgern? Vor allem Direktbanken bieten kostenfreie Kontenmodelle an. Zudem werben Fintechs mit günstigen Konditionen. Am Ende könne der Kunde "immer noch sagen: Ich gehe zu der Bank, wo das nichts kostet", sagt Peter Breun-Goerke von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs.

Lesen Sie hier: Die EZB ebnet den Weg für Lockerung der Geldpolitik

 

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