Verletzungen, Kritik und OP 2016: Das Seuchenjahr von Bayern-Star Jerome Boateng

Für Jerome Boateng ist das Jahr 2016 eins zum Vergessen. Foto: imago

Bayern Abwehr-Boss Jerome Boateng erlebte ein Jahr zum vergessen: Die neuerliche Verletzung setzt einen Jahr die Krone auf, dass kaum schlimmer hätte verlaufen können - Ein Rückblick.

 

München - Es ist wirklich wahr, Jerome Boateng ist tatsächlich Deutschlands "Fußballer des Jahres 2016".

Wenn der Weltmeister dieser Tage auf die letzten zwölf Monate zurückblickt, dürfte ihm diese Auszeichnung wie ein schlechter Witz vorkommen.

Nicht, dass Boateng schlecht gespielt hätte, ganz im Gegenteil - nur, er hat wegen verschiedener Verletzungen eben viel zu selten gespielt.

Neuerlicher Ausfall als Symbol für 2016

Und so passt es zu Boatengs Seuchenjahr, dass er den Weihnachtsendspurt mit Bayern München mit Spielen am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Darmstadt 98 und am Mittwoch gegen Verfolger RB Leipzig verpasst.

"Leider ja", sagte Boateng am Freitag dem kicker auf die Frage, ob er an der Schulter operiert werden müsse. Der 28-Jährige war im Training unglücklich gestürzt und hatte anschließend über Schmerzen in der Brustmuskulatur geklagt. Eine genaue Diagnose gibt es zwar noch nicht, die Bild vermutet aber eine zweimonatige Zwangspause.

Während seine Kollegen der Aufforderung von Klubboss Karl-Heinz Rummenigge nachkommen, die "mit großen Anstrengungen" erkämpfte Tabellenführung unter den Weihnachtsbaum zu retten, muss Boateng also zuschauen - wieder mal.

Über 50 Prozent der Spiele verpasst

Von 67 möglichen Spielen im Kalenderjahr 2016 mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft bestritt der Abwehrchef beider Teams gerade einmal 28.

Anfang des Jahres fällt Boateng wegen eines Sehnenrisses monatelang aus, sogar seine Teilnahme an der EM scheint in Gefahr. Doch er kämpft sich zurück und steht in der von der AfD angestoßenen, unsäglichen "Nachbar"-Debatte zunächst doch ganz anders im Fokus als erhofft.

Im ersten Gruppenspiel der EURO gegen die Ukraine lässt er Taten sprechen und wird mit seiner akrobatischen Rettungstat zum Helden. Es sei "immer gut, einen Boateng als Nachbarn zu haben", sagt Bundestrainer Joachim Löw.

Boateng fliegen die Herzen zu, doch in der entscheidenden EM-Phase kehrt das Pech zurück. Im Achtelfinale gegen die Slowakei muss er wegen Wadenproblemen raus, im Viertelfinale gegen Italien verursacht er einen dämlichen Handelfmeter. Das Aus im Halbfinale gegen Frankreich verfolgt er nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung hilflos von der Bank aus - Muskelbündelriss.

Kleine Verletzungen verhindern Topform

Er verpasst den Saisonstart mit den Bayern ebenso wie die ersten Länderspiele der neuen Saison. Dass Löw dort Manuel Neuer zum neuen Kapitän macht, ist für Boateng eine herbe Enttäuschung. Wieder kämpft er sich ran, doch seine Leistungen sind schwankend - auch, weil es hier und da immer mal zwickt.

Mit seinem neuen Klubkollegen Mats Hummels soll er das "beste Abwehrduo der Welt" (Rummenigge) bilden, doch das stand bis heute nur sechs Mal gemeinsam in der Münchner Startelf. Negativer Höhepunkt ist das 2:3 in der Champions League bei FK Rostow, als der wankende Boateng zum Sinnbild der taumelnden Bayern wird. Rummenigge zettelt danach eine Debatte um Boatengs Freizeitaktivitäten an ("down to earth"), die der gekränkte Star öffentlich kontert.

Zuletzt war es etwas ruhiger geworden um Boateng, er wolle sich auf Fußball konzentrieren, hieß es. Daraus wird jetzt erst mal nichts.

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