"Gefühl der Angst" Weil die Zahl der Angriffe steigt: Demo gegen Homophobie

, aktualisiert am 17.05.2016 - 13:49 Uhr
Flagge zeigen: Das Bild stammt aus dem letzten Jahr, als Marcel Rohrlack von den Jungen Grünen Opfer eines gewalttätigen Angriffs geworden ist. Foto: Ralph Hub

Bei einer Demo wird am Dienstag gegen Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transgender protestiert – denn die Zahl der Angriffe steigt.

 

München - Ein schwuler Mann spaziert die Klenzestraße entlang, als ihm ein heterosexuelles Pärchen entgegenkommt. Die Frau stellt sich ihm in den Weg. Dann brüllt sie ihm „Du Schwuchtel!“ entgegen – und schlägt ihn ins Gesicht.

Von diesem Vorfall berichtet Christoph Knoll von der Beratungsstelle Sub e.V. Ob Alkohol im Spiel war, weiß Knoll nicht, das Pärchen wurde nicht gefasst. Die Wortwahl ist allerdings eindeutig – das war ein Angriff aus homophobem Hass.

Es gibt ein Gefühl der Angst, mit dem Partner Händchen zu halten

Bei der Polizei werden Angriffe auf sexuelle Minderheiten allerdings nicht explizit als Hassverbrechen registriert. Im Protokoll steht lediglich Körperverletzung – Statistiken homophober Gewalt lassen sich so nicht erstellen.

„Bei uns melden sich im Jahr etwa 40 Personen, die Opfer von Angriffen geworden sind“, berichtet Knoll. Die Dunkelziffer derer, die sich weder an die Polizei noch an das Sub wenden, schätzt er allerdings um ein Vielfaches höher ein.

Ausgerechnet im vermeintlich so offenen Glockenbachviertel äußern sich Schwule, Lesben, Transmenschen und Intersexuelle immer öfter besorgt. „Es gibt ein Gefühl der Angst, mit dem Partner händchenhaltend durch die Straßen zu laufen.

Das lesen wir viel in den Kommentaren in den sozialen Netzwerken“, erläutert Rita Braaz von der Lesben-Beratungsstelle Letra.

Die verbalen und körperlichen Angriffe bekommen in erster Linie Männer und Transgender zu spüren. Sie werden eindeutiger als Angehörige sexueller Minderheiten identifiziert. Hinzu komme, dass festgefahrene Bilder von Männlichkeit fester verankert seien, erklärt Knoll.

Lesbische Frauen werden so zwar seltener Opfer feindseliger Attacken. Dafür kommen für sie auch sexistische Beleidigungen und Belästigungen hinzu – Kommentare, „ob man denn mal mitmachen dürfe“ inklusive.

Und auch eine lesbische Kollegin, so berichtet Rita Braaz, sei vergangenes Jahr bei der Heimfahrt in der Tram mit ihrer Freundin von Fremden angepöbelt worden.

Noch besorgter äußert sich Braaz über die wieder hoffähigen „Sorgen“ und die politische Ebene der Homophobie. „Bei der AfD oder den Besorgten Eltern in Augsburg werden Ressentiments geschürt und sexuellen Minderheiten Rechte abgesprochen. Und das scheint plötzlich wieder legitim zu sein, sie werden gewählt. Das macht mir wirklich Angst“, sagt sie.

Der heutige 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Inter- und Transphobie, in Erinnerung an den 17. Mai 1990, als die WHO die Homosexualität von der Liste der Krankheiten gestrichen hat.

„Ein typisches Muster: eine Minderheit gegen die andere ausspielen“

Ziel der Demo ist es, Flagge zu zeigen. Gegen Homophobie und andere Formen der Intoleranz. Denn gerade gegenüber den neu hinzukommenden Muslimen, werden Vorwürfe besorgter Bürger laut.

„Das ist ein typisches Muster, eine Minderheit gegen die andere auszuspielen“, macht Braaz deutlich und hält dagegen: „Erstens ist es falsch zu behaupten, die Muslime wären alle schwulenfeindlich. Und zweitens kommen viele Menschen zu uns, die aus ihrer Heimat genau davor fliehen – weil sie selbst lesbisch oder schwul sind.“

Das wird auch Thema einer Ansprache von Braaz sein, die sie gemeinsam mit einer lesbischen Frau aus Uganda bei der Demo hält. Beginn ist um 19.30 an der Ecke Thalkirchner Straße/Müllerstraße.

 

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