Verheerende Sturmschäden Perlacher Forst in Gefahr? "Wie ein Bombeneinschlag"

An vielen Stellen im Perlacher Forst gibt es kaum noch Bäume. Alexander Schmitt-Geiger, Vorsitzender des Perlacher Forstvereins, gibt auch der Politik die Schuld. Foto: Petra Schramek

Der Perlacher Forst ist von Stürmen schwer beschädigt. Aktivisten geben aber auch dem Staat eine Mitschuld daran, dass es immer weniger Bäume gibt.

Im Perlacher Forst sind unzählige umgeknickte Bäume zu sehen, an vielen Stellen ist der Boden aufgewühlt und hat tiefe Furchen. Es führen breite Fahrspuren in den Wald hinein: sogenannte Rückgassen. "Mit Harvestern, das sind riesige Holzvollernter, werden hier Bäume gefällt", sagt Alexander Schmitt-Geiger. "Die arbeiten effizient, hinterlassen aber breiten Trassen im Wald."

Schmitt-Geiger ist Vorsitzender des Perlacher Forstvereins, der sich für die Erhaltung des Waldgebiets einsetzt. 1961 hat die SPD-Politikerin Inge Hügenell den Verein gegründet. Sie wollte den Perlacher Forst damals vor dem Ringschluss bewahren – und war erfolgreich.

"Der Perlacher Forst wird als reiner Wirtschaftswald angesehen", kritisiert Schmitt-Geiger. Bayern teilt Wälder in Klassen ein. In Klasse eins werden die naturnahen und besonders alten Wälder eingestuft. Sie bedeutet den höchsten Schutz: Es wird keine Holzernte betrieben. Wälder der Klasse vier gelten als am wenigsten schützenswert. Den Perlacher Forst haben die Staatsforsten überwiegend in Klasse vier eingestuft.

"Es sieht hier aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen"

Nicht nur die wirtschaftliche Nutzung zerstört den Wald. Auch Stürme und Unwetter richten Schaden an. Neben einer großen Wiese mitten im Perlacher Forst ist vom Wald kaum noch etwas übrig. "Es sieht hier aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", sagt Schmitt-Geiger.

Unter den Hundespaziergängern im Forst kennt man den 45-Jährigen. Er ist selbst zweimal täglich mit seinem Schäferhund Cronos hier unterwegs. Nicht selten sprechen ihn dann andere Spaziergänger an und beschweren sich über die breiten Schneisen und abgeknickten Bäume in "ihrem Wald".

So wie Gabriele Konrad. Sie wohnt seit 48 Jahren direkt am Forst und kommt täglich mit ihrer Hündin Amy her. Von den Baumfällarbeiten bekommt sie viel mit. "Die fahren hier bei jedem Matschwetter mit ihren Wahnsinnsgeräten in den Wald rein", schimpft sie. "So ein Forst muss sich ja lohnen, sagen die."

Der Klimawandel gefährdet die Wälder

Schmitt-Geiger fordert von der Politik, die Einteilung der Wälder in Klassen zu verändern. Nach dem derzeit gültigen Naturschutzkonzept ist es aber nahezu unmöglich, dass ein Waldbestand der Klasse vier in eine "bessere Klasse" eingestuft wird.

Wilhelm Seerieder von den Bayerischen Staatsforsten sieht das Problem ohnehin nicht im Klassensystem, sondern im Klimawandel. "Ostern 2015 hat der Sturm Niklas einen großen Schaden angerichtet. Wir beseitigen seit drei Jahren immer noch die Folgeschäden des Sturms", entgegnet Seerieder den Vorwürfen des Perlacher Forstvereins. "In 20 bis 30 Jahren wird der Klimawandel so weit fortgeschritten sein, dass die Fichten dem Wetter nicht mehr standhalten", sagt Seerieder.

Der Forst werde deshalb zu einem widerstandsfähigeren Wald umgebaut. "Damit die Buchen, Tannen und Eichen wachsen können, müssen wir aber Fichten entfernen", sagt der Forstbetriebsleiter. Auch die Arbeit mit den Holzvollerntern hält Seerieder für äußerst sinnvoll. "Die Reifen bringen geringeren Druck auf den Boden als Pferdehufe." Die Vorstellung, Haflinger Baumstämme durch den Wald ziehen zu lassen, sei "sozialromantisch". Schmitt-Geiger fordert hingegen, den Wald nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen. Das hieße aber auch, auf wichtige Einnahmen zu verzichten.

Deshalb hat Aktivist Alexander Schmitt-Geiger noch eine andere Idee: Große Unternehmen könnten Patenschaften für den Wald übernehmen. "Die könnten sich damit sozial und ökologisch engagieren", sagt er. "Die Spieler vom FC Bayern München kommen gerne zum Joggen hierher, warum sollte sich der Verein also nicht einbringen?"

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