Venezoelanisch essen in München Prygoshin: Tanzlokal mit Schwiegermamas Guasacaca

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Michael Frimpong in seinem Lokal. Foto: min

Im Bahnhofsviertel hat ein Café mit venezolanischer Küche und Musik im Hinterzimmer eröffnet.

 

München - Tanzlokal ist ein Wort, dass man im Münchner Nachtleben selten hört. Es klingt nach sonntäglichem Tanztee und Foxtrott. Wer das Lokal Prygoshin von Michael Frimpong (26) im nördlichen Bahnhofsviertel betritt, sieht erstmal keinen Tanz, dafür liebevoll restaurierte Stühle vom Flohmarkt, ausladende Sofaecken und Kakteen auf den Tischen.

Das Tanzlokal ist nur am Wochenende geöffnet, wenn Frimpong die Tür zum hundert Quadratmeter großen Hinterzimmer mit der aufgestockten Kommode von 1940 öffnet, wo der DJ thront. Hier legen freitags und samstags ab 22 Uhr Freunde von Frimpong auf, worauf sie Lust haben: Funk, Hip-Hop, Indie. Frimpong hat einige DJ-Freunde, denn er hat im P1 die "Blackout Munich"-Reihe veranstaltet. Eintritt kostet das in der Regel nicht. Dank der massiven Kommode nimmt man dem Prygoshin das Tanzlokal ab, ohne es staubig zu finden.

Staubig war es hier 16 Monate. Nachdem jahrelang ein irakischer Verein die Räume genutzt hatte, zog der Pop-up-Club Miao ein. Weil sich herausstellte, dass Brandschutz, Lüftung, Boden und somit fast alles neu gemacht werden musste, zog sich der Umbau.

Frimpong hat auf der Baustelle so weit möglich alles selbst gemacht. Viele Münchner kennen ihn als Basketballer beim FC Bayern, aber er ist auch Elektrotechniker und hat einen Spezl mit einer Werkstatt in Sauerlach, wo er an den Wochenenden Möbel restauriert hat.

Einzigartig im Bahnhofsviertel

Herausgekommen ist ein Café, wie es das bisher im Bahnhofsviertel nicht gibt. Schnuckelig könnte es treffen, auch, weil hier ausschließlich Freunde und Familie von Frimpong arbeiten. "Meine Freundin backt gerne, ihre Mutter auch und ich werde auch zum Backen gezwungen", sagt Frimpong. Das Kuchenstück gibt’s ab 2,90 Euro, manchmal nach venezolanischem Rezept mit gesüßter Kondensmilch.

Denn die Freundin von Frimpong ist aus Venezuela und ihre Mutter hat mit einem Koch-Spezl von Frimpong die Küche übernommen. Frimpong selbst ist in Ghana geboren, in München aufgewachsen und liebt das Essen der Schwiegermutter. "In Ghana verarbeiten wir die gleichen Zutaten wie Kochbanane und Maniok."

Die Küche Venezuelas ist dank Maismehl glutenfrei und geeignet für Fleischliebhaber und Vegetarier. Die Patacons sind zwei knusprig frittierte Scheiben Kochbanane, gefüllt mit sehr viel Rindfleisch (11 Euro), Avocado und einem hellen Käse überstreut.

Vegetarier können (fast) alle Vorspeisen essen, zu empfehlen sind die Tequenos-Käsesticks (4,40 Euro) und die Yuka-Fries (4,50 Euro) aus Maniokwurzel. Dazu den Cognacdip und Schwiegermamas Guasacaca probieren, die venezolanische Antwort auf Guacamole.

Wer sich hier durch die Karte geschlemmt hat, dazu einen Cocktail trinkt, während der Buena Vista Social Club "Chan Chan" singt und Manu Chao "Clandestino", dem ist nach Tanz.

 

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