Versorgung in der Grenzstadt Am Bahnhof Passau: Frierende Babys, unversorgte Flüchtlinge

Flüchtlinge auf dem Weg des extra gebauten Korridors vom Güterbahnhof in Passau zum Bahnsteig 1 der Sonderzüge. Foto: Hubert Denk

Am Bahnhof Passau ist die Hilfe für Ankommende abgespeckt worden. Die Menschen sollen schnell weitertransportiert werden. Dabei bleibt aber die Fürsorge auf der Strecke, kritisieren Ehrenamtliche.

 

Passau – Die Helfer am Passauer Hauptbahnhof haben, wie ein Bundespolizist anerkennend bemerkt, einen „hohen Anspruch“: Sie möchten, dass die Flüchtlinge an dieser Drehscheibe mit herzlicher Gastfreundschaft empfangen werden, es diesen während des Kurzaufenthaltes an nichts fehlt. Aber: Ist diese Willkommenskultur politisch noch gewollt?

Nach offizieller Darstellung der Bundespolizei sind die Passauer Helfer nicht mehr notwendig, weil die Abläufe neu koordiniert worden sind. Die Flüchtlinge werden von der Grenze mit Bussen direkt in die Erstaufnahmezentren der Bundespolizei in Passau und des Bundesamtes für Migration in Deggendorf, Feldkirchen und Erding gefahren. Von dort werden sie zurück zum Passauer Hauptbahnhof für den Weitertransport gebracht – zwischen diesem Hin und Her werden sie angeblich gut versorgt.

Das sehen die Passauer Helfer nicht ganz so. Sie führen im Netz Protokoll darüber und finden, dass die Betreuung durch die Behörden besser sein könnte. „Heute mussten zwei Busse wieder zurück nach Erding, da der Sonderzug seit 45 Minuten abgefahren war“, schreibt beispielsweise ein Helfer. Den Busfahrern sei der falsche Abfahrtstermin mitgeteilt worden, eine Stunde zu spät.

Helfer kritisieren die schlechte Kommunikation

Die Geflüchteten „durften“ nach einer Pinkelpause wieder zurück nach Erding, um dann wieder einen halben Tag später nach Passau zum Nachtzug gebracht zu werden. Die Kommunikation zwischen den Stützpunkten der Behörden scheint nicht immer zu funktionieren. „Mit einem Zelt am Bahnhof wäre der Aufenthalt kein Problem“, wird von Mitgliedern der Hilfsgruppe „Passau verbindet“ kritisiert. Doch dieses große Zelt, ein nicht wintertaugliches Brauereizelt, ist ersatzlos abgebaut worden.

Aus alten Lagerbeständen des Katastrophenschutzes hat die Bundespolizei entlang einer Laderampe am Güterbahnhof sechs olivgrüne Notzelte aufgebaut. Diese werden mit Heizschläuchen warm gehalten und bieten Platz für etwa 200 Leute. Oft reicht das nicht.

Die Bevölkerung bekommt von den Transfers nichts mit

Die Flüchtlingsdrehscheibe Passau verlassen täglich drei Sonderzüge mit 1500 bis 2000 Passagieren. Ziel sind fast häufig Aufnahmezentren in Nordrhein-Westfalen. Aber täglich fahren auch Busse aus der gesamten Bundesrepublik vor, welche Flüchtlinge nach der Erstaufnahme aufnehmen und in Asylbewerberheime transportieren.

Von den Transfers von der Grenze zur Erstaufnahme durch die Bundespolizei und von dort zu den Sonderzügen am Bahnhof bekommt die Bevölkerung kaum etwas mit. Kontakt mit den Flüchtlingen haben lediglich die Bürger, die sich als Helfer anmelden. Derzeit gibt es etwa 5000 Aktive und Unterstützer laut der Freundesliste in den Netzportalen.

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Eva Klöppel, eine Passauer Helferin, beklagt die neue Situation am Bahnhof: „Alle sind total übermüdet, ausgehungert und verfroren – kurz: in schlechtem, unversorgtem Zustand. Wieder viele, stark erkältete Kinder und Babys sind dabei. Alle Personen wurden in die Bedarfszelte gebracht, und mit einer hinzugekommenen Helferin haben wir Essen ausgegeben. Heute war es nachts zum ersten Mal so kalt, dass unsere, sich im Freien befindliche Wasserleitung für die Teeküche eingefroren war.“

Die Insassen zweier weiterer ankommender Busse durften noch kurz in die Zelte und auf die Toilette, alle Weiteren wurden wieder – wie schon die Tage zuvor – direkt unversorgt zum Zug gebracht, berichtet die Helferin.

Weniger Flüchtlinge, mehr Routine, Zeit die Dinge neu zu ordnen. So wird es offenbar bei der Bundespolizei gesehen. Ein Bundespolizist aus Hessen erklärt, dass sich „von oben“ die Sichtweise geändert habe. Es werde mehr auf die Kosten geachtet.

Täglich fahren bis zu drei Busse zurück nach Österreich

Es gehört nicht zu den Aufgaben der Bundespolizei, Grenzgänger und Asylsuchende zu verpflegen. Das hat auch der Leiter der Polizeiinspektion Freyung bei einem Vortrag an der Passauer Uni erklärt.

Etwa 80 bis 100 Flüchtlinge werden mittlerweile täglich zurück nach Österreich geschickt. Die neue Regelung: Wer nicht ausdrücklich einen Asylantrag stellt, offen zugibt, dass sein Ziel beispielsweise die skandinavischen Länder sind, wird zurückgewiesen. „Etwa zwei, drei Busse täglich bringen diese Migranten zurück nach Österreich; manche setzen wir auch mit einem Ticket in den Zug zurück nach Linz“, sagt ein Beamter.

Die Grenzkontrollen sorgen seit Monaten für Staus auf der Autobahn bei Passau. Was bringt diese Aktion? „Auf jeden Fall sind sie eine wirksame Abschreckung, denn die Fahrzeuge der typischen Schleuserbanden sind verschwunden“, sagt Bundespolizei-Pressesprecher Frank Koller.

Die Bilanz ist ansonsten ernüchternd: kein einziger „Gefährder“, keine Terrorverdächtigen gingen ins Netz.

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